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Kubica mit starker Freitagsbestzeit in Montréal

Das BMW Sauber F1 Team überzeugte dank einer Kubica-Bestzeit auch im zweiten Freien Training - Schumacher nur 15. - Session mit vielen Ausritten

(Motorsport-Total.com) - Optimale Bedingungen herrschten heute Nachmittag während des zweiten Freien Trainings zum Grand Prix von Kanada: Auf dem 'Circuit Gilles Villeneuve' wurden bei bewölktem Himmel 24 Grad Luft- und 34 Grad Asphalttemperatur gemessen. Dennoch kam es in den 60 Minuten auf dem 4,361 Kilometer langen Stop-and-Go-Kurs zu einer wahren Orgie an Ausritten.

Robert Kubica

Robert Kubica war am ersten Tag in beiden Sessions der dominierende Fahrer

Praktisch das gesamte Feld wurde von der Strecke in der Schikane vor Start und Ziel einmal abgeworfen, wobei es diesmal niemanden so hart erwischte wie Tiago Monteiro (MF1-Toyota) am Vormittag. Die Ursache dafür sind wohl die innen platzierten Rasengittersteine, die es den Piloten ermöglichen, nach einem etwaigen Fehler einfach abzukürzen. Abgesehen davon erwies sich auch eine Kurve im zweiten Sektor als neuralgische Stelle.#w1#

Kubica mit einer beeindruckenden Vorstellung

Bestzeit fuhr neuerlich Robert Kubica, der zwar nicht an seine Bestzeit vom Vormittag herankam, aber in 1:16.965 Minuten wieder sämtliche Konkurrenten hinter sich lassen konnte. Der BMW Sauber F1 Team Pilot war mit 33 Runden auch der fleißigste Pilot der Session. Bestätigt wurde die Überform seines Rennstalls von Nick Heidfeld (9./+ 1,050/13 Runden) und Lokalmatador Jacques Villeneuve (10./+ 1,070/14 Runden), die ohne Mühe in den Top 10 landeten.

Das BMW Sauber F1 Team blickt damit wohl dem bisher stärksten Wochenende dieser Saison entgegen, denn wirklich mit Kubica mithalten konnte nur Fernando Alonso (Renault/+ 0,130/15 Runden), dessen schnellste Runde jedoch zustande kam, indem er die letzte Schikane abkürzte. Vom Weltmeister war dies der einzige registrierte Fehler des heutigen Tages. Teamkollege Giancarlo Fisichella (6./+ 0,840/21 Runden) leistete sich ebenfalls nur einen Schnitzer.

Unabhängig von der Orgie an Ausritten sicherte sich Alexander Wurz (Williams-Cosworth/+ 0,372/21 Runden) den dritten Platz, gefolgt von Kimi Räikkönen (McLaren-Mercedes/+ 0,525/10 Runden), dessen "Silberpfeil" heute einen recht starken Eindruck hinterließ. Anthony Davidson (+ 0,662/32 Runden) stellte seinen Honda auf Position fünf ab, konnte aber die in ihn gesetzten Erwartungen trotz eines brandneuen Reifensatzes am Ende der Session nicht ganz erfüllen.

Honda probierte verschiedene Heckflügel aus

Anthony Davidson

Schon am ersten Tag waren die Tribünen in Montréal recht gut gefüllt Zoom

Apropos Honda: Rubens Barrichello (12./+ 1,314/16 Runden) und Jenson Button (13./+ 1,464/18 Runden) wechselten zwischen dem in Monza getesteten Heckflügel mit nach oben zeigender Wölbung und einem konventionelleren Modell hin und her und entschieden sich schlussendlich für die Standardversion. Ursache für dieses ungewöhnliche Vorgehen dürfte der neue Windkanal sein, der angeblich im Moment noch ungenaue Daten ausspuckt, was einen Streckentest erforderlich machte.

