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Istanbul: Auf Nummer sicher

Nachdem man in der Türkei lange fiebern musste, ist es nun soweit - am Wochenende gastiert die Formel 1 zum ersten Mal in Istanbul

(Motorsport-Total.com) - Wenn am Sonntag der Startschuss für den Türkei-Grand-Prix fällt, wird es nicht nur der Jubel und die allgemeine Aufregung über den ersten Besuch der Königsklasse am Bosporus sein, die Istanbul von anderen Austragungsorten unterscheidet. Die angestrebten 155.000 Besucher erwartet darüber hinaus ein gewaltiges Sicherheitsaufgebot, mit dem man Zwischenfälle vermeiden und einen reibungslosen Auftritt erreichen will.

Istanbul bei Nacht

Ruhe vor dem Sturm: 155.000 Besucher werden am Sonntag in Istanbul erwartet Zoom

Nach einer anhaltenden Serie von Terroranschlägen in den vergangenen Monaten werden die Veranstalter das Gelände vorsorglich sichern. 2.000 Militärpolizisten, unterstützt von Zivilpolizei und Sicherheitsbeamten, werden den Kurs umringen. Wie schon in Silverstone als Reaktion auf die Terroranschläge von London werden die Besucher Metalldetektoren durchschreiten müssen und auch die Fahrzeuge der Zuschauer wird man durchsuchen.#w1#

Die Terrorakte, die in jüngster Vergangenheit das Land am Mittelmeer erschüttert haben, gingen dabei nicht nur auf das Konto kurdischer Separatisten. Bereits im Jahre 2003 riss ein Selbstmordattentäter der Al Qaida in Istanbul 60 Menschen mit in den Tod. Mumtaz Tahincioglu, Chef des Türkischen Motorsportbundes, erörtert dazu gegenüber 'AP': "Terrorismus ist ein Problem der ganzen Welt, nicht nur der Türkei. Wir haben unsere Sicherheitsmaßnahmen intensiviert."

Der letzte Feinschliff

Nicht nur die Sicherheitsmaßnahmen erhielten besondere Beachtung: Jetzt, nur noch wenige Tage vor dem ersten Grand Prix, bekommt die Strecke ihren Feinschliff. "Im Großen und Ganzen sind wir fertig", so Tahincioglu. Nur noch die letzten Arbeiten seien zu erledigen, einige Malerarbeiten ebenso wie letzte Aufräumarbeiten. Was bis zur kommenden Saison warten muss, ist die Landschaftsgestaltung, erklärt er weiterhin. "Im Moment ist es dazu einfach zu heiß."

Dennoch ist der 'Istanbul Park Circuit' ein Schmuckstück geworden. Entworfen von Hermann Tilke, hat der Kurs den Verantwortlichen zufolge den Charakter einer Achterbahn. Überholmöglichkeiten bieten sich an mehreren Stellen und eine Besonderheit ist die Fahrtrichtung - die Piloten werden am Sonntag entgegen dem Uhrzeigersinn unterwegs sein. Für eine ansprechende Optik sorgen ein Miniaturnachbau der Bosporusbrücke auf dem Gelände sowie traditionell türkisch anmutende Tribünen und Paddockgebäude.

Über Kosten und Nutzen

All das hat man sich eine Stange Geld kosten lassen: 120 Millionen Euro, die größtenteils von der gesamttürkischen und der Istanbuler Handelskammer getragen wurden, liefen sich auf. Ob man dabei auch mehr als ursprünglich geplant an Bernie Ecclestone weiterleiten musste, um das Tabakwerbeverbot vor Ort in Vergessenheit geraten zu lassen, bleibt offen.

Einem Besuch auf der Strecke folgend, tat Premierminister Recep Tayyip Erdogan alle Bedenken hinsichtlich der hohen Kosten mit der Feststellung ab, man könne hier nicht die Kosten aufrechnen, man müsse viel mehr den Nutzen sehen, den eine solche Veranstaltung dem Land bringen kann. "Einziges Ziel der Veranstaltung ist es, für die Türkei und für Istanbul zu werben. Die Formel 1 ist eine der wichtigsten Sportarten der Welt. Die Rennen werden einen wichtigen Beitrag zur türkischen Wirtschaft darstellen", so Erdogan.