Lotus: Maldonado will in die Punkte, Ocon mehr Einsätze

Pastor Maldonado ist nach dem Freitags-Training optimistisch, während es Romain Grosjean noch an Zuversicht fehlt - Esteban Ocon mit starkem Debüt

(Motorsport-Total.com) - Zum Auftakt des Grand-Prix-Wochenendes von Abu Dhabi startete Lotus mit zwei weitestgehend problemfreien Trainingseinheiten. Pastor Maldonado kann dabei in Top-10-Nähe fahren und ist daher zuversichtlich für den Rest des Wochenendes. Für Romain Grosjean beginnt die Vorbereitung auf das Finale allerdings erneut mit Balance-Problemen. Einen starken Eindruck konnte Esteban Ocon hinterlassen, der erstmals an einer Formel-1-Einheit teilnahm.

Titel-Bild zur News: Pastor Maldonado

Ambitioniert: Pastor Maldonado ist in Abu Dhabi auf Punktkurs Zoom

"Es hat sich großartig angefühlt, auf die Strecke zu gehen", so der 18-Jährige. "Ich habe nicht gleich alles gegeben, aber es hat sich gut angefühlt. Das Auto ist natürlich ganz anders zu fahren, im Vergleich zu der vorherigen Generation, die ich schon gefahren bin. Es ist auf jeden Fall viel komplizierter von den ganzen Einstellungen und man muss auch seinen Fahrstil anpassen. Ich bin ganz zufrieden mit der Pace, die ich zeigen konnte. Aber ich bin noch zurückhaltend gefahren. Bei den Tests wird da noch mehr kommen."

Der 18-Jährige durfte Dank seines gewonnenen Titels in der Formel-3-Europameisterschaft Ende Oktober erstmals im E21 testen und nun den E22 um den Yas Marina Circuit lenken. Dabei konnte er am Freitagmorgen mit Maldonado mithalten und fuhr, nur 0,355 Sekunden langsamer als der Venezolaner, die sechszehntschnellste Zeit.

Ocon hat Blut geleckt

Auch Chefingenieur Alan Permane hat gefallen, was er von dem jungen Franzosen gesehen hat: "Esteban hat einen durchweg respektablen Job gemacht, und alles umgesetzt, was wir von ihm wollten. Er ist auf jeden Fall ein großartiges Talent für die Zukunft."

Ocon wird dem Team auch im kommenden Jahr noch als Testpilot erhalten bleiben. Unklar ist jedoch, ob es in der Saison 2015 zu weiteren Freitagseinsätzen kommt. Doch schon in der kommenden Woche wird er für Lotus testen. "Wenn sie glücklich sind, bin ich es auch", sagt er selbst. "Jetzt möchte ich so schnell wie möglich wieder in ein Formel-1-Auto steigen. Dienstag darf ich noch einmal, aber ich hoffe, dass sie mir danach auch noch einmal die Chance geben werden."

Erst einmal steht jedoch noch das Finale der aktuellen Formel-1-Saison an, und Maldonado glaubt, dass dies durchaus positiv für das Team verlaufen könnte: "Es war ein guter Tag, an dem wir viel Arbeit erledigen konnten. Ich bin zufrieden damit, wie sich das Auto anfühlt und es steckt gutes Potenzial darin, für Samstag und das Rennen. Wir können noch immer ein paar Verbesserungen finden. Ich bin mir sicher, dass es schon im dritten Freien Training besser gehen wird. Dann können wir im Qualifying das Maximum geben."

Maldonado glaubt an den Fortschritt

Der 29-Jährige fuhr am Morgen mit einer Zeit von 1:46.711 Minuten zwar nur auf Rang 15 und 3,235 Sekunden langsamer als die Spitze; schon am Nachmittag konnte er sich aber mit 1:44.005 Minuten als Zwölftschnellster durchsetzen und lag nur noch knapp zwei Sekunden zurück.

