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Lewis Hamilton und Mercedes: Was steckt hinter dem Einjahresvertrag?

Wird 2021 zur Abschiedstournee von Lewis Hamilton, bevor Max Verstappen und George Russell kommen? Nach der Vertragsverlängerung bleiben Fragezeichen ...

(Motorsport-Total.com) - Lewis Hamilton bestreitet die Formel-1-Saison 2021 für Mercedes. Das war keine große Überraschung. Dass sich die Vertragsunterschrift so lange gezogen und am Ende nur eine Verlängerung für ein Jahr herausgeschaut hat, lässt aber Fragezeichen offen.

Lewis Hamilton mit seiner Bulldogge Roscoe

Lewis Hamilton: Man hat den Eindruck, er ist auch ohne Formel 1 glücklich ... Zoom

Während die einen glauben, dass sich Hamilton die Möglichkeit offenhalten möchte, Ende 2021 als dann womöglich achtmaliger Weltmeister und alleiniger Rekordhalter zurückzutreten, vermuten andere, dass mit der kurzen Vertragsdauer auch die Weichenstellung des Mercedes-Teams für die Zukunft einhergehen könnte. Nicht ausgeschlossen, meinen manche, dass schon 2022 Max Verstappen und George Russell im Mercedes sitzen könnten.

Russell ist Mercedes-Junior und kann jederzeit ins Werksteam berufen werden, wenn Wolff das für sinnvoll hält. Und Verstappens Vertrag mit Red Bull läuft zwar bis Ende 2023, enthält aber eine Performance-Klausel, die ihm einen Teamwechsel ermöglicht, sollte ihm Red Bull kein siegfähiges Auto zur Verfügung stellen. Wie siegfähig genau definiert ist, entzieht sich allerdings unserer Kenntnis.

Kein Geheimnis ist, dass Wolff in der Vergangenheit ein freundschaftliches Verhältnis zu Jos Verstappen und Max' Manager Raymond Vermeulen gepflegt hat. Der Kontakt, heißt es, ist nie ganz abgerissen.

Mercedes: Die Gegenwart heißt nicht Verstappen

Allerdings konzentriert man sich bei Mercedes auf die Gegenwart, und die heißt Hamilton. Die Variante Verstappen wurde in Wolffs Online-Medienrunde zum neuen Hamilton-Vertrag (Video auf den YouTube-Kanälen von Motorsport-Total.com und Formel1.de) nicht thematisiert.

2022 wird in der Formel 1 ein komplett neues Reglement eingeführt. Da wäre es, könnte man vermuten, hilfreich, schon jetzt die Fahrer zu kennen, um diese vollintegriert in die Entwicklung einzubinden. Sollte Hamilton also nach 2021 weitermachen wollen, wäre es logisch gewesen, die Weichen dafür schon jetzt zu stellen.

Doch aus Teamsicht, unterstreicht Wolff, spiele es im Hinblick auf die Regelreform "keine Rolle", welche Fahrer 2022 im Auto sitzen. Das sei rein Sache der Ingenieure: "Das Team muss seinen Weg gehen, was die Entwicklung betrifft."

"Unsere Aufgabe ist es, das bestmögliche Auto auf die Straße zu stellen für 2022. Und die bestmöglichen Fahrer im Auto zu haben. Deswegen wollen wir innerhalb dieses Jahres, im Sommer, die Entscheidung treffen: Was glauben wir, was ist die beste Fahrerpaarung für 2022 und auch die Jahre danach?"


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Den 2021er-Vertrag hat Hamilton in der ersten Februar-Woche unterschrieben; ein paar Tage später erfolgte die offizielle Bekanntgabe. Über die wichtigsten Vertragsinhalte habe aber "schon Anfang des Jahres" Klarheit geherrscht.

Wolff: Hat lange gedauert, war aber nicht schwierig

In der Vergangenheit trafen sich Wolff und Hamilton schon mal zu einem "Küchengespräch", um die gemeinsame Zukunft zu besprechen. Aufgrund der Coronavirus-Pandemie hat das diesmal "über Zoom stattgefunden, vor Weihnachten", verrät Wolff.

Die Verhandlungen seien "nicht schwierig" gewesen, aber: "Es geht dann ums Detail. Auch da sind immer wieder Dinge, die sich verändern. Das wirtschaftliche Umfeld hat sich verändert. Insofern haben wir dann halt ein paar Wochen damit verbracht, den Vertrag zu verhandeln."

In der Zeit, in der seine Zukunft geklärt werden musste, postete Hamilton auf Social Media Fotos vom Langlaufen, von seinen Nichten und Neffen, von seinem Hund Roscoe und beim Gitarre spielen unterm Weihnachtsbaum. Sein gesellschaftliches Engagement wird ihm immer wichtiger. Man hat den Eindruck: Dem 36-Jährigen würde auch ohne Formel 1 nicht langweilig werden.

