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Knalleffekt: Honda beendet sein Formel-1-Projekt nach 2021

Motorenhersteller Honda zieht die Reißleine und beendet sein Formel-1-Projekt nach der Saison 2021 - Red Bull muss sich einen neuen Antriebspartner suchen

(Motorsport-Total.com) - Die Nachricht kommt überraschend: Honda wird sein Formel-1-Projekt am Saisonende 2021 beenden und sich erneut aus der Königsklasse verabschieden. Das haben die Japaner am heutigen Freitag auf einer Pressekonferenz verkündet. Honda begründet diesen Schritt mit einem veränderten Fokus auf die Automobil-Industrie, in der man bis 2050 CO2-neutral unterwegs sein möchte.

Alexander Albon

Honda wird sich nach der Saison 2021 aus der Formel 1 verabschieden Zoom

Die Saison 2021 wird man noch zusammen mit Red Bull und AlphaTauri als Motorenhersteller bestreiten, danach müssen sich die Bullen einen neuen Antriebspartner suchen. Der Motorenhersteller war erst 2015 wieder in die Formel 1 eingestiegen und hatte drei fruchtlose Jahre mit McLaren erlebt, bevor man sich der Red-Bull-Familie zugewandt hat.

Die Entscheidung über den Ausstieg fiel laut Takahiro Hachigo, dem Präsidenten der Honda Motor Company, erst Ende September. "Wir haben entschieden, dass wir unsere Bemühungen im Bereich der nachhaltigen Technologien beschleunigen wollen. Daher müssen wir uns auf CO2-freie Technologien konzentrieren", betont Hachigo.

"Um dieses Ziel zu realisieren, muss Honda seine Forschung und Entwicklung im Bereich der zukünftigen Antriebstechnologien umstellen", so der Präsident weiter.

Red Bull: "Respektieren die Hintergründe"

Bei Red Bull nimmt man diese Entscheidung mit Fassung auf: "Als Team verstehen wir, wie schwierig es für die Honda Motor Company war, die Entscheidung zu treffen, sich nach der Saison 2021 aus der Formel 1 zurückzuziehen", sagt Teamchef Christian Horner. "Der sich verändernde Fokus in der Automobilindustrie hat zu Hondas Entscheidung geführt, die Ressourcen zu verlagern. Wir verstehen und respektieren die Hintergründe."

"Diese Entscheidung stellt uns als Team natürlich vor Herausforderungen, aber wir waren bereits in dieser Situation. Und da wir gut aufgestellt sind, sind wir dafür gerüstet, wirkungsvoll zu reagieren, wie wir es bereits in der Vergangenheit bewiesen haben", so Horner weiter. "Wir danken allen bei Honda für ihre außerordentlichen Bemühungen und ihre Entschlossenheit."


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Auch Red Bulls Motorsportkonsulent Helmut Marko schlägt in die gleiche Kerbe: "Beide unsere Rennteams haben in den vergangenen Saisons starke und erfolgreiche Beziehungen zur Honda Motor Company aufgebaut. Wir verstehen die Entscheidung von Honda und respektieren die Richtung, die sie in Anbetracht der neuen Herausforderungen, die sich in der Automobilindustrie darstellen, getroffen haben."

Für den Rest der gemeinsamen Zeit sei es das Ziel, gemeinsam um Siege zu kämpfen und ein Titelanwärter zu sein. "Daneben werden wir mit unseren Teams daran arbeiten, die bestmöglichen Power-Unit-Lösungen für 2022 und darüber hinaus zu finden."

Red Bull betont: Formel-1-Verbleib sicher!

Bei Red Bull betont man auch, dass man trotz des Ausstiegs von Honda weiter in der Formel 1 bleiben möchte. Das Team hatte erst neulich das Concorde-Agreement bis 2025 unterschrieben. "Da wir das jüngste Concorde-Agreement der Formel 1 unterzeichnet haben, bleibt das langfristige Engagement von Red Bull Racing in diesem Sport bestehen", bestätigt Horner.


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"Wir freuen uns auf diese neue Ära voller Innovation, Entwicklung und Erfolg. Als Gruppe nehmen wir uns jetzt die vorhandene Zeit, um die Situation weiter zu evaluieren und die konkurrenzfähigste Antriebslösung für 2022 und darüber hinaus zu finden", so der Teamchef.

Honda hatte seit seinem Comeback fünf Rennsiege einfahren können, davon vier mit Max Verstappen bei Red Bull und einen mit Pierre Gasly bei AlphaTauri. Damit sind die Japaner der einzige Hersteller, der in der Turboära mit mehr als einem Team gewinnen konnte.

Honda betont Fortschritte

"Wir hatten anfangs Probleme mit der Performance und der Zuverlässigkeit. Aber durch die Anstrengungen des ganzen Honda-Konzerns, einschließlich Know-how aus unserer Forschung auf dem Gebiet der Jetmotoren und dem Wissen der Serienproduktion zur Verbesserung der Effizienz, ist es uns gelungen, unsere Wettbewerbsfähigkeit signifikant zu verbessern", sagt Präsident Hachigo.

Masashi Yamamoto und Helmut Marko

Bei Red Bull bedauert man den Ausstieg seines Motorenpartners Zoom

Der Japaner weiter: "AlphaTauri, damals noch Toro Rosso, hat an unser Potenzial geglaubt und einen Vertrag mit uns unterschrieben. Seither haben sie Honda unterstützt, und seither sind wir gemeinsam besser geworden."

Neben Red Bull muss sich auch AlphaTauri einen neuen Motorenpartner suchen. Mit Hondas Ausstieg ist die Auswahl aber kleiner geworden: Nach aktuellem Stand gibt es 2021 mit Mercedes, Ferrari und Renault nur noch drei Antriebshersteller.

Franz Tost bedauert Aus: "Einer der besten Motoren"

"Es ist schade, dass Honda entschieden hat, sein Engagement in der Formel 1 zu beenden, denn die Performance ihres Antriebsstrangs wurde konstant und rasch besser, sodass es in sehr kurzer Zeit einer der besten Motoren in der Startaufstellung wurde", sagt auch AlphaTauri-Teamchef Franz Tost.

"Wir respektieren die Entscheidung von Honda, sich auf Umweltinitiativen zu konzentrieren und nach CO2-Neutralität zu streben. Wir alle bei AlphaTauri wünschen ihnen viel Erfolg dabei und eine erfolgreiche Zukunft", so der Österreicher.

"Wir möchten uns bei Honda für eine fruchtbare Zusammenarbeit bedanken und betonen, dass wir jeden Tag der Zusammenarbeit genossen haben. Es wird nicht leicht, einen Partner wie Honda zu finden, aber wir werden natürlich jetzt danach trachten, für die Zeit nach 2022 eine Lösung zu finden."

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