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Lauda & Todt im Einklang über die neue Formel 1

Niki Lauda und Jean Todt äußern erneut harte Kritik an den Sound-Kritikern und loben die Einführung der neuen Regularien genau zum richtigen Zeitpunkt

(Motorsport-Total.com) - Mercedes-Vorstand Niki Lauda ist nicht begeistert über die jüngste Debatte in der Königsklasse. Die Diskussion um den neuen Sound der Turbo-Motoren ist für den Österreicher absolut überflüssig: "Vom ersten Tag an haben alle gesagt, dass der neue Sound der Formel 1 Müll ist. Und es war Bernie (Ecclestone; Anm. d. Red.), der das alles angefangen hat. Ich verstehe das einfach nicht", so Lauda gegenüber dem 'Independent'.

Niki Lauda

Niki Lauda: Die Sound-Debatte ist einfach nur "dumm und unprofessionell!" Zoom

Wenn man kein Freund des leiseren Turbo-Geräuschs ist, dann solle man einfach die Ohrstöpsel rausnehmen. Und was machen die Fernsehzuseher? "Die sollen die Lautstärke aufdrehen", meint Lauda schnippisch. Der 65-Jährige erzählt auch von seinem Treffen mit Formel-1-Geschäftsführer Ecclestone, der ihm sein Leid geklagt hat: "Ich hatte ein Treffen mit Bernie, wo er von seinen Problemen mit den Organisatoren erzählt hat."

"Aber wer sind die? Nur der Typ, der das Australien-Rennen organisiert, Ron Walker. Er ist verärgert, weil er so viel Geld bezahlen muss, um das Rennen dorthin zu bekommen", analysiert Lauda scharf. Die Organisatoren würden den Lärm als Ausrede verwenden. Walker hatte zuvor das Turbo-Geräusch kritisiert und erwägt angeblich sogar eine Klage gegen Ecclestone wegen Vertragsbruchs.

Lauda: Veranstalter benutzen Sound als Ausrede

Lauda entgegnet dem Veranstalter des Australien-Grand-Prix: "Ich weiß, dass die Besucherzahlen in Melbourne sehr gut waren. Und Ricciardo war das Beste, was ihnen aus der Marketing-Perspektive passieren hätte können. Also war das Endresultat finanziell gesehen ein gutes Rennen."

Grundsätzlich kritisiert Lauda den Hype um den Motorenlärm und meint, es sei "dumm und unprofessionell", nach nur einem Rennen solch eine Debatte anzufangen. Man solle erst vier oder fünf Rennen abwarten. Der dreimalige Weltmeister gibt aber auch zu, dass die Formel 1 selbst schuld ist, dass nun jeder über dieses Thema spricht.

"Es ist die komplett falsche Richtung - und das wirklich Dumme daran ist, dass wir damit angefangen haben. Wenn es andere Leute angefangen hätten, die wir nicht kontrollieren können - okay", kritisiert er Weltmeister Sebastian Vettel und Ecclestone, die die neuen Antriebe öffentlich scharf kritisiert hatten. Lauda ergänzt: "Aber wir haben das selbst gemacht, und manche Idioten, die nichts davon verstehen, sind darauf aufgesprungen. Jeder redet über den Lärm in einer negativen Art und Weise, und es ist unsere eigene Schuld."

Dumme Kommentare zerstören den Sport

Der Österreicher glaubt, dass Vettel, der den Sound wörtlich als "scheiße" bezeichnet hat, nicht darüber wettern würde, hätte er einen konkurrenzfähigen Motor im Heck: "Wenn Vettel einen Mercedes-Motor und er den Melbourne-Grand-Prix gewonnen hätte, dann würde er sich nicht beschweren, auch wenn er den Sound nicht mag. Im Leben kann nicht alles perfekt sein."

Es müsse nun aber das Allerwichtigste sein, dass "die Vettels, Bernies, wer auch immer, unseren eigenen Sport nicht wegen dummer Kommentare über diese verdammten Lärm zerstören".