Die Entscheidung, nur für ein Jahr zu verlängern, sei aber nicht allein seine gewesen: "Das war eine beidseitige Entscheidung", erklärt Wolff. "Aus zwei Hauptgründen. Einerseits, dass wir natürlich 2022 ein völlig neues Reglement haben, auch das Cost-Cap dabei eine Rolle spielt. Ansererseits haben wir in diesem Jahr einfach so lange zugewartet mit der Vertragshandlung, dass wir nicht noch ein zusätzliches Jahr diskutieren wollten für 2022 oder 2023."

Wolff entgegnet auf den Hinweis, dass nun das mediale Theater diesen Sommer wieder von vorn losgehen werde, mit einem Augenzwinkern: "Wir wollen euch ja Content verschaffen! Wir werden (...) das gleiche Theater im Sommer wieder veranstalten. Das wird ja super werden! Und wir werden uns vielleicht schon früher einig sein, wie wir weitertun wollen."

Red Bull einziger Gegner auf dem Weg zum achten Titel?

"Ich glaube, Lewis möchte alles darauf konzentrieren, bestmögliche Voraussetzungen zu schaffen, um diesen achten Titel zu fahren. Das ist mit Sicherheit nicht einfach, wenn man sich die Konkurrenzsituation anschaut. Gerade von Red Bull, die sehr gut aufgestellt sind meiner Meinung nach für 2021."

"2022 ist ein völlig neues Umfeld, ein verschärfter Cost-Cap - und auch ein völlig neues technisches Reglement. Gesamtwirtschaftlich gesehen haben wir auch ein schwieriges Umfeld, und deswegen haben wir uns beide gedacht, dass wir uns diese 2022er-Diskussion gern sparen wollen, um jetzt einfach mit der Saison zu beginnen", so Wolff.


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"Wir haben im Ansatz darüber diskutiert, wie es denn weitergehen könnte. Aber Lewis brennt für das Rennfahren. Meiner Meinung nach hat er in keinster Weise an Leistung eingebüßt. Ganz im Gegenteil. Er versucht, sich jedes Jahr anzupassen, sein Training anzupassen, seine mentale Vorbereitung so zu gestalten, dass er performen kann. Deswegen sehe ich keinen Leistungsabfall."

"Ich bin davon überzeugt, dass er gern weiterfahren möchte, solange er auf diesem Niveau performt. In dieser Hinsicht haben wir noch nicht genau über die Zukunft gesprochen. Aber die Stiftung ist ein erster Meilenstein, der weit über dieses eine Jahr hinausgeht, dass wir ein Zeichen setzen wollen und dass wir gemeinsam zusammenarbeiten wollen", sagt der Österreicher.

Wie langfristig, das ist aber die große Frage. Zumindest hinter 2021 habe jedoch nie ein Fragezeichen gestanden. Das Worst-Case-Szenario, dass am Ende Russell statt Hamilton im Mercedes sitzen könnte, habe es nicht gegeben, "weil wir immer klar waren, dass wir miteinander weitertun wollen", versichert Wolff. "Das haben wir auch das ganze Jahr so besprochen. Sowohl er als auch wir haben mit niemandem anderen verhandelt."

Hamilton: Verdient er wirklich 40 Millionen?

Über harte Zahlen haben Mercedes und Hamilton Stillschweigen vereinbart. In den Medien ist von einer Jahresgage von mehr als 40 Millionen Euro die Rede. Ob das stimmt, darüber kann nur spekuliert werden. "Zum Gehalt wollen wir glaube ich nicht Details diskutieren", winkt Wolff ab.


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Klar ist aber: Mitten in der Coronakrise und einer herausfordernden Zeit für die Automobilindustrie, die sich gerade nach und nach vom Verbrennungsmotor verabschiedet, wäre es im Konzern schwierig darstellbar gewesen, Hamilton jenes astronomische Gehalt zu bezahlen, das er aufgrund seiner Erfolge und seines Marktwerts über die Grenzen des Motorsports hinaus womöglich verdienen würde.

Über die Hintergründe der Gehaltsfrage und mögliche Rahmenbedingungen des Einjahresvertrags wurde zuletzt sowohl im neuen Newsanalyse-Format Zoom auf dem YouTube-Channel von Formel1.de als auch im Formel-1-Podcast Starting Grid diskutiert.

Spekulationen, dass Hamilton Mercedes in der Gehaltsfrage entgegengekommen ist, bestätigt Wolff indirekt, wenn er sagt: "Wir leben in einer unheimlich schwierigen Zeit - menschlich, gesundheitlich und auch wirtschaftlich. Die Autoindustrie erfindet sich gerade neu, mit einem Investitionsfokus auf Elektromobilität. Das ist einfach die Situation."

"Das war aber für Lewis auch immer klar. Er hat hier immer Loyalität zum Konzern und zur Entwicklung des Unternehmens gezeigt. Deswegen war das nicht wirklich ein hartes Topic."

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