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Hamilton erklärt Windschatten-Taktik in Spa: "Wollte freie Fahrt haben"

Mercedes-Pilot Lewis Hamilton fährt ohne Windschatten souverän zur Pole-Position in Belgien - Der Brite erklärt, warum er eine alternative Taktik an den Tag gelegt hat

(Motorsport-Total.com) - Lewis Hamilton fährt im Qualifying zum Grand Prix von Belgien zu seiner 93. Karriere-Pole, bereits die fünfte in der Saison 2020. Der Weltmeister demonstrierte seine Hochform in den Ardennen und das ganz ohne den beliebten Windschatten auf den langen Geraden. Er wollte lieber bei freier Fahrt attackieren.

Lewis Hamilton

Lewis Hamilton hat sich aus dem Windschatten-Gerangel rausgehalten Zoom

Die Konkurrenz hatte weniger Selbstvertrauen. Charles Leclerc funkte etwa, er benötige Windschatten eines Vordermannes für eine gute Rundenzeit und selbst Max Verstappen meinte: "Für uns ging es darum, ein wenig im Windschatten zu fahren, um besseren Topspeed zu haben."

Hamilton hielt sich aus dem Gerangel um die besten Ausgangspositionen nobel heraus, er strotzte vor Selbstvertrauen und ging meist als erster Pilot auf Zeitenjagd. Auch in Q3 blieb er dieser Taktik treu. "Ich habe das vorher studiert und es gab Zeiten, in denen auch wir versucht haben, Windschatten zu erhalten."

Hamilton: In Sektor zwei unschlagbar schnell

Das hängt auch mit der charakteristischen Streckenführung in Spa-Francorchamps zusammen: Besonders im ersten und dritten Sektor kommt es auf den langen Geraden auf den Topspeed an. "Hier gibt es drei schwierige Sektoren. Im ersten gibt es die lange Gerade, aber da ist es schwierig, die richtige Flügeleinstellung zu wählen."

Mercedes hat sich dazu entschieden, mit ein wenig mehr Abtrieb zu fahren, um einerseits im Mittelsektor besser abzuschneiden und andererseits für den drohenden Regen am Sonntag gerüstet zu sein. "Wir waren nicht so stark im ersten und letzten Abschnitt, nur im Mittelstück waren wir wirklich sehr schnell."

Die schnellsten Sektorzeiten untermauern Hamiltons Aussage: Im ersten Sektor lag er nur auf Position zehn (30.337), zweieinhalb Zehntelsekunden war Racing-Point-Konkurrent Lance Stroll in diesem Bereich schneller. Im zweiten Sektor holte Hamilton dann kräftig auf und setzte sich mit der absolut schnellsten Sektorzeit durch (42.466).

Im letzten Abschnitt durch Blanchimont hin zur Bus-Stop-Schikane verlor der Brite wieder ein wenig Zeit, er war nur Achtschnellster in diesem Bereich (28.365). Zwei Zehntelsekunden verlor er auf den letzten Metern auf Daniel Ricciardo.

Wäre Hamilton nicht bei freier Fahrt sondern mit ein wenig Windschatten in Q3 gefahren, hätte er womöglich diese paar Zehntel aufgeholt. "Es gibt diesen potenziell kleinen Gewinn an Zeit, wenn man hinter jemandem fährt, aber die Gefahr, dass man dann im Verkehr steckt, ist ebenso gegeben."

Deshalb wollte sich der Mercedes-Pilot aus all dem Chaos und Gedrängel heraushalten. Teamintern hatte er an diesem Wochenende den Vorzug, um entscheiden zu können, wann er aus der Garage fahren möchte - als erster oder zweiter Mercedes hinter Valtteri Bottas.

Schon die erste Q3-Runde hätte für die Pole gereicht

"Jedes Wochenende darf einer von uns entscheiden, dieses Wochenende war ich dran. Es war meine Wahl, als Erster rauszufahren. Ich wollte einfach freie Fahrt haben und mir keine Sorgen machen wegen des Verkehrs. Das hat gut funktioniert."

Denn der Brite weiß aus Erfahrung, dass es sich besonders in der letzten Schikane vor Start-Ziel zusammenschiebt, wenn man mitten in einem Zug an Autos fährt. "Ich wollte nicht darüber nachdenken müssen, ob ich jetzt vier oder acht Sekunden Abstand lasse - weil den Windschatten spürt man auch noch, wenn der Vordermann sieben Sekunden vor dir fährt."

Seine Taktik sei schließlich "perfekt" aufgegangen, freut er sich und bedankt sich bei seiner Mannschaft für das tolle Timing. "Nichts kam mir in den Weg." Mit einer Rundenzeit von 1:41.252 Minuten stellte Hamilton einen neuen Streckenrekord auf, er distanzierte Bottas um eine halbe Sekunde.

Er habe am Samstag eine der "saubersten Qualifyingssessions" in seiner Karriere erlebt, schildert Hamilton. "Jede Runde war auf den Punkt, ich habe keine Fehler gemacht und hatte auch keine Probleme." Schon seine erste Q3-Runde (1:41.451 Minuten) hätte für die Pole-Position gereicht.

"Das war schon eine recht perfekte Runde und dann konnte ich noch ein bisschen mehr finden in ein paar anderen Bereichen", ist er glücklich. Bottas konnte auch im ersten Versuch nicht mithalten und hatte über sechs Zehntel Rückstand.

Hamilton selbst dachte nicht, dass er jene erste Rundenzeit noch unterbieten könnte. "Das war wirklich cool, denn dann konnte ich im letzten Versuch alles rausholen und mehr Risiko eingehen." Besonders auf die Kurvenausgänge hat er sich konzentriert.

Schwachstelle Kurve 1 besser erwischt

"Kurve 1 war wohl immer eine Schwachstelle von mir in den vergangenen Jahren, da wurde ich immer stärker. Als ich sah, dass ich nach Kurve 1 schneller war, habe ich die Runde einfach durchgezogen. Das war wirklich eine sehr, sehr gute Runde, mit der ich sehr zufrieden bin", schwärmt er.


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"Er ist wirklich ein Ausnahmetalent", lobt Toto Wolff seinen Piloten im 'Sky'-Interview. "Gerade auf diesen richtigen Strecken, wo es um viel Speed geht und dann auch die Balance richtig hinzukriegen, zeigt er einfach immer wieder, dass er im Moment wirklich das Maß aller Dinge ist."

Wie erklärt sich der Mercedes-Teamchef den großen Rückstand von Bottas? "Ich denke nicht, dass das einen psychologischen Grund hat. Generell hatte Valtteri einfach Probleme mit dem Set-up, besonders in Q3. Das kann man in den Daten sehen. Er ist am Kurvenausgang ein wenig mehr gerutscht, das summiert sich dann."

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