powered by Motorsport.com
  • 25.03.2009 · 19:03

Interview: Die Formel-1-Saison 2009 im TV

Dreier-Gespräch mit den Sportchefs Roman Steuer ('Premiere') und Manfred Loppe ('RTL') sowie 'DSF'-Chefredakteur Sven Froberg zum Saisonstart

(Motorsport-Total.com/sid) - Frage: "Ab 2010 wird die neue Regel eingeführt, dass der Fahrer mit den meisten Siegen statt den meisten Punkten Weltmeister wird. Was halten Sie davon und hätten Sie sich gefreut, wenn diese Regelung wie geplant schon ab dieser Saison gelten würde?"
Roman Steuer: "Prinzipiell ist es am einfachsten und konsequentesten, dass der Fahrer mit den meisten Punkten Weltmeister wird. Das hat sich auch in anderen Sportarten etabliert und bewährt. Ich halte es aber für sinnvoll, für einen Sieg mehr Punkte als bisher zu vergeben. So wird ein erster Platz im Rennen aufgewertet und die Fahrer sind mehr oder weniger gezwungen, mehr auf Sieg zu fahren, um nicht entscheidende Punkte liegenzulassen."

Nico RosbergShanghai, Shanghai International Circuit

Suchbild: Wo hat sich hinter den Kameras ein Formel-Fahrer versteckt?

Manfred Loppe: "Ich halte von diesem Bewertungssystem gar nichts. Es ergibt einfach keinen Sinn, dass der Fahrer mit den meisten Punkten nach einer langen Saison demnächst vielleicht nur Vize-Weltmeister wird. Ich zweifle allerdings auch daran, dass dieses System im nächsten Jahr kommen wird."
Froberg: "Das Durcheinander um die Regeländerung hat zuletzt in der Szene und beim Fan eher zu Verwirrung geführt. Ich hoffe nicht, dass die neue Saison dadurch bereits erste Schrammen abbekommen hat. Eine Aufgabe der übertragenden Sender wird es jetzt sein, für Aufklärung zu sorgen. Generell halte ich die Regel aber für eine gute Entscheidung. Von dieser neuen Fahrermentalität, noch mehr auf Sieg fahren zu müssen, kann der Fan nur profitieren."#w1#

Frage: "Versprechen Sie sich durch die Freigabe des Teamfunks mehr Spannung für den Zuschauer und mehr Lebendigkeit bei den Übertragungen?"
Steuer: "Wir sind für sinnvolle Verbesserungen des Produkts jederzeit offen. Durch unsere fünf Formel-1-Kanäle und hier vor allem durch den Daten-Kanal können sich unsere Zuschauer während der Sessions hervorragend informieren. Eine Freigabe des Teamfunks wäre mit Sicherheit ein großer Mehrwert und würde das Geschehen für die Zuschauer noch spannender und interessanter machen. Allerdings müssen wir zunächst abwarten, wie diese erweiterte Freigabe des Teamfunks aussehen wird. Wir sind hier auf die Vorgaben der FOM angewiesen."

"Eine Freigabe des Teamfunks wäre mit Sicherheit ein großer Mehrwert." Roman Steuer

Loppe: "Das lässt sich jetzt noch nicht beurteilen. Wenn Teams und Fahrer demnächst wirklich Substanzielles über den Funk austauschen, kann das ein echter Mehrwert sein. Zehn Mal 'well done' und 'good job' während eines Rennens, das allein werden die Zuschauer kaum hören wollen."
Froberg: "Prinzipiell halte ich die Freigabe des Teamfunks für ein belebendes Element während einer Übertragung, weil dadurch noch mehr Nähe zwischen Zuschauern und Fahrern geschaffen wird. Der Teamfunk ist ein echtes Highlight für jede Übertragung."

