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Große Premiere der Formel 1 am Bosporus

Mit 'F1Total.com' erfahren Sie alles zum Grand-Prix-Debüt in der Türkei: Facts zur Rennstrecke, zur Stadt Istanbul und vieles mehr

(Motorsport-Total.com) - Es ist noch gar nicht so lange her - zwei Jahre nur, um genau zu sein -, dass die Formel-1-Weltmeisterschaft in 16 Läufen ausgetragen wurde, von denen zehn in Europa stattfanden. 2005 besteht die Grand-Prix-Saison aus 19 Rennen auf vier Kontinenten, Tendenz steigend. Die Globalisierung des Motorsports schreitet also unaufhaltsam voran.

Jenson Button

Jenson Button im April 2005 auf einem der für Istanbul typischen Straßenmärkte Zoom

Am kommenden Wochenende gastiert die Formel 1 erstmals in ihrer Geschichte in Istanbul. Die Türkei ist das insgesamt 26. Land, in das die Königsklasse des Motorsports seit 1950 kommt, und der Kurs ist sogar schon der 69. Gefahren wird auf dem neu errichteten 'Istanbul Park Circuit', welcher vom deutschen Stararchitekten Hermann Tilke geplant und gebaut wurde. Die Strecke ist 5,340 Kilometer lang und soll "eine verbesserte Version von Spa" sein, heißt es seitens der Veranstalter.#w1#

Istanbul wie eine Naturstrecke nach moderner Bauart

Innerhalb weniger Monate ist die Türkei nach Bahrain und China das dritte neue Land, das im Formel-1-Kalender aufscheint, doch im Gegensatz zu den Kursen in Manama und Shanghai, die in Fachkreisen als relativ steril gelten, fällt Istanbul durch einige spezielle Charakteristika auf: So wird beispielsweise gegen den Uhrzeigersinn gefahren, was sonst nur in Imola und Interlagos der Fall ist, und die Höhenunterschiede sind vergleichbar mit jenen am alten A1-Ring oder eben in Spa.

Die hochmoderne Anlage bietet Platz für mehr als 100.000 Fans, allerdings werden bei der Premiere nur etwas mehr als 50.000 erwartet, weil die Eintrittspreise für türkische Verhältnisse relativ hoch sind. Dass das Schmuckstück aber überhaupt rechtzeitig fertig gestellt werden konnte, ist fast 1.500 Mitarbeitern zu verdanken. Für den Bau wurden nicht weniger als 5,5 Millionen Kubikmeter Erdreich weggesprengt, abgetragen, aufgeschüttet oder sonst wie bewegt.

Das Projekt war zwar nicht ganz so anspruchsvoll wie jenes in Shanghai, dennoch dürfen die Väter des 'Istanbul Park Circuit' stolz auf das sein, was sie geleistet haben. Streckenarchitekt Tilke konnte seine Ideen eigenen Angaben nach "ohne Kompromisse" durchsetzen, passte den Kurvenverlauf aber diesmal an die natürlich vorhandene Landschaft an. Dadurch entstand eine Berg- und Talbahn, die der Formel 1 mit Sicherheit ein gewisses Flair verleihen kann.

Architektur enthält zahlreiche orientalische Elemente

Nach der ersten Besichtigung des Areals erstellte Tilke ein Modell vom vorgesehenen Gelände, auf das er mit Fäden die geplante Streckenführung verlegte. Als er und sein Team mit dem Grundsatzentwurf zufrieden waren, ging man zum nächsten Schritt über. Dabei wich er von seinen Prinzipien aber nicht ab: "Wir legen sehr großen Wert darauf, dass man unseren Strecken ansieht, in welchem Land man zu Gast ist", sagte der Aachener vor der Premiere.

Und: "Jede Strecke hat ihren eigenen Charakter und auch das eine oder andere Merkmal, das man nirgendwo sonst findet. In Istanbul ist es zum Beispiel eine 180-Grad-Kurve, die aus geraden Segmenten zusammengesetzt wurde, also keinen flüssigen Radius hat. Für den Fahrer ist es eine besondere Herausforderung, da die Ideallinie zu treffen. Schafft er es, kann er mit Vollgas durchfahren, trifft er sie nicht, verliert er Zeit, weil er ein paar Mal korrigieren muss", so der Deutsche.

Ungefähr 320 km/h Höchstgeschwindigkeit werden erwartet

Unmittelbar nach dieser Schlüsselstelle folgt im letzten Sektor ein langsamer Links-Rechts-Knick, der auf eine lange Gerade führt. Die Fahrer werden dort voraussichtlich eine Höchstgeschwindigkeit von 320 km/h erreichen - und am Ende dieser Passage bietet sich in der Bremszone vor dem letzten Kurvenkomplex vor Start und Ziel die beste Überholmöglichkeit. Die zu erwartende Rundenzeit liegt übrigens bei einer Minute und 20 Sekunden.

