powered by Motorsport.com
  • 20.06.2005 · 04:13

  • von Nimmervoll/Stracke

Haug: "Hätten womöglich den Sieg eingefahren"

McLaren-Mercedes war über die USA-Farce noch ein wenig trauriger als die anderen Teams, weil man möglicherweise gewonnen hätte

(Motorsport-Total.com) - Natürlich war das Nichtantreten in Indianapolis für alle Michelin-Teams bitter, am härtesten traf es aber McLaren-Mercedes: Mitten in der vorentscheidenden Phase der Weltmeisterschaft hätte Kimi Räikkönen gestern gute Chancen auf maximale Punkte gehabt, doch schlussendlich musste der "Iceman" genau wie sein Teamkollege Juan-Pablo Montoya schon nach der Aufwärmrunde in die Boxengasse einbiegen.

Norbert Haug

Norbert Haug glaubt, dass Räikkönen gestern in Indianapolis gewonnen hätte

"Es tut mir sehr Leid für die Zuschauer. Wir wären gerne gefahren", sagte ein geknickter Mercedes-Sportchef Norbert Haug im Interview mit 'Premiere'. "Es wurde ein Kompromiss angeboten. Das Thema mit der Schikane wäre sicher keine Ideallösung gewesen, aber es wäre der Weg gewesen, dem Michelin zugestimmt hätte. Letzten Endes haben wir den Anweisungen von Michelin zu folgen. Wenn dort klar gesagt wird, dass es Sicherheitsbedenken gibt, dann können wir nicht unsere Fahrer auf die Rennstrecke schicken. Das ist ganz klar."#w1#

"Hoffe, dass wir auf Verständnis stoßen werden"

"Ich entschuldige mich bei den Fans, aber ich hoffe auch, dass wir auf Verständnis stoßen werden", fuhr der Deutsche fort. "Schade, dass es den Kompromiss nicht gegeben hat. Ich kann die andere Seite, die sich dagegen gewehrt hat, aber irgendwo auch verstehen. Der Leidtragende ist der Zuschauer." Und: "Wenn man an die Box fahren muss, tut das weh - besonders dann, wenn man mit guter Ausrüstung eine prima Siegchance hat. Die Siegchance war da, das ist gar keine Frage."

Es sei "nicht nur eine Hypothese", dass Räikkönen siegfähig gewesen wäre: "Ich weiß, wie lange Kimi in seinem ersten Stint gefahren wäre, und ich weiß die Rundenzeiten zu bewerten. Ich weiß, dass Juan-Pablo auf einem sehr, sehr langen ersten Stint war. Da war alles drin - nur unter diesen Umständen eben nicht. Daher haben wir als Team auch ein weinendes Auge, denn wir wären sehr gut unterwegs gewesen und hätten womöglich den Sieg eingefahren", untermauerte Haug.

"Heute gab es für uns keine Chance, auf dieser Strecke zu fahren", erklärte er weiter. "Da müssen wir uns auf unseren Partner Michelin verlassen. Ich muss auch ganz klar sagen, dass da bisher sehr kompetente Arbeit geliefert worden ist. Jetzt hat Michelin ganz klar zugegeben, daneben gewesen zu sein. Es ist sehr schwierig, diesen High-Speed-Reifen herzustellen, ohne Testmöglichkeiten zu haben. Das hat Bridgestone besser gelöst. Dort mag es auch Erfahrungswerte geben aus der IRL, aus dem Indy 500."

Haug hat für Ferraris Sicht Verständnis

"Es wurde dann ein Kompromiss vorgeschlagen, den neun Teams eingegangen wären. Ich kann das zehnte Team verstehen, das gefragt hat, warum etwas geändert werden soll. Da sind zwei Blickpunkte aufeinander getroffen, aber es war zumindest mal gut, dass die neun Teams sich das hätten vorstellen können. Es ist nicht verankert in den FIA-Statuten, was dann zu tun gewesen wäre, und leider war dann der Leidtragende letztendlich der Zuschauer", sagte der Mercedes-Sportchef.

Immerhin sieht er nicht alles negativ, was die gestrigen Ereignisse mit sich gebracht haben: "Dass Ferrari heute die Punkte geholt hat, macht mir nicht so viele Sorgen. Vielleicht ist das sogar das Positive am heutigen Tag, dass es jetzt in der WM möglicherweise auf einen Dreikampf hinausläuft", gab Haug nicht ohne Ironie zu Protokoll. Nach dem Grand Prix der USA liegt Michael Schumacher ja nur noch drei WM-Punkte hinter Räikkönen auf dem dritten Platz der Fahrerwertung.