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Hembery: Müssen bei Änderungen vorsichtig sein

Pirelli-Motorsportchef Paul Hembery warnt die Formel 1 davor, zu viele Sachen zu verändern, und zieht ein Fazit der bisherigen Saison aus Sicht des Reifenherstellers

(Motorsport-Total.com) - Bei Reifenhersteller Pirelli denkt man bereits über die Reifen für die kommenden Jahre nach. Dabei ist man laut Motorsportchef Paul Hembery bereit, jeden Weg mitzugehen, den die Formel 1 einschlagen möchte. Allerdings warnt er davor, dass jede Änderungen gut überlegt sein sollte. Unter anderem spricht er über die Möglichkeit, dass in der Königsklasse Niederquerschnittsreifen eingeführt werden könnten.

Paul Hembery © xpbimages.com
Paul Hembery warnt die Formel 1 vor Änderungen, die nicht gut durchdacht sind

"Wenn das die Richtung ist, in die die Formel 1 gehen will, dann soll es so sein", sagt Hembery, mahnt allerdings: "Man muss vorsichtig sein, wenn man Sachen ändert, und sich die Frage nach dem Ziel stellen. Geht es um die Kosten, die Technologie oder die Show? Was will man mit einer Veränderung erreichen? Wir werden tun, was der Sport will, und wenn es bedeutet, dass sich die Größen der Reifen verändern, dann werden wir das machen."

In der Vergangenheit war diese Möglichkeit immer wieder diskutiert worden. In diesem Fall würden dann in der Formel 1 vermutlich 18-Zoll-Folgen verwendet werden. Hembery erklärt: "Meiner Meinung nach kann man dann mit den Reifen besser werben, da sie näher an den Straßenreifen dran sind. Trotzdem werden die Reifen noch immer ziemlich groß sein. Das müssen sie auch für diese Autos."

Reifen zu hart?

Eine mögliche Änderung aus reinen Marketing-Gründen also? Hembery ist skeptisch. Gleiches gilt für das Heizdeckenverbot, dass ab 2015 in Kraft treten soll. "Wenn man die Heizdecken weglässt, werden die Kosten vermutlich nicht sinken, sondern steigen", prophezeit Hembery und erklärt: "Sie werden es in anderen Bereichen ausgeben. Bei diesen Sachen muss man hinterfragen, was man damit erreichen möchte."

Im Hinblick auf die aktuellen Reifen gab es zuletzt leichte Kritik von den Force-India-Piloten Sergio Perez und Nico Hülkenberg, die sich weichere Pneus gewünscht hatten. "Im vergangenen Jahr kamen die Fahrer und wollten härtere Reifen, jetzt wollen sie weichere. Das ändert sich von Tag zu Tag", wiegelt Pirellis Motorsportchef ab.


Fotos: Großer Preis von Monaco, Donnerstag


Allerdings gibt er zu: "Im vergangenen Jahr waren wir vielleicht zu aggressiv. Es ist aber ein bewegliches Ziel, das man treffen muss. Wir haben vier Mischungen für Slicks für 19 Rennen bei ganz unterschiedlichen Temperaturen und mit komplett verschiedenen Autos." Somit hat jeder Fahrer andere Wünsche in Sachen Reifen.

Wenig Tests

Außerdem erklärt Hembery: "Wir sind noch immer sehr limitiert was Tests angeht. Es ist ziemlich einfach, das auf unseren Wunschzettel zu schreiben, aber es dann auch zu erreichen, ist wieder etwas anderes. Wir haben in diesem Jahr keinen Testplan im Nassen, den letzten Regenreifen haben wir mit eineinhalb Testsitzungen entwickelt. Was wir im Rahmen unserer Beschränkungen erreichen, ist ziemlich beachtlich."

Pirelli Reifen Tyres

Werden die 13-Zoll-Felgen bald aus der Formel 1 verschwinden und ersetzt? Zoom

"In Barcelona hatten wir zwei bis drei Stopps, was genau das ist, was wir eigentlich wollen. Auch bei den Strategien gab es einige Varianz. Das ist alles so, wie wir uns das vorstellen." Auf eine Neuerung in dieser Saison ist man bei Pirelli besonders stolz: Die Einführung eines zusätzlichen Reifensatzes für die ersten 30 Minuten des ersten Freien Trainings.

"Die Zuweisung eines zusätzlichen Reifensatzes im ersten Training hat sich bewährt. Vielleicht könnten wir das Zeitfenster auf 45 Minuten ausweiten", erklärt Hembery. In der Tat hat diese Neuerung den Betrieb auf der Strecke in den ersten Minuten des ersten Trainings am Freitag deutlich gesteigert.

Neue Regeln machen es schwierig

Anders sieht es da mit dem zusätzlichen Reifensatz im dritten Qualifyingabschnitt aus: "Die neue Regel im Qualifying hat sich noch nicht so bewähren können, weil es bisher fast immer irgendwelche Wettereinflüsse gab." Außerdem erklärt Hembery, dass Pirelli in dieser Saison einige Kompromisse eingehen müsste: "Die Kurvengeschwindigkeiten werden auch durch die Aerodynamik bestimmt."

"Die Zuweisung eines zusätzlichen Reifensatzes im ersten Training hat sich bewährt." Paul Hembery

"Wenn man weniger Anpressdruck hat, dann muss der Grip irgendwoher kommen. Das hätte man über breitere Reifen machen können, aber das war nicht gewünscht. Wenn man nur vier Mischungen hat, aber dermaßen unterschiedliche Streckenarten, dann muss man manchmal Kompromisse eingehen."

"Der geringe Abtrieb ist eine der größten Veränderungen bei den neuen Formel-1-Autos. Wir haben festgestellt, dass die Fahrzeuge jetzt in manchen Fällen eine andere Linie in die Kurven hinein nehmen. Das ist sicherlich ein Faktor. Weitere Elemente sind die neuen Antriebe und die neuen Vorgaben bezüglich der Übersetzungen. Da spielen vielen Dinge mit hinein."

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