"Aus irgendeinem Grund waren wir in den letzten drei bis vier Rennen konkurrenzfähiger und haben einen großen Schritt vorwärts gemacht", so Maldonado. "An diesem Wochenende werden wir wieder um Punkte kämpfen können. Wir waren schon Brasilien nah dran und haben es vielleicht wegen unserer Strategie nicht geschafft. Hier scheinen wir aber wieder recht stark zu sein. Es ist eine andere Strecke, die ich wirklich mag, da ich hier schon immer recht konkurrenzfähig war. Auf den Option-Reifen wirkt das Auto hier recht stark."


Fotos: Lotus, Großer Preis von Abu Dhabi, Freitag


Der Venezolaner glaubt außerdem, dass der neue, spezifizierte Treibstoff, den Lotus an diesem Wochenende fährt, für eine bessere Performance sorgen kann. Er weiß jedoch auch: "In Sektor eins und drei waren wir stets in den Top 10. In Sektor zwei sind wir aber die Letzten. Das ist nur auf die Power zurückzuführen. Wir sind auf den Geraden einfach nicht effizient genug."

Grosjean noch mit Problemen

Wegen des Debüts von Ocon musste Grosjean auf seinen Vormittags-Einsatz verzichten. Dementsprechend schwer fiel es ihm im zweiten Freien Training, ein Gefühl für Auto und Strecke zu bekommen: "Wir haben noch viel Arbeit vor uns, um den E22 dahin zu bekommen, wo wir ihn gerne hätten. Ich habe die Zeit im ersten Freien Training verloren. Das macht sich bemerkbar, auch wenn die Bedingungen da ganz anders im Vergleich zum Rest des Wochenendes sind. Wir können aus dem Auto noch etwas an Pace rausholen und sicherlich im Qualifying noch schneller sein."

Der Franzose fuhr am Nachmittag eine Zeit von 1:44.986 Minuten. Damit lag er 2,873 Sekunden hinter der Spitze und war auch 0,981 Sekunden langsamer als Maldonado. "Ich hatte große Schwierigkeiten, die richtige Pace zu finden", erklärt er. "Wir müssen schauen, wie wir das verbessern können. Ich hatte auch wenig Grip, vor allem am Heck. Das war schon das ganze Jahr über ein Problem."

Grosjean blüht neben der normalen Setup-Herausforderung allerdings auch noch eine der härtesten Strafen, die die Rennleitung in diesem Jahr ausgesprochen hat. Da bei ihm nicht nur der sechste Verbrennungsmotor, sondern auch die sechste MGU-H und der sechste Turbolader zum Einsatz kommen werden, bekommt er eine Grid-Strafe von 20 Plätzen. Da diese wohl weder groß einschneiden, noch zum nächsten Rennen weiter getragen werden kann, wird er auch noch zusätzliche Zeitstrafen im Rennen bekommen.

Qualifying-Teilnahem trotz Grid-Strafe

"Man ist für das Rennen schon mal im Nachteil, das versteht sich von selbst", so Grosjean. "Das ist hart, aber so sind die Regeln. Man lernt immer aus solchen Dingen. Es war zwar schwer vorstellbar, dass so etwas passieren könnte, aber das geht auch auf meine Kappe."

Romain Grosjean

Romain Grosjean wird es beim Finale in Abu Dhabi nicht leicht gemacht Zoom

Einen Boykott der quasi hinfälligen Qualifikation und einen Start aus der Boxengasse zieht er aber nicht in Betracht: "Ich schätze, ich werde ein normales Qualifying fahren. Es ist immerhin die einzige Chance, eine weniger harte Strafe zu bekommen. Wenn ich unter die ersten Acht komme, werden es nur fünf Sekunden." Dass ihm das gelingen könnte, glaubt der 28-Jährige jedoch selbst nicht.

"Es war ein ordentlicher Freitag für uns, an dem wir unser komplettes Programm abspulen konnten", schließt Permane das Freitags-Fazit ab. "In der ersten Einheit sind wir weniger Runden gefahren, da die Bedingungen da um einiges weniger repräsentativ für das Rennen und die Qualifikation waren. Aber alle drei Fahrer haben abgeliefert, was wir von ihnen erwartet haben, und wir haben eine Menge Informationen für das Qualifying sammeln können."