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Leute mit Biz: Norbert Odendahl

ZF Sachs Race Engineering rüstet zahlreiche Motorsportteams mit Spitzentechnologie aus - Geschäftsführer Norbert Odendahl engagiert sich mit Begeisterung

(Motorsport-Total.com) - "Die Formel 1 ist alle zwei Wochen für zwei Stunden Sport, aber dazwischen knallhartes Business", hat der große Frank Williams einmal gesagt. Für 'Motorsport-Total.com' Grund genug, eine Artikelserie ins Leben zu rufen, die sich mit dem Businessaspekt des Motorsports beschäftigt. In unregelmäßigen Abständen stellen wir eine Persönlichkeit vor, die sich im Motorsportbusiness durchgesetzt hat und mit Biss an ihre Sache herangeht - "Leute mit Biz" eben. Heute in der 27. Edition: Norbert Odendahl, Geschäftsführer der ZF Sachs Race Engineering GmbH.

Norbert Odendahl

Norbert Odendahl engagiert sich mit Begeisterung für den Motorsport

Die ZF Sachs Race Engineering GmbH ist eine Tochtergesellschaft der ZF Friedrichshafen AG und wurde 1998 gegründet. ZF ist weltweit der achtgrößte Automobilzulieferer und beschäftigt rund 70.000 Mitarbeiter an mehr als 120 Standorten weltweit. In Deutschland ist ZF die Nummer drei hinter Bosch und Continental. Das Produktportfolio von ZF umfasst neben PKW- und Nutzfahrzeug-Technik in Antriebsstrang und Fahrwerk auch Produkte in den Bereichen Schiene, Windkraft, Marine, Luftfahrt sowie im Motorsport. ZF Sachs Race Engineering entwickelt, produziert und vertreibt Stoßdämpfer und Kupplungen für die Anwendung im weltweiten Motorsport.

ZF Sachs Race Engineering ist im Vergleich zur ZF Friedrichshafen AG ein kleiner Betrieb. Am Standort Schweinfurt sind 78 Mitarbeiter beschäftigt. "Wir sind sehr auf die Konstruktion spezialisiert, weil unsere Produkte sehr hohe technische Anforderungen stellen", sagt Odendahl. " In Zukunft soll der Motorsport bei ZF eine noch größere Rolle einnehmen als es heute der Fall ist. Wir möchten das in langer Tradition erworbene Image der Marke Sachs im Rennsport in Zukunft noch stärker für den Gesamtkonzern nutzen und unser Image im Bereich Technologieführerschaft ausbauen. Wichtig ist dabei auch, dass dieses Image das Unternehmen für potenzielle Mitarbeiter noch attraktiver macht."

Erfolge mit Michael Schumacher

Wie der Name schon sagt, ist ZF Sachs Race Engineering Zulieferer für verschiedene Teams im Motorsport. "In der Formel 1 konnten wir in der Ära Michael Schumacher große Erfolge mit dem damals revolutionären Konzept des Rotationsdämpfers bei Ferrari erzielen und waren in den letzten zwölf Jahren als technischer Lieferant an neun Konstrukteursweltmeisterschaften in der Formel 1 beteiligt. Die Weiterentwicklung dieses Rotationsdämpferkonzeptes kam dieses Jahr beispielsweise auch erstmalig bei den legendären 24 Stunden von Le Mans zum Einsatz. Aber auch im Tourenwagensport sind wir tief verwurzelt: Ab 2012 beliefern wir zum Beispiel exklusiv alle teilnehmenden Hersteller in der DTM mit einer einheitlichen Sachs-Kupplung."

VW Touareg

Stoßdämpfer von ZF Sachs Race Engineering im VW Race Touareg 3 Zoom

Neben Ferrari beliefert ZF Race Engineering auch die Formel-1-Teams Sauber und Toro Rosso mit Stoßdämpfern und Kupplungen. Zahlreiche Teams der GT-Weltmeisterschaft sind Kunden, aber auch die beiden Le-Mans-Werksteams Audi und Peugeot setzen für die optimale Übertragung des Drehmoments auf Sachs-Kupplungen. Beim Langstreckenklassiker 2011 lieferten sie sich ein Kopf-an-Kopf-Duell über 24 Stunden. Volkswagen Motorsport feierte mit ZF als technischem Partner zuletzt drei Siege in Folge bei der legendären Rallye Dakar in Südamerika und trat auch beim 24-Stunden-Rennen in der "Grünen Hölle" auf dem Nürburgring mit Technik aus Schweinfurt an.

ZF Sachs Race Engineering bietet Kupplungen und Stoßdämpfer in den drei verschiedenen Produktlinien Formula, Racing und Performance an. "Formula bedeutet für uns weltweiten Spitzenmotorsport mit internationalen Austragungsorten", erklärt Odendahl. "Dazu gehören zum Beispiel die Formel 1, die WRC, die Rallye Dakar, Le Mans, die Formel 3, aber auch die WTCC."

