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  • 26.07.2022 · 16:15

  • von Kevin Hermann

Helmut Marko: "Reicht noch nicht" für die Titelverteidigung

Red Bull zieht in der WM davon, doch laut Helmut Marko noch nicht genug - Formel-1-Saison 2022 habe Teamchef Christian Horners "kühnste Erwartungen übertroffen"

(Motorsport-Total.com) - Mit dem achten Red-Bull-Saisonsieg beim Großen Preis von Frankreich aus zwölf Rennen stehen die Zeichen klar auf Titelverteidigung bei WM-Vorjahressieger Max Verstappen. Der Niederländer hat in der Fahrerwertung ein Polster von 63 Punkten auf Charles Leclerc, während Red Bull in der Konstrukteursmeisterschaft gar 82 Punkte vorn liegt.

Max Verstappen, Helmut Marko

Helmut Marko war einer der ersten Gratulanten nach dem Sieg von Max Verstappen in Frankreich Zoom

Zu sicher will man sich bei Red Bull aber noch nicht fühlen, da es immerhin noch zehn weitere Saisonrennen und insgesamt noch 268 Punkte für die Fahrer und 455 Punkte für die Teams zu holen gibt.

"Es reicht noch nicht", sagt Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko nach dem Verstappen-Sieg in Frankreich. "Wir wollen jetzt noch in Budapest ganz vorne dabei sein. Man muss schnell und zuverlässig sein und ich glaube, dass man insgesamt zehn bis zwölf Rennen gewinnen muss, damit man in der WM eine realistische Chance hat."

Teamchef Horner: Red-Bull-Saison hat "kühnste Erwartungen übertroffen"

Auf der anderen Seite will man sich über den bisherigen Saisonverlauf nicht beschweren, sagt Teamchef Christian Horner: "Wenn man mir zu Weihnachten vergangenes Jahr gesagt hätte, dass wir nach der größten Regeländerung in 40 Jahren aus zwölf Rennen acht gewinnen werden, dazu zwei Sprint-Siege und die Führung in beiden Weltmeisterschaften mit 63 beziehungsweise 82 Punkten, dann hätte das selbst meine kühnsten Erwartungen übertroffen."

"Das ist wirklich ein Beweis für die Entschlossenheit, die Hingabe und die harte Arbeit, die hinter den Kulissen im Werk geleistet wird", fügt Horner hinzu. "Wir haben gesehen, dass Ferrari auch in diesem Jahr sehr konkurrenzfähig ist. Und wir sehen auch, dass Mercedes mit Sicherheit an Fahrt gewinnt."

"Aber wenn man bedenkt, dass wir wahrscheinlich das letzte Team waren, das vollständig auf dieses Jahr umgestellt hat, ist das eine phänomenale Leistung."

Marko bestätigt: Nach der Sommerpause kommen Updates und Gridstrafen

Dabei ist das Ende der Fahnenstange möglicherweise noch gar nicht erreicht, da nach der Sommerpause mit den Rennen in Spa und Monza zwei Strecken kommen, die mit ihren langen Geraden dem RB18 liegen sollten. Zudem warten mit Mexiko und Brasilien am Saisonende noch zwei Red-Bull-Paradestrecken aus der Vergangenheit.


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Darüber hinaus gilt es als sehr wahrscheinlich, dass Ferrari bei beiden Fahrern noch einmal unerlaubt Motorenkomponenten tauschen muss, was weitere Gridstrafen zur Folge hätte. Doch Marko bestätigt, dass auch Red Bull noch eine Startplatzstrafe in Kauf nehmen muss.

"Das wird bei uns auch kommen und wir müssen uns halt eine Strecke aussuchen, wo man relativ gut überholen kann. Wenn man die nächsten Rennen betrachtet, dann wird man sicher zu einer Strecke kommen, die wir ausgesucht haben", so Marko, der damit andeutet, dass die Strafe wohl in Spa oder Monza kommen wird.

Doch neben Gridstrafen werden auch weitere Verbesserungen am RB18 nach der Sommerpause kommen: "Wir entwickeln laufend", sagt Marko. "Das ist die DNA von Red Bull Racing. Es werden zwar nicht mehr so gravierende, aber es kommen Updates weit in die zweite Saisonhälfte hinein. Details müssen wir abwarten, wie die ausschauen."

Wer ist denn nun aktuell schneller: Ferrari oder Red Bull?

Diese könnten auch nötig sein, da Ferrari in den vergangenen Rennen den etwas stärkeren Eindruck machte mit den Siegen in Silverstone und Österreich sowie der bereits siebten Saisonpole von Leclerc in Frankreich.

Nach dem Frankreich-Rennen gefragt, wer aktuell denn das schnellere Auto habe, sagt Red-Bull-Teamchef Horner: "Ich denke, das kann man nicht wirklich sagen. Natürlich sah Carlos Sainz schnell aus, aber er ist auf einer anderen Strategie mit dem Medium-Reifen unterwegs gewesen, während andere auf dem harten Reifen unterwegs waren. Sie hatten auf jeden Fall ein schnelles Auto."

"Es ist einfach wichtig, dass man seine Chancen ergreift und ich denke, das haben wir heute getan, und das war sehr wichtig für beide Meisterschaften", analysiert Horner. Für das letzte Rennen vor der Sommerpause in Ungarn sieht der Red-Bull-Teamchef jedoch Ferrari vorn.

"Ich vermute, dass es eher den Stärken von Ferrari als unseren Stärken entgegenkommt. Aber nach der Pause stehen einige Strecken an, die uns vielleicht wieder ein wenig entgegenkommen. Es wird faszinierend sein, zu sehen, wie es sich in den nächsten Rennen entwickelt."