powered by Motorsport.com
  • 25.03.2012 · 17:46

  • von Dieter Rencken & Roman Wittemeier

Horner: "Es war frustrierend"

Während Fernando Alonso und Sergio Perez in Malaysia einen goldenen Renntag erwischten, ging bei Red Bull vieles schief: Von Wartezeiten und Funkstille

(Motorsport-Total.com) - Red Bull liegt nach zwei Rennen des Jahres in der Teamwertung auf Platz zwei. Das ist die versöhnliche Nachricht, die das Weltmeisterteam aus Malaysia mitnehmen darf. Mark Webber fuhr - wie schon in Australien - als Vierter ins Ziel, Sebastian Vettel ging diesmal leer aus. Allzu viel Schaden ist Red Bull im Kampf um die Krone nicht entstanden, denn auch Melbourne-Sieger Jenson Button hatte einen unschönen Sonntag.

Mark Webber

Red Bull rennt der Topform des Vorjahres nach zwei Rennen 2012 noch hinterher

"Beide Jungs hatten eine ordentliche erste Runde und kamen direkt hinter den beiden McLaren auf Platz drei und vier über die Linie. Aber sofort nahm der Regen erheblich zu. Wir holten beide Autos gleichzeitig mit Hamilton herein", lässt Red-Bull-Teamchef Christian Horner das Rennen Revue passieren. "Perez war sogar noch eine Runde eher in der Box. Er hat gezockt und kam vor unsere beiden Jungs. Alonso kam ebenfalls weiter nach vorne."

"Nach dem Restart hat Sebastian zuerst mit Rosberg gekämpft, dann hat er sich auf die Verfolgung von Hamilton begeben. Mark steckte zu jener Zeit hinter Rosberg und Räikkönen fest. Mit einem frühen Stopp haben wir Mark an Kimi vorbei bekommen. Sebastian kam eine Runde später herein. Das war etwas riskant, denn die Vorhersagen wiesen zu dem Zeitpunkt eine hohe Wahrscheinlichkeit für weiteren Regen aus. Eigentlich wollte niemand der Erste beim Stopp sein", sagt der Brite.

"Ungefähr zu jener Zeit verloren wir die Funkverbindung zu Sebastian. Das muss so in etwa Runde 20 gewesen sein. Die Kommunikation mit dem Auto war nahezu unmöglich, also haben wir ganz altmodisch auf die Boxentafeln zurückgegriffen", erklärt Horner die Verwirrung, die in der Schlussphase aufkam. Vettel lag bis zur 48. Runde auf dem soliden vierten Rang, doch dann krachte es. Beim Überrunden schlitzte ihm Narain Karthikeyan den Hinterreifen auf.

Sebastian Vettel Boxenmauer Boxentafel Pit Board

Wegen eines Ausfalls des Funks wurde Vettel die Boxentafel herausgehalten Zoom

"Wir hatten am Ende die Strategie aufgeteilt: einer auf weicheren, einer auf härteren Slicks. Es sah eigentlich gut aus. Sebastian holte auf Lewis auf und kam sich dann mit Karthikeyan ins Gehege, der wohl einen Aussetzer hatte", schüttelt Horner angesichts des Zwischenfalls mit dem Kopf. "Aufgrund des Reifenschadens ging auch ein Teil der hinteren Bremse kaputt. Die Bremse hinten links baute plötzlich arg ab. Wir wollten deshalb, dass er aus Sicherheitsgründen anhält."

In den angeblich toten Funkkanal rief man Vettel dazu auf, sein Auto kurz vor dem Ende an der Boxen zu parken. "Wir haben ihn mehrmals angefunkt, aber er hat wohl nichts davon gehört. Wir wollten seine Sicherheit nicht aufs Spiel setzen. Zum Glück hat er das Auto ohne einen Bremsdefekt ins Ziel bringen können." Kurios bei der Kommunikation: Zuerst sollte Vettel anhalten, dann doch wieder nicht und in der letzten Runde rief man ihm "Emergency" zu.

"Die Temperaturen waren zwischenzeitlich enorm hoch. Er machte dann etwas langsamer und es normalisierte sich wieder. Wir haben dann entschieden, er solle zumindest in die letzte Runde gehen. Doch dann stiegen die Werte urplötzlich wieder an. Dann haben wir ihn wieder aufgefordert, das Auto abzustellen", erklärt Horner das Hin und Her. Vettel fuhr unbeirrt weiter. Was er später erklärte: Er hatte die Funksprüche sehr wohl gehört.

"Für Sebastian war es frustrierend, denn es war mindestens ein vierter Platz möglich", meint Horner nach Rang elf für den amtierenden Champion. "Mark hat viel Zeit nach dem Wechsel von den Regenreifen auf die Intermediates verloren. Der Vorteil der ersten Boxenposition ist, dass man eine saubere Anfahrt ist. Der Nachteil ist allerdings, dass das gesamte Feld folgte und wir ihn nicht rauslassen konnten. Der Stopp hat 2,8 Sekunden gedauert, das Warten danach ungefähr zehn Sekunden. Das muss ihm vorgekommen sein wie eine Ewigkeit."


Fotos: Red Bull, Großer Preis von Malaysia


"Danach war sein Tempo ganz gut. Er holte im letzten Renndrittel auf Hamilton auf", sagt der Teamchef. Der Red-Bull-Speed war selten beeindruckend. Nie kam man auf das Niveau der überraschend starken Alonso und Perez. "Nimmt man die heutigen Ereignisse zur Grundlage, dann ist Sergio Perez ab sofort der große Favorit. Hut ab, er hat das wirklich toll gemacht. Ebenso Ferrari. Niemand hätte doch vor diesem Rennen auf Ferrari gesetzt. Gratulation an Ferrari und Fernando. Es ist doch toll für die Fans, wenn viele unterschiedliche Leute siegfähig sind."

"Im Vergleich zum Leistungsgefüge am Samstag hat sich im Rennen unheimlich viel verschoben. Es war heute schon sehr speziell. Sergio Perez war der schnellste Mann auf der Strecke. Er hat auf den Ferrari aufgeholt und sich von dem McLaren abgesetzt", meint Horner. "Es ist schwierig, die ersten Rennen wirklich zu bewerten. Es wird sich in Zukunft noch weiterentwickeln, daran arbeiten wir. Im Moment kann man aber kaum etwas vorhersagen. Konstanz über die gesamte Saison wird der Schlüssel sein.

"Wenn jemand vor diesem Wochenende auf Sergio Perez gesetzt hätte, wäre er doch für blöd erklärt worden. Aber plötzlich kämpft Perez gegen Alonso um den Rennsieg", so Horner. "Wir müssen uns auf uns selbst konzentrieren und unseren Plan durchziehen. Es geht um die Reifennutzung. Das ist wohl das wichtigste Feld derzeit. Das hat sich im Vergleich zum Vorjahr verändert. Verschiedene Autos sind zu verschiedenen Zeitpunkten schnell. Kimi Räikkönen war am Ende des Rennens zum Beispiel voll da und fuhr Bestzeiten. Die Reifen scheinen der Schlüsselfaktor zu sein."