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Liuzzi bereitet seinen Abschied vor

Vitantonio Liuzzi weiß, dass er bei Toro Rosso keine Zukunft hat, weshalb er seine Fühler schon in Richtung anderer Teams ausgestreckt hat

(Motorsport-Total.com) - Schon morgen soll die Verpflichtung von ChampCar-Star Sébastien Bourdais durch Toro Rosso bekannt gegeben werden, was für Vitantonio Liuzzi bedeutet, dass er sich einen neuen Arbeitgeber suchen muss. Denn auch beim Schwesternteam Red Bull Racing ist kein Platz mehr frei, womit die Trennung von Red Bull besiegelt scheint.

Vitantonio Liuzzi

Vitantonio Liuzzi sucht nun bei anderen Teams nach einem Job für 2008

Mit unseren Kollegen von 'F1GrandPrix.it' sprach der Italiener heute über die jüngsten Entwicklungen bei Toro Rosso und die Gerüchte um die Bourdais-Bekanntgabe: "Ich weiß nicht, ob es stimmt", sagte er zur Behauptung, wonach der Bourdais-Deal morgen bestätigt werden soll. "Aber ich wusste schon von dieser Möglichkeit und stehe in Verhandlungen mit anderen Teams, also ist das keine große Veränderung für mich."#w1#

Viele vergessen: Liuzzi ist ein schneller Mann

Im Gegensatz zu seinem kürzlich entlassenen Ex-Teamkollegen Scott Speed ist es Liuzzi gelungen, seinen Ruf in den vergangenen beiden Jahren nicht zu beschmutzen - und dieser Ruf war vor dem Formel-1-Einstieg ja absolut einzigartig im Motorsport: Bei der Kart-WM 2001 in Kerpen schlug er einen gewissen Michael Schumacher und 2004 dominierte er die Formel 3000, die Vorgängerserie der heutigen GP2, so locker, dass selbst Lewis Hamilton vor Neid erblasst wäre.

Für 2005 war er bei Sauber im Gespräch, doch die Schweizer entschieden sich - vor allem aus marketingtechnischen Überlegungen - für Jacques Villeneuve, der für das Team als Ex-Weltmeister einen kommerziellen Anreiz darstellte. Also wurde Liuzzi zu Red Bull Racing geholt, wo er gleich in seinem ersten Rennen einen WM-Punkt holte. Allerdings musste er sich das Cockpit mit Christian Klien teilen - beim damaligen Qualifyingmodus keine glorreiche Idee.

Dass er nun gefeuert werden soll, liegt seiner Meinung nach übrigens nicht nur an den angeblich ungenügenden Leistungen: "Da steckt was anderes dahinter", spekulierte der 26-Jährige. "Sie haben uns ja schon am Ende der vergangenen Saison Druck gemacht. Die ganze Sache war ziemlich leicht durchschaubar, also habe ich mich entschieden, mich woanders umzusehen - genau wie Scott. Jetzt befinden wir uns eben an diesem Punkt."

Sauer wegen Anschuldigungen seitens des Teams

"Oft wurden wir Fahrer zu Unrecht beschuldigt, um die Probleme des Autos zu vertuschen." Vitantonio Liuzzi

Besonders sauer ist Liuzzi darüber, dass er und Speed von den Teamchefs Gerhard Berger und Franz Tost öffentlich als "Deppen" hingestellt wurden: "Die Atmosphäre innerhalb des Teams war nicht die beste, denn oft wurden wir Fahrer zu Unrecht beschuldigt, um die Probleme des Autos zu vertuschen", sagte er. Der STR2 sei nämlich eine herbe Enttäuschung - angeblich hatten Berger und Tost erwartet, damit auf Red-Bull-Racing-Niveau zu fahren.

Dem Vergleich mit Sebastian Vettel am Hungaroring hielt Liuzzi jedenfalls stand: Am Freitag war er um 0,012, am Samstagmorgen um 0,486 Sekunden schneller als der Deutsche. Im ersten Abschnitt des Qualifyings behielt er um 0,447 Sekunden die Oberhand - nur die schnellste Rennrunde war um eine halbe Sekunde langsamer, aber Vettel fuhr seine ja erst im 65. Umlauf, als Liuzzi wegen eines Elektrikdefekts längst ausgeschieden war.

"Ich finde, er hat nichts Außergewöhnliches geleistet", stichelte Liuzzi in Richtung Vettel. "Vielleicht hatten sie gedacht, dass sie ihn ins Auto setzen und er mich um eine halbe Sekunde bügeln würde, aber genau das Gegenteil war der Fall. Vettel ist ein Rookie, aber er ist in Indianapolis gefahren und hat viele Kilometer im BMW auf dem Buckel, hat mehr getestet als wir bei Toro Rosso. Es war kein großartiges Debüt, aber er kann sich hier bestimmt verbessern."