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  • 24.10.2018 · 16:58

  • von Sven Haidinger & Adam Cooper

Mehr Spektakel ohne Freitag-Training? Warum es Zweifel gibt

Nach dem Austin-Thriller, der auch auf den verregneten Freitag zurückzuführen ist, wird eine eine Streichung des Freien Trainings diskutiert, doch es gibt auch Kritiker

(Motorsport-Total.com) - Der Grand Prix der USA hatte alles, was ein Formel-1-Rennen braucht: einen völlig unberechenbaren Verlauf, ein aufregendes Strategieschachspiel, tolle Zweikämpfe und einen Dreier-Sprint ins Ziel. "Es war episch und ziemlich aufregend - ich habe das Rennen wirklich genossen. Die Leute am TV wollen das öfter sehen, aber so wie die Autos designt sind ...", kritisiert Lewis Hamilton wieder einmal die aktuellen Boliden. "Mit den Jungs zu kämpfen, war toll. Und genau davon träume ich eigentlich."

Rote Ampel

Bleibt die Boxenausfahrt in Zukunft am Freitag für die Formel 1 geschlossen? Zoom

Doch warum war der US-Grand-Prix so packend? Viele führen es darauf zurück, dass die Teams durch das verregnete Training auf dem Circuit of The Americas kaum Anhaltspunkte hatten, was die Haltbarkeit der Reifen angeht. Und auch das eigene Set-up war nicht so ausgefeilt wie zum Beispiel auf Strecken wie Barcelona, wo schon im Winter getestet wird.

"Wir müssen die Freien Trainings am Freitag streichen", fordert Ex-Formel-1-Pilot und Experte Karun Chandhok auf 'Twitter'. "Die Rennen sind doch viel besser, wenn die Teams weniger Daten haben, auf die sie zurückgreifen können." Außerdem könne man "Geld sparen" und die Teammitglieder hätten "mehr Zeit mit ihren Familien", sieht der Inder nur Vorteile.

Wolff: Freitag-Streichung würde sich langfristig nicht rentieren

Auch Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff schwärmt trotz der aufgeschobenen Titelentscheidung vom Rennen in Austin: "Das war spektakuläres Racing zwischen Max, Kimi und Lewis - und so sollte es sein. Wir wollten eine tolle Show liefern, besonders hier in den USA. Ich hoffe, dass es den Zuschauern gefallen hat."

Lewis Hamilton, Max Verstappen, Kimi Räikkönen

Der Dreikampf um den Austin-Sieg elektrisierte die Formel 1 Zoom

Ihm ist bewusst, dass dies mit dem Set-up-Blindflug durch das nutzlose Freitag-Training in Zusammenhang steht: "Je weniger Streckenzeit man hat, desto größere Variabilität erhält man." Dennoch hat er Zweifel, ob man mit der Streichung des Freitag-Trainings alle Probleme löst.

"Ich denke, dadurch wird man nur erreichen, dass im Hintergrund mehr Simulationen und Computer laufen, die vorausberechnen, wie man das Auto auf die Strecke bringen muss", vermutet, dass sich die Teams rasch auf die Gegebenheiten einstellen würden.

Wie unberechenbar darf die Formel 1 sein?

Abgesehen davon ist nicht einmal klar, wie lange die Freude über völlig unberechenbare Rennen anhalten würde. Erinnerungen an die Saison 2012 werden wach, als in den ersten sieben Rennen ebenso viele unterschiedliche Piloten ganz oben auf dem Podest standen. Der Höhepunkt war Pastor Maldonados Triumph in Barcelona.

Damals wurden kritische Stimmen laut, die Pirelli-Reife hätten zu viel Einfluss auf die Rennen und die beste Arbeit der Ingenieure würde nicht mehr belohnt werden. Außerdem würde kein Zuschauer mehr verstehen, was wirklich vor sich geht. "Wir wollen keine vorhersehbaren Rennen, aber am Ende wollen wir sie doch. Und gibt es plötzlich eine Show, wollen wir sie auch wieder nicht", meint Haas-Teamchef Günther Steiner.

"Klar, wenn wir ohne Freies Training fahren würden, dann würden die Reifen zum unberechenbaren Faktor und das Feld durchgemischt werden. Dann ist der vorn, der sich am besten vorbereitet." Der Südtiroler ist der Ansicht, dass sich am Ende trotzdem die großen Teams durchsetzen würden. "Aber wir könnten einen Tag weniger arbeiten", schmunzelt er.

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