Frage: "Welche Änderungen gibt es bei den Übertragungen Ihres Senders?"
Steuer: "Wir werden die Formel 1 2009 erneut in vollem Umfang auf fünf Kanälen übertragen. Insgesamt berichtet unsere erfahrene Redaktionscrew über 160 Stunden live. Wenn uns die Teams wie angekündigt weitere Türen öffnen, nehmen wir das sehr gerne an und werden zusätzliche Blicke hinter die Kulissen werfen. In der grafischen Darstellung wird es einige neue Elemente und Animationen, zum Beispiel bei der Startaufstellung, geben. Zudem sind - abhängig vom Geschehen in der Formel 1 - weitere Eigenformate wie die Dokumentation 'Vier Minuten im November' geplant."

Loppe: "Unser Layout, also die Gesamtdarstellung inklusive der Grafiken, Animationen und Einblendungen, wird noch verständlicher und klarer. Inhaltlich wollen wir die Zuschauer noch mehr an die Hand nehmen und in die Backstage-Bereiche der Königsklasse führen. Wenn die Teams ihre Versprechen uns gegenüber einhalten, dann werden wir neue Einblicke und Eindrücke vermitteln können, d.h. nun auch in die Garagen, die Busse, aber auch in die Küchen und in den Physiobereich hineingehen. Damit wären wir so nah dran an den Fahrern und den bislang geheimen Orten der Formel 1 wie nie zuvor."

¿pbvin|512|1364||0pb¿Froberg: "Wir vertrauen auf unser bewährtes Konzept mit der Live-Übertragung des freien Trainings am Freitag und den ausführlichen Highlights am Samstag und Sonntag. Insgesamtberichten wirin der neuen Saison 150 Stundenüber die Formel 1."

Frage: "Welche Erwartungen setzen Sie in die fünf deutschen Fahrer?"
Steuer: "Die Performance der deutschen Fahrer ist natürlich sehr wichtig, wenn auch nicht alles entscheidend. Unsere Zuschauer interessiert die Formel 1 in ihrer Gesamtheit, aber man braucht auch nationale Identifikationsfiguren in einem spannenden Wettbewerb. Ich denke, dass die deutschen Fahrer in dieser Saison insgesamt besser abschneiden werden als im letzten Jahr. Prognosen sind immer schwierig, aber Nick Heidfeld, Sebastian Vettel und Timo Glock können Siege einfahren. Vettel ist ein junger und frischer Typ, der für die gesamte Formel 1 sehr positiv ist. Die eine oder andere Überraschung ist ihm durchaus zuzutrauen. Für Nico Rosberg und Adrian Sutil dürfte es in dieser Saison ebenfalls besser laufen als im Vorjahr."

"Siegfähig sind nach Lage der Dinge in Sebastian Vettel, Timo Glock und Nick Heidfeld derzeit gleich drei deutsche Piloten." Manfred Loppe

Loppe: "Die Performance in den Testsessions gibt jede Menge Anlass zu Optimismus. Siegfähig sind nach Lage der Dinge in Sebastian Vettel, Timo Glock und Nick Heidfeld derzeit gleich drei deutsche Piloten. Wenn sie untereinander ihre Rennen und möglicherweise sogar ihre Siege ausfahren, kann uns das nur recht sein. Im Sport orientieren sich die meisten Menschen aber am liebsten an einer Leitfigur. Die Fokussierung auf einen deutschen Fahrer würde den Zuschauern deshalb vermutlich leichter fallen. Sollte sich einer der deutschen Piloten nachhaltig absetzen, könnte dies der Beginn einer Ära mit einem deutschen Helden sein."

Froberg: "Das Zeug zum Weltmeister hat von den jungen deutschen Fahrern vermutlich noch keiner. Trotzdem besteht die Hoffnung, dass sie in diesem Jahr noch häufiger um die Top-Plätze mitfahren werden, und Nick Heidfeld steht bei BMW in dieser Saison gehörig unter Zugzwang. Insgesamt gesehen sind wohl an Sebastian Vettel die Erwartungen am größten. Ich hoffe, dass er im neuen Auto dem Druck auch standhalten kann."