Für die Teams bedeutet die Grand-Prix-Premiere in der Türkei eine besondere Herausforderung, denn niemand kann auf Daten aus den Vorjahren zurückgreifen. Nicht einmal Vergleichswerte von anderen Rennserien sind vorhanden, da die Formel 1 die erste Topkategorie ist, die auf der türkischen Strecke Station macht. Derzeit existiert nur eine CD-ROM mit verschiedenen Daten, die den Teams vom Veranstalter zur Verfügung gestellt wurde.

Immerhin haben die Simulationen von Michelin bereits folgendes ergeben: "Unsere Analysen zeigen, dass die Fahrbahn mit dicken Steinchen sehr dicht asphaltiert ist, wodurch sie sehr schwarz aussieht", so der Sportdirektor des französischen Reifenherstellers, Pierre Dupasquier. "Zu Beginn des Wochenendes werden die Autos auf reinem Teer fahren, aber das wird sich ändern, je mehr Runden einmal zurückgelegt sind."

Dunkler Asphalt könnte zur Herausforderung für die Reifen werden

Die extrem schwarze Farbe des Asphalts bringt übrigens einen weiteren Effekt mit sich, nämlich extrem hohe Streckentemperaturen. Je dunkler die Fahrbahn, desto besser werden Sonnenstrahlen aufgenommen - und desto heißer wird der Asphalt. Dabei ist ohnehin schon eine Hitzeschlacht weit jenseits der 30 Grad zu erwarten, denn die Türkei mag im August zwar ein Ferienparadies sein, aber mit Sicherheit kein Honigschlecken für Rennfahrer.

Apropos Fahrer: Während die Teams natürlich auch in der dreiwöchigen Sommerpause auf Hochtouren weitergearbeitet haben, standen für "Schumi" und Co. erst einmal Ferien auf dem Programm. Die Formel-1-Stars werden erst am Donnerstag an der Strecke eintreffen. Zwar hat noch kaum jemand von ihnen den 'Istanbul Park Circuit' mit eigenen Augen gesehen, doch viele bereiteten sich mit Videospielen auf das Wochenende vor.

Eine etwas unkonventionellere Methode wählte Giancarlo Fisichella, der sich von Renault eine DVD mit Cockpitaufnahmen aus einem PKW schicken ließ, um sich die Kurvenfolge einprägen zu können. Sein Teamkollege bei Renault, Fernando Alonso, war hingegen im Mai schon einmal in Istanbul, als in der Stadt eine Formel-1-Demonstration nach Londoner Vorbild durchgeführt wurde. Auch Ralf Schumacher, Jenson Button und David Coulthard waren zu PR-Zwecken bereits in der Stadt.

Einzige Stadt der Welt auf zwei Kontinenten

Das Besondere an der Metropole am Bosporus ist, dass sie als einzige Stadt der Welt auf zwei Kontinente verteilt ist: Europa und Asien. Die Rennstrecke liegt 75 Kilometer vom Zentrum entfernt auf asiatischem Boden - und ist damit durch die wegen des dichten Verkehrs nur schwer überwindbaren Brücken vom europäischen Teil der Stadt getrennt. Für die Veranstalter spielt dies allerdings kaum eine Rolle, zumal man sich viele Zuschauer aus dem Ausland erhofft.

Motorsportlich befindet sich die Türkei noch im Dornröschenschlaf, zumindest was die Formel 1 angeht. Zwar wird am kommenden Sonntag vor dem Rennen der Nachwuchspilot Jason Tahincioglu ein paar Demonstrationsrunden drehen, während sein Landsmann Can Artam immerhin in der GP2-Serie an den Start geht, doch einen echten Formel-1-Piloten oder gar einen eigenen Grand Prix hatte die Türkei bisher noch nicht.

Veranstalter bemühen sich um Interesse an der Formel 1

Umso größer ist die Begeisterung der Öffentlichkeit für den Rennsport, was sich unter anderem dadurch äußert, dass türkische Formel-1-Internetseiten wie Pilze aus dem Boden sprießen. Darüber hinaus wurden erst kürzlich Journalisten auf Kosten des Tourismusministeriums nach Istanbul eingeladen, um sich ein Bild von der pulsierenden Metropole machen zu können. Erster Eindruck: Die Stadt lebt!

Es ist auch notwendig, dass sich die Türkei dem Westen von ihrer Zuckerseite präsentiert, schließlich sollen möglichst viele Touristen ins Land gelockt werden. Nicht umsonst hat die türkische Handelskammer 60 Millionen Euro für das Projekt springen lassen. Außerdem ist das Image der Türkei derzeit ein wenig angeschlagen, weil viele Ausländer die Region aufgrund von Naturkatastrophen und vor allem Terrorangst meiden.

Für den Formel-1-Zirkus ist Istanbul freilich Neuland, weshalb 'F1Total.com' im Vorfeld des Rennens mit Kolja Spöri sprach, dem Marketingbeauftragten des Jordan/Midland-Projekts. Spöri ist heute mit seiner Firma in München beheimatet, wuchs aber in der Türkei auf und besuchte dort eine deutschsprachige Schule. Nach einer zehnjährigen Abstinenz kehrte er 1997 in seine Heimat zurück - und zog hinter den Kulissen die Fäden für den Grand Prix.

"Es wird vielleicht der beste Grand Prix des Jahres"

Spöri ist überzeugt, dass die Veranstaltung zu einem vollen Erfolg wird: "Es wird vielleicht der beste Grand Prix des Jahres, weil auch das Nachtleben und das Drumherum so toll ist. Die allgemeine Bevölkerung weiß aber noch nicht so recht, worum es bei der Formel 1 eigentlich geht. Auch für viele Unternehmen ist das noch Neuland", so der Geschäftsmann.

"Wo es noch ein bisschen hakt, ist die professionelle Vermarktung", räumte er außerdem ein. "Dafür gibt es noch kein Bewusstsein hier. Die Präsenz ist aber hervorragend, denn die Plakate hängen überall in der Stadt und diverse Firmen machen Promotion mit Showcars und so weiter." Angeheizt wurde das Interesse auch von Demonstrationsveranstaltungen von Renault und Red Bull, die recht guten Anklang fanden.

Große Formel-1-Party am Freitag im Nachtclub 'Reina'

Wer einen Besuch bei einem Grand Prix plant und diesen gleich mit einem Urlaub verknüpfen möchte, ist in Istanbul sowieso genau richtig, denn "Istanbul ist momentan mit die interessanteste Stadt der Welt", so Spöri. Als Insidertipps empfiehlt er vor allem den Nachtclub 'Reina', in dem am Freitag die offizielle Formel-1-Party steigt, und das Restaurant 'Ulus 29', in dem man sich mit türkischen Gerichten verwöhnen lassen kann.

In den zahlreichen anderen Restaurants und Lokalitäten in Istanbul werden dem Gast Speisen aus internationaler und einheimischer Küche serviert. Letztere ist dabei sehr vielseitig und bietet für jeden Geschmack etwas. Die meisten einheimischen Lokale bieten ein Standartangebot von Mahlzeiten, die sich nur im Preis und der Dekoration unterscheiden. Nur in Üsküdar und Kadiköy kann man ein paar Restaurants mit osmanischen Gerichten finden.

In der Türkei werden die Mahlzeiten so zubereitet, dass sie nach der Hauptzutat schmecken und nicht von Soßen oder zu vielen Gewürzen überdeckt werden. Lamm- und Rindfleisch werden deshalb meistens gegrillt oder am Spieß sparsam gewürzt serviert. Dazu gibt es entweder Kartoffeln, Salat und Reis oder grob geschroteten Weizen. Außer der Fastfood-Variante mit den dünn geschnittenen Scheiben im Brot gibt es noch viele andere Zubereitungsmöglichkeiten für Fleisch.

Spöri: Beyoglu ist "das Soho von Istanbul"

Genau wie zahlreiche westliche Millionenmetropolen verfügt auch die Stadt am Bosporus über ein eigenes Viertel, in dem man sich in das pulsierende Nachtleben stürzen kann. In Beyoglu, einer wunderschönen Gegend am Ufer, gibt es unzählige Bars und Restaurants mit herrlichem Panorama, in denen für jeden Geschmack etwas dabei ist. Die Ferraris und Porsches der VIP-Society bestimmen dort das Landschaftsbild.

Das Stadtbild von Istanbul ist grundsätzlich geprägt von Moscheen, Basaren und Palästen, aber auch von Kirchen und Synagogen, die überwiegend immer noch gut erhalten sind. Cirka 80 Prozent der Bevölkerung Istanbuls bekennen sich übrigens zum Islam - in der gesamten Türkei sind es 89 Prozent. Bedeutende religiöse Minderheiten sind außerdem die griechisch-orthodoxen Christen, die armenischen Christen und die sephardischen Juden.

Chaotischer Verkehr zu den Stoßzeiten

Dass man in Istanbul binnen weniger Minuten von Europa nach Asien beziehungsweise umgekehrt gelangen kann, bringt laut Spöri "ein gewisses Prickeln" mit sich. Gravierende Unterschiede zwischen den beiden Stadtteilen gibt es jedoch nicht: "Die Stadt ist sehr homogen, das tolle Nachtleben konzentriert sich aber auf den europäischen Teil. Mit zwölf Millionen Einwohnern ist Istanbul immer am Brodeln. Zu den Stoßzeiten ist der Verkehr natürlich entsprechend chaotisch."

Wer sich nicht für das Stadtleben begeistern kann und lieber direkt zum 'Istanbul Otodrom' fährt, muss sich den Verkehr allerdings gar nicht erst antun, denn der internationale Flughafen liegt auf der asiatischen Seite der Stadt und ist mit einer gut ausgebauten Autobahn optimal an die Rennstrecke angebunden. Direkt vor Ort sollte es ausreichend Parkplätze und Zufahrtswege geben, damit alles koordiniert und ohne Probleme ablaufen wird.

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