"Daneben haben wir die Produktlinie Racing, die wir als kontinentalen oder nationalen Spitzenmotorsport verstehen. Dazu zählen beispielsweise die DTM oder die regionalen Porsche Markenpokale. In der Vergangenheit zählte dazu auch die Formel BMW oder die Formel Nippon in Japan."

"Last but not least beschäftigen wir uns in der Produktlinie Performance mit leistungsverstärkten Tuningprodukten für die normale Straßenanwendung in Serienfahrzeugen. Das beinhaltet zum Beispiel Tieferlegungs-Sets oder verstärkte Kupplungen, die über Händler den Kunden angeboten werden. Oder wir statten Tuner, die Kleinserien produzieren, mit unseren Produkten aus. In der Vergangenheit waren das zum Beispiel Brabus, AC Schnitzer, Alpina oder Volkswagen."

Begeisterung für Autos von Kindesbeinen an

Odendahl hat von klein an Benzin im Blut: "Das fing schon in der Kindheit an. Ich bin zwar nicht der klassische Rennfahrer mit einer B-Lizenz, aber von Kindesbeinen an wurde am Sonntag Motorsport im Fernsehen geschaut", schildert er. "Damals war die Präsenz der DTM und der Motorrad-WM gewaltig. Das war bei uns zu Hause Standardprogramm."

"Die Begeisterung für Autos, die bei Jungs genetisch tief verwurzelt ist, kann ich im Zuge meiner Tätigkeit bei ZF immer wieder ausleben. Die Leute haben alle Benzin im Blut. Sie sehen die Dinge einfach pragmatischer und gehen sie auch dementsprechend an."

Viele Kunden erfordern dabei aber auch eine besondere Aufmerksamkeit: "In der Regel arbeite ich 60 Stunden die Woche", sagt Odendahl. "An den Wochenenden bin ich oft und gerne vor Ort an der Rennstrecke und suche das direkte Feedback unserer Kunden. Mit drei Kindern ist dafür natürlich auch ein entsprechendes Organisationstalent und viel Verständnis seitens der Familie erforderlich."

"Win on Sunday, sell on Monday": Dieser Spruch hat sich über Jahrzehnte bewahrheitet. Die Wirtschaftskrise hat einiges verändert. Auch der Motorsport, insbesondere die Formel 1, ist derzeit stark im Wandel. "Wir haben in der Vergangenheit das Thema Formel 1 stark gepusht und waren da auch sehr erfolgreich. Mit den Ausstiegen von Honda, BMW und Toyota, aber auch mit den Einsparungszielen der verbliebenen Teams, sind wir jetzt gefordert, uns dort neu zu organisieren und zu staffeln", so der Deutsche.

International und Lokal

"Um das positive Image von ZF zu stärken, ist es für uns nach wie vor sehr wichtig, dass wir in der Formel 1, der Rallye Dakar und in Le Mans dabei sind", sagt Odendahl. "Wir müssen aber gleichzeitig auch lokale Serien unterstützen, um unseren Markenwert zu erhöhen. Unser Ziel ist es, dass wir mit unseren Kernprodukten für den ambitionierten Fahrer im Breitensport eine interessante Alternative sind, damit er unsere Produkte auch in seinem Serienfahrzeug einbaut. Damit erzielen wir gewissermaßen einen Transfer vom Rennsport auf die Straße."

Der Motorsport fungiert dabei häufig als Ideengeber für die Serienentwicklung: "Wir engagieren uns beispielsweise verstärkt im Leichtbau und in der Erprobung neuer Materialien. Die Erkenntnisse aus unseren Erfolgen im Motorsport fließen direkt in die Serienentwicklung ein. Der Kunde soll wissen, dass er sich auf unsere Produkte verlassen kann, da sie auf der internationalen Bühne Spitzenmotorsport den härtesten Belastungen standhalten. Außerdem nutzen wir weltweite Standards, die heute ein Automobilhersteller für die Serie verlangt, auch für die Produktion unserer Motorsportprodukte und können so die konstant hohe Qualität unserer Produkte sicherstellen."

Neben konventioneller Technik ist auch die Ressourcenschonung, beispielsweise mit Hilfe der Hybridtechnik, derzeit in der Automobil-, aber auch in der Motorsportbranche ein heißes Thema. "Hybridtechnik entwickeln wir bei ZF aber bislang nicht für den Motorsport, sondern ausschließlich für die Serie. Die Themen Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit bedienen wir dort zum Beispiel mit Elektromotoren für Hybridantriebe aber auch mit Produkten in Leichtbauweise, zum Beispiel einem neu entwickelten Federbein aus Faserverbundwerkstoffen", schildert Odendahl.

Forschung nach neuen Technologien

"Die Tendenz zu umweltfreundlicheren Serien im Rennsport, wie zum Beispiel dem mit Erdgas betriebenen Scirocco-R-Cup, oder auch das Thema Energierückgewinnung in der Formel 1 mit KERS, zeigen aber meines Erachtens die Richtung, wohin die Reise auch im Motorsport gehen könnte. Ich persönlich warte gespannt auf die erste rein elektrisch angetriebene Rennserie in Europa."

Kupplung

Die Formel-1-Kupplung von ZF Sachs Race Engineering wiegt nur 860 Gramm Zoom

Mit 78 Mitarbeitern in Schweinfurt ist die ZF Sachs Race Engineering überschaubar. Das ist ein Vorteil in der harten Welt des Motorsports. "Ich denke, man ist mit einer kleinen Gruppe sehr flexibel und schlagkräftig", sagt Odendahl über sein Team. "Zum einen gefällt mir an meiner Aufgabe der direkte Kontakt zum Kunden, von dem ich sehr direktes Feedback erhalte. Zum anderen sind die Arbeitsbedingungen in einer geschlossenen, kleinen Einheit nahezu ideal."

"Dort hat man einfach einen größeren Gestaltungsspielraum, um Dinge zu verändern und voranzubringen. Wir haben uns über die Jahre ein hohes Know-how und Vertrauen beim Kunden aufgebaut. Zudem können wir auf die Ressourcen eines großen Automobilzulieferers zugreifen, der weltweit tätig ist. Durch diese weltweite Präsenz können wir auch Kunden ansprechen, die außerhalb Westeuropas Motorsport betreiben. Das können unsere Mitbewerber, die nicht über diese weltweiten Kapazitäten verfügen, nicht erreichen.

Odendahl hat nach seiner Ausbildung zum Industriekaufmann Betriebswirtschaftslehre studiert. "Dabei habe ich zwei Auslandssemester in Japan und den USA absolviert. Danach war ich für Bosch in Japan und in Süddeutschland tätig." Anschließend folgte der Wechsel zu ZF.

"Ich war elf Jahre lang in unterschiedlichen Funktionen bei ZF tätig. Ich habe im Aftermarket, also im Ersatzteilgeschäft, angefangen und Sportfahrwerke verkauft, hauptsächlich im japanischen Markt. Im Rahmen dieser Tätigkeit konnte ich über einen Servicepartner, der für Volkswagen Motorsport vor Ort den Lupo-Cup und den New-Beetle-Cup ausgetragen hat, erreichen, diese beiden Markenpokale mit den Produkten von ZF Sachs Race Engineering auszurüsten. Im Anschluss war ich für vier Jahre in der Slowakei als kaufmännischer Geschäftsführer eines ZF-Werks tätig. 2008 übernahm ich dann eine leitende Vertriebsfunktion bei ZF Sachs, bevor ich im November 2010 zum Geschäftsführer von ZF Sachs Race Engineering berufen wurde."

An den Wochenenden verbringt Odendahl viel Zeit an den Rennstrecken dieser Welt: "Für mich ist die gesamte Atmosphäre in der Rennsportszene einmalig. Die Leute sind alle ein bisschen verrückt. Ich glaube, jeder in dieser Szene ist vom gleichen Rennbazillus befallen. Da entsteht eine Art Gruppendynamik, der man sich nicht entziehen kann. Schnelle Autos, faszinierende Technik und die Möglichkeit, diese Technologie auch der breiteren Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen: Das macht für mich den besonderen Reiz aus, im Motorsport zu arbeiten."

Norbert Odendahl im Kreuzverhör:

Geburtsdatum: 25. Februar 1971

Geburtsort: Düren in Nordrhein-Westfahlen

Wohnhaft in: Schweinfurt

Familienstand: verheiratet, drei Kinder

Erstes Fahrzeug: VW Polo

Aktuelles Fahrzeug: Opel Insignia Sports Tourer

Erlernter Beruf: Industriekaufmann, Betriebswirt

Im Motorsport involviert seit: 2000

Größter beruflicher Erfolg: Übernahme der aktuellen Funktion

Größtes Ziel: Erfolgreiche Organisation der Motorsportaktivitäten mit Einbindung in die ZF AG

Lieblingsfahrer und -team in der Formel 1: Sebastian Vettel, Ferrari

Online oder Print? Online

Business- oder Economy-Class? Economy

Boulevard oder Feuilleton? Feuilleton

Festgeld oder Optionsschein? Optionsschein

T-Shirt oder Sakko? T-Shirt

Opernball oder Oktoberfest? Oktoberfest

Arbeit oder Hobby? Arbeit

Lebensmotto oder -philosophie: Always look on the bright side

Lieblingslektüre: Die Entdeckung der Currywurst, auto motor und sport

Person, die ich am meisten bewundere: meine Frau

Person, mit der ich mal auf ein Bier gehen möchte: Barack Obama

Geld bedeutet für mich... Sicherheit

Motorsport fasziniert mich, weil... dort schnelle Autos mit neuester Technik und geilem Sound unterwegs sind.

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