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Lewis Hamilton: Erinnere mich nicht an Duell mit Nico Rosberg

Lewis Hamilton schwärmt vom Kampf gegen Sebastian Vettel und scheint die Duelle mit Nico Rosberg bereits vergessen beziehungsweise verdrängt zu haben ...

(Motorsport-Total.com) - Lewis Hamilton scheint kein besonders gutes Gedächtnis zu haben. Obwohl sich der Brite in den vergangenen drei Saisons permanent mit seinem Mercedes-Teamkollegen Nico Rosberg um den WM-Titel duellierte, hat der 32-Jährige laut eigener Aussage keine großartigen Erinnerungen mehr an den Zweikampf, der die Formel 1 über Jahre bestimmt hat. "Ich weiß es nicht... Ich kann mich nicht besonders gut daran erinnern", zuckt Hamilton die Schultern, als er darauf angesprochen wird.

Nico Rosberg, Lewis Hamilton

War da was? Lewis Hamilton hat das Duell mit Nico Rosberg schon vergessen ... Zoom

Hintergrund: Hamilton erklärte in den vergangenen Wochen mehrfach, dass er den aktuellen Kampf gegen Sebastian Vettel mehr genieße als das teaminterne Duell mit Rosberg. Daher wurde er im Rahmen des Großen Preises von Bahrain danach gefragt, warum ihm das Duell gegen seinen Teamkollegen nicht so viel Spaß gemacht habe. Doch Hamilton kann oder will sich offenbar nicht daran erinnern.

Der dreimalige Weltmeister betont zwar, dass der Kampf gegen Rosberg "nicht langweilig" geworden sei. Das Duell mit Vettel sieht er aber noch einmal auf einer ganz anderen Ebene. Damon Hill, Weltmeister des Jahres 1996, hat Verständnis dafür. "Nico Rosberg verletzt das womöglich ein bisschen", lacht er im Gespräch mit 'Sky'. Es sei aber ganz normal, dass man sich als Fahrer mit anderen Weltmeistern vergleichen möchte.

Duell Hamilton gegen Vettel "gut für den Sport"

Fakt ist, dass Vettel bereits vier WM-Titel auf dem Konto hat, Hamilton immerhin drei und Rosberg bis zum vergangenen November keinen einzigen. Möglicherweise eine Tatsache, die Hamilton im Duell mit seinem langjährigen Teamkollegen immer ein bisschen gestört hat. Laut Hill sei es übrigens unvermeidlich gewesen, dass Hamilton und Vettel irgendwann gegeneinander um den Titel kämpfen. "Und das ist gut für den Sport", stellt er klar.


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Tatsächlich kreuzten sich die Wege von Hamilton und Vettel in der Formel 1 seit Vettels erster kompletter Saison im Jahr 2008 immer wieder. Damals hätte der deutsche Hamilton beim Saisonfinale in Brasilien fast um seinen ersten Titel gebracht. Doch obwohl sich die beiden anschließend auf der Strecke immer wieder begegnet sind, duellierten sie sich bisher noch nie gegeneinander um den Titel.

Als Vettel die Königsklasse zwischen 2010 und 2013 dominierte, reichte es für Hamilton zwar zu vereinzelten Erfolgserlebnissen, wirklich herausfordern konnte er den damaligen Red-Bull-Piloten aber nie. Ab 2014 wendete sich das Blatt und Hamilton war das Maß aller Dinge, während Vettel mit Red Bull beziehungsweise Ferrari klar zurücklag. 2017 scheinen sich die beiden nun erstmals auf Augenhöhe zu begegnen.

Großer Respekt auf beiden Seiten

"In den vergangenen Jahren hat er es immer in der Hand gehabt, wenn ihn Nico nicht zu sehr geärgert hat. Deswegen ist er im Moment das Maß aller Dinge und der, den es zu schlagen gilt", lobt Vettel seinen Rivalen und erklärt: "Wir kämpfen auf der Strecke, aber danach gibt es keinen Grund, sich nicht in die Augen zu schauen. Der Respekt ist groß. Wenn man ihn schlägt, dann sieht es in der Regel nicht so schlecht aus."

"Respekt" ist ein Wort, das man im Duell der beiden immer wieder hört - auch von Hamiltons Seite aus. "Ich hatte auch damals schon eine Menge Respekt vor ihm", erklärt der Brite im Rückblick auf Vettels erfolgreiche Zeit bei Red Bull. Dieser Respekt sei von Jahr zu Jahr noch größer geworden. Es sind Bekundungen, wie man sie im Zusammenhang mit Nico Rosberg in den vergangenen Saisons immer seltener hörte.

"Nico hat einen hervorragenden Job gemacht und ist Weltmeister geworden. Das wurmt Lewis natürlich, und das sind ein paar Seitenhiebe ...", vermutet Rosbergs Vertrauter Gerhard Berger bei 'Sky' und stellt klar: "Auf Augenhöhe war das letztjährige Duell auch." Trotzdem hat man das Gefühl, dass Hamilton aus dem Schwärmen über seinen Kampf mit Vettel gar nicht mehr herauskommt.

Hamilton kritisiert: "Keine wahren Champions"

"Es ist aufregender, gegen ein anderes Team zu fahren - so wie ich es auch 2007 und 2008 erlebt habe", erklärt der ehemalige McLaren-Pilot. Auch damals hieß der Gegner übrigens Ferrari. Doch was ist nun schwieriger? Der Kampf gegen den eigenen Teamkollegen oder das Duell mit dem Fahrer eines anderen Teams? "Ich würde nicht nicht sagen, das eins schwieriger ist als das andere. Es ist einfach unterschiedlich", so Hamilton diplomatisch.


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Fest steht für ihn allerdings, dass der Kampf zwischen Mercedes und Ferrari gut für die Formel 1 ist. "Ich denke, dass es aufregender ist, als nur Silber vorne zu haben", erklärt er. Es mache ihm als Fahrer außerdem "nicht so viel Spaß", nur gegen den eigenen Teamkollegen anzutreten. "Wenn Du gegen ein anderes Team fährst, dann hat jeder seine Stärken und Schwächen", erklärt er. Das scheint Hamilton eine größere Freude zu bereiten, als der Kampf mit identischem Material.

Der dreimalige Champion macht auch keinen Hehl daraus, dass es ihm eine größere Genugtuung geben würde, einen Gegner auf Augenhöhe zu schlagen. Bei 'RTL' erklärt er: "Es gibt einige Fahrer, und ich nenne keine Namen, die es bei einem Sieg wenig kümmert, in welcher Verfassung der Gegner ist. Aber das sind für mich keine wahren Champions." Sebastian Vettel dürfte er damit vermutlich nicht meinen ...