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F1-Qualifying Belgien 2020: Lewis Hamilton in einer eigenen Liga!

Valtteri Bottas findet keine Erklärung für seinen großen Rückstand auf die Pole in Spa - Ferrari nach erfolgreichem Einzug in Q2: "Im Moment ist nicht mehr drin"

(Motorsport-Total.com) - Ferrari hat im Qualifying zum Grand Prix von Belgien (Formel 1 2020 live im Ticker!) nach katastrophalen Trainingsleistungen mit den Positionen 13 und 14 positiv überrascht, doch die Session stand ganz im Zeichen des sechsmaligen Weltmeisters Lewis Hamilton. Der sicherte sich auf trockener Strecke mit einem Vorsprung von 0,511 Sekunden auf seinen Mercedes-Teamkollegen Valtteri Bottas die 93. Pole-Position seiner Karriere.

Lewis Hamilton

Lewis Hamilton widmet seine Pole dem Schauspieler Chadwick Boseman Zoom

"Ich wurde mit jeder Runde besser", schwärmt Hamilton. "Diese Pole ist mir besonders wichtig, weil ich heute Morgen mit der Nachricht aufgewacht bin, dass Chadwick (Hollywood-Superstar Chadwick Boseman; Anm. d. Red.) verstorben ist. Es war so ein schwieriges Jahr für uns alle. Da hat mir diese Meldung das Herz gebrochen. Es war nicht einfach, mich zu konzentrieren."

Den Grundstein für die Pole legte Mercedes im kurvenreichen Mittelsektor. Dort nahm Hamilton Max Verstappen (Red Bull) 0,576 Sekunden ab. Im ersten Sektor war Lance Stroll (9./Racing Point/+1,351) Schnellster, im dritten Daniel Ricciardo (4./Renault/+0,809). Das deutet darauf hin, dass Mercedes in Sachen Set-up auf mehr Anpressdruck setzt als andere.

Trotzdem ist im Rennen am Sonntag kein Silberpfeil-Solo garantiert. Verstappen hätte sich im zweiten Q3-Run, den Bottas eigenen Angaben nach "ganz gut" erwischt hat, beinahe vor den Finnen in die erste Reihe geschoben. Am Ende fehlten 0,015 Sekunden - und die verlor Verstappen eigenen Angaben nach, weil seinem Hybridsystem auf den letzten Metern die Extrapower ausging.

Marko: Verstappen setzt auf Rennen und Regen

Darüber hinaus scheint er auf ein alternatives Set-up gesetzt zu haben. Helmut Marko hatte bereits vor dem Beginn von Q1 im 'ORF' vorhergesagt: "Im Qualifying wird's nicht für ganz vorne reichen. Wir haben eine Rennabstimmung gewählt, die auch einen möglichen Regen beinhaltet." Was am Sonntag ein kleiner Vorteil sein könnte.

Verstappen selbst spricht von einem "positiven Wochenende. Mit den langen Geraden war uns klar, dass es schwierig wird für uns. Aber die Balance hat vom ersten Training an gepasst. Auf so einer Strecke fast einen Mercedes zu schlagen, damit bin ich zufrieden", sagt er - und hofft auf "ein bisschen Windschatten" in der ersten Runde.

Im Qualifying war gegen Hamilton aber kein Kraut gewachsen. Bottas glaubt zwar, dass er am Start im Windschatten hinauf zu Les Combes seine Chance bekommen könnte. Er gibt aber zu: "Meine zweite Runde war sauber. Ich hatte das Gefühl, am Limit zu sein. Der Rückstand ist groß. Lewis hat wirklich gute Arbeit geleistet."

Ferrari schaffte nach P17/20 im Abschlusstraining im Qualifying eine positive Überraschung. Sowohl Sebastian Vettel als auch Charles Leclerc meisterten die Hürde Q1 und konnten in Q2 immerhin Williams-Pilot George Russell schlagen. In der Endabrechnung bedeutete das die Positionen 13 und 14, 0,982 beziehungsweise 1,247 Sekunden hinter der Q2-Bestzeit von Hamilton.

Vettel: In der entscheidenden Runde wieder Nummer 2

Vettel war in Q1 und im ersten Q2-Run sogar schneller als Leclerc, verlor das interne Stallduell letztendlich aber doch und liegt damit im direkten Vergleich 2020 mit 2:5 hinten. "Wir haben lange getüftelt gestern Nacht", berichtet er. "Natürlich kann man jetzt sagen, es ist nicht viel bei rausgekommen. Ich glaube aber, im Moment ist nicht mehr drin."

Leclerc findet es "sehr schwierig, eine Erklärung zu finden. Es ist ein großer Rückschritt im Vergleich zu den anderen." Er warnt davor, das Qualifying als Ausrutscher zu bewerten. Man dürfe auch im Rennen "keine Wunder erwarten. Es ist das wahre Bild. Es ist das, was das Auto heute hier leisten kann. Und das ist auch keine Überraschung."

Positiv hingegen die Performance von Alexander Albon. Nach dem ersten Q3-Run lag er nur zwei Zehntelsekunden hinter Verstappen; am Ende war es dann doch wieder die übliche halbe Sekunde. Platz fünf nach einem insgesamt ermutigenden Rennwochenende ist aber ein klarer Fortschritt für den Thailänder.

"Alex ist dieses Wochenende gut gefahren", lobt Teamchef Christian Horner. Seiner Meinung nach trägt der Wechsel zu Renningenieur Simon Rennie erste Früchte: "Wir haben seit Barcelona hart gearbeitet, um das Auto mit wenig Benzin eher nach seinen Vorlieben abzustimmen. Und das ist offenbar ganz gut gelungen."

Albon lag nach dem ersten Q3-Run sogar noch auf Kurs in die zweite Startreihe. Diesen Platz musste er an Daniel Ricciardo (4./+0,809) abgeben, dessen am Funk gemeldete Probleme mit dem Brake-by-Wire-System in Q2 offenbar nicht kriegsentscheidend waren. Aus Renault-Sicht erfreulich: Auch Esteban Ocon (6./+1,144) lieferte eine solide Leistung ab.

Ricciardo happy: Topspeed liegt dem Renault

"Wir waren schon gestern richtig schnell. Low-Downforce-Strecken wie Spa und Monza sind uns im Vorjahr gut gelegen. Das scheint weiterhin so zu sein", freut sich Ricciardo. "Wenn es regnet, regnet es. Ich hoffe aber auf ein trockenes Rennen. Denn ich habe eine gute Position, eine Chance am Start, mit dem Windschatten, und guten Topspeed."

Carlos Sainz (McLaren) blieb nur 0,042 Sekunden hinter Ocon und wurde Siebter, vor den beiden Racing Points von Sergio Perez und Lance Stroll. Die hatten sich nach dem starken Freitag sicher mehr ausgerechnet. Unklar war vorerst, warum sie in Q3 kein zweites Mal auf die Strecke gingen. Der Versuch, mit Medium durch Q2 zu kommen, scheiterte. Das gelang nur Mercedes und Verstappen.

Pierre Gasly, in Q1 noch sensationell Vierter, konnte seine starke Leistung in Q2 nicht ganz wiederholen. Er musste sich letztendlich sogar seinem AlphaTauri-Kollegen Daniil Kwjat geschlagen geben - zum ersten Mal in dieser Saison. Gasly wurde Zwölfter, Kwjat Elfter - der Russe verpasste den Top-10-Cut nur um 0,008 Sekunden gegen Lando Norris (10./McLaren).

Kimi Räikkönen, eigentlich ein Spa-Spezialist, war bereits in Q1 ausgeschieden. Er verpasste den Cut gegen Leclerc um ganze 0,087 Sekunden. Mit ihm verabschiedeten sich auch alle anderen Ferrari-Kundenautos. Und Nicholas Latifi (Williams), der als 19. zumindest Kevin Magnussen (Haas) hinter sich ließ. Magnussens Versuch, sich zu steigern, endete nämlich im Kiesbett.

(Paddock live: Der Qualifying-