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Mercedes kontert: Wieso Flüstermotoren serienrelevant sind

Kleiner, aber effizienter: Für Motorenchef Cowell besteht die Parallele zwischen Formel 1 und Straße in Downsizing, Turboprinzip und Energierückgewinnung

(Motorsport-Total.com) - Bernie Ecclestone lässt kein gutes Haar an der neuen Antriebsgeneration der Formel 1. Der Sound nervte den Zampano von Anfang an, das Sprit sparen ist ihm seit längerer Zeit ein Dorn im Auge und jüngst mokierte sich der 84-Jährige über mangelnde Relevanz für die Serienentwicklung - den Schwarzen Peter schob er den Herstellern in die Schuhe. In letztgenanntem Punkt widerspricht Mercedes entschieden: Motorenchef Andy Cowell zeigt auf, wo es um Otto Normalverbraucher geht.

Mercedes Motor

Mercedes' Formel-1-Antrieb: Sieht so die Zukunft im Straßenverkehr aus? Zoom

Die wichtigste Parallele ist das Downsizing-Prinzip: Mit der Regelnovelle im Winter 2013/2014 schrumpften die Motoren in der Königsklasse von 2,4 Liter und acht Zylindern auf 1,6 Liter und sechs Zylinder. "Man macht einen Verbrennungsmotor effizienter, indem man ihn verkleinert", weiß Cowell. "Weniger Hubraum, weniger Zylinder, niedrigere Drehzahlen." Das Problem: Mit dem Verbrauch sinkt die Leistung. Als Abhilfe kommt ein Turbolader hinzu und die Luftzufuhr wird erhöht.

Nicht umsonst hat die fast in der Versenkung verschwundene Technik in den vergangenen Jahr ein Comeback im Straßenverkehr gefeiert. "Wenn man das fortsetzt, endet es mit sehr kleinen Motoren und sehr großen Turboladern", so Cowell. Deren Achillesferse ist - seit eh und je - das fehlende Ansprechverhalten in unteren Drehzahlbereichen, das berühmte Turboloch. Dann arbeitet der Motor nur als reiner Sauger, da die Abgasmenge noch nicht ausreicht, um die Turbine auf hoher Drehzahl zu halten.


Fotostrecke: Brixworth damals und heute

Der Verdichter komprimiert die Luft nicht ausreichend stark genug. Im Motorsport brauchen die Ingenieure Abhilfe. "Entweder ein Hybridsystem, mit dem man an der Ampel richtig wegzieht", sagt der Mercedes-Experte und meint dabei sowohl die Lichtzeichen am Grand-Prix-Start als auch an der Supermarkt-Ausfahrt. "Oder man baut einen Elektromotor auf den Turbo, der dann den Kompressor antreibt und für einen zusätzlichen Schub sorgt. Genau da sind Formel-1-Autos serienrelevant."

Cowell stellt klar: Es geht nicht darum, 800 PS und mehr in eine Familienkutsche zu pressen. "Wir wollen im Straßenverkehr nicht die Power wie in der Formel 1. Wir bewegen uns auf niedrigerem Niveau, aber das Schema ist exakt das gleiche." Genau daran wird weiter getüftelt. "Es wird mit Autos enden, die beim Verzögern einen Elektromotor nutzen, der für uns bremst. Bremsscheiben sind dann nur für Notfälle." So soll die Energie, die sonst verloren ginge, in den Energiekreislauf zurückgeführt werden.

Sie fließt direkt an die Achsen oder in Akkus. "Wenn wir gemütlich fahren, gibt es die Möglichkeit, Energie aus der Turbine zurückzugewinnen und dem Elektromotor zuzuführen. Auf der Autobahn lässt sich das dann abrufen. Genau das machen wir auch in der Formel 1", erklärt Cowell.

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