Mit Mark Webber (7./Williams-Cosworth/+ 0,883/13 Runden) und Vitantonio Liuzzi (8./Toro-Rosso-Cosworth/+ 1,044/18 Runden) landeten zwei Überraschungskandidaten in den Top 10, an denen Michael Schumacher erstaunlich deutlich vorbeischrammte: Der Ferrari-Pilot bereitete sich konzentriert auf das Rennen vor, ließ zwischendurch einen Umbau am Setup vornehmen und wurde nach 17 Runden mit 1,584 Sekunden Rückstand 15. Zwischendurch wurde er gleich dreimal abseits der Strecke gesehen.

Seinem Bruder Ralf (16./+ 1,649/23 Runden) erging es ähnlich, auch wenn Toyota TF106 in der zweiten Session immerhin die leidigen Bremsprobleme vom Vormittag im Griff hatte. Der Speed des Autos war aber alles andere als überzeugend, zumal auch Teamkollege Jarno Trulli (+ 1,903/17 Runden), der zwischendurch mit einem offensichtlichen Schaltproblem langsam an die Box zurückrollte, als 19. nicht wirklich überzeugen konnte.

Rosberg nutzte nur zehn der 120 Trainingsminuten

Schlechtester Deutscher war jedoch keiner der beiden Schumachers, sondern Nico Rosberg (Williams-Cosworth/+ 2,083/10 Runden), der wegen eines Problems lange an der Box zuwarten musste und nicht über Rang 21 hinauskam. Rosberg ging erst gut zehn Minuten vor Schluss erstmals auf den 'Circuit Gilles Villeneuve', musste sich anschließend binnen kürzester Zeit auf die Strecke einstellen und lieferte angesichts dieser widrigen Umstände eine beachtliche Leistung ab.

Farblos blieben hingegen Juan-Pablo Montoya (17./McLaren-Mercedes/+ 1,796/14 Runden), der einen der spektakuläreren Ausritte ablieferte, Felipe Massa (22./Ferrari/+ 2,134/15 Runden) und David Coulthard (24./Red-Bull-Ferrari/+ 2,348/15 Runden). Apropos Red-Bull-Ferrari: Christian Klien (18./+ 1,900/15 Runden) bestätigte seine Vorliebe für Montréal und ließ Coulthard solide hinter sich, sein Team scheint insgesamt aber nicht gut in Form zu sein.

Yamamoto schneller als Montagny, langsamer als Sato

Sakon Yamamoto

Sakon Yamamoto soll ab Magny-Cours Franck Montagny bei Super Aguri ablösen Zoom

Interessant auch, dass Sakon Yamamoto ein kräftiges Lebenszeichen in Richtung Grand-Prix-Debüt von sich gab und unterm Strich annähernd so konkurrenzfähig war wie seine beiden Super-Aguri-Honda-Teamkollegen: Der Japaner landete nach 26 Runden mit 3,232 Sekunden Rückstand an drittletzter Position und distanzierte damit immerhin Monteiro (+ 3,297/18 Runden) und seinen Teamkollegen Franck Montagny (+ 4,469/22 Runden).

Mit Spannung wurde angesichts des FIA-Vorgehens gegen die flexiblen Flügel die Auswertung der Topspeeds erwartet, die erstaunlicherweise ergab, dass Ferrari in diesem Bereich den Nimbus der Unantastbarkeit verloren zu haben scheint. Schnellster in allen Sektoren war Wurz mit seinem Williams-Cosworth FW28. Ansonsten wurden am entscheidenden Messpunkt im dritten Sektor fast alle Teams mit vergleichbaren Werten um die 315 km/h gemessen.

Und dann ist da noch der Reifenkrieg, in dem es momentan leicht nach einem Vorteil für Michelin riecht, wenngleich die erzielten Zeiten des ersten Trainingstages natürlich immer mit Vorsicht zu genießen sind. Außerdem ist bekannt, dass Bridgestone im Laufe eines Wochenendes meistens noch zulegen kann, sobald sich mehr Gummiabrieb auf dem Asphaltband ansammelt. Insofern könnte sich das Kräfteverhältnis bis zum Rennen noch verschieben.