"...die Vettels und Bernies unseren Sport nicht wegen dummer Kommentare über diesen verdammten Lärm zerstören." Niki Lauda

FIA-Präsident Jean Todt zeigte sich nach immer lauter werdender Kritik gesprächsbereit. Zu den neuen Regeln meint der Franzose in der 'Welt am Sonntag' Folgendes: "Natürlich gab es einige Schwierigkeiten beim Auftakt. Das finde ich normal. Glauben Sie mir: Im Laufe der Saison wird sich das regeln."

Todt: Qualität setzt sich immer durch

Außerdem glaubt der Präsident nicht, dass sich die Kräfteverhältnisse in der neuen Saison dramatisch verändern werden: "Qualität setzt sich immer durch - deswegen glaube ich nicht, dass die Teams, die in den vergangenen Jahren stark waren, plötzlich hinterherfahren werden." Trotzdem sei der Weltmeister so unvorhersehbar wie lange nicht mehr: "Das finde ich gut", so Todt.

Jean Todt

Jean Todt stimmt Niki Lauda in der Debatte um die neue Formel 1 vollkommen zu Zoom

Angesprochen auf die neuen Regularien meint Niki Lauda, dass nun der perfekte Zeitpunkt für Veränderung sei: "Jetzt ist der perfekte Zeitpunkt für den Start dieser neuen Ära der spritsparenden Hybridmotoren. Warum? Weil Mercedes, Ferrari, Renault und Honda nicht lange in der Formel 1 bleiben, wenn sie ihre Motorenphilosophien nicht vernünftig ausdrücken können."

Warum hätte man die V8-Saugmotoren nicht einfach beibehalten können? "Wenn man den alten, lärmenden Sound der Achtzylinder-Motoren beibehalten hätte, dann hätte man diesen wesentlichen Schritt nicht gemacht, was die Formel 1 auf lange Sicht vernichtet hätte." Die neuen Motorenregeln seien motivierend für die Hersteller, weil die neue Technologie auch für deren Straßenautos relevant ist.

Veränderungen notwendig für die Formel 1

"Und es ist unausweichlich, dass die Turbomotoren weniger Lärm machen. Jedes Kind weiß das", so der fünffache Vater. Zur Durchflussmenge, die in diesem Jahr auf 100 Kilogramm pro Stunde limitiert ist, hat Lauda ebenfalls seine eigene Meinung: "Die 100 Kilogramm Spritdurchfluss sind genau die Richtung, in die jedes Straßenauto gehen muss, um Energie, Öl und all den Bullshit zu sparen. Wir müssen damit im Einklang sein."

Warum diese Begrenzung entscheidend ist? "Weil du nur fünf Motoren pro Saison zur Verfügung hast. Wenn du diese Durchflussmenge nicht hast, dann hast du 5.000 PS für eine Runde, aber dein Motor wird nicht halten. Also ist es sehr clever, weil es den Leistungsbereich unter Kontrolle hält", analysiert der Österreicher.

"Wenn die Formel 1 die Königsklasse des Motorsports bleiben will, muss sie sich verändern." Jean Todt

Todt schlägt sich auf die Seite von Lauda: "Die ganze Welt ist im Wandel, warum sollte da die Formel 1 außen vor bleiben? Schauen Sie sich an, wie Singapur vor 30 Jahren aussah. Das war eine Wüste. Und heute? Eine pulsierende Millionenstadt", so der Franzose.

Wenn die Königsklasse weiterhin die Spitze des Motorsports bleiben will, dann müsse man umdenken. "Die Formel 1 muss aufwachen: Umweltverschmutzung, Finanzkrise, schwindende Ressourcen - das sind Probleme, die sich nicht leugnen lassen. Wenn die Formel 1 die Königsklasse des Motorsports bleiben will, muss sie sich verändern", mahnt Todt. Diese Saison markiere den ersten Schritt auf einem langen Weg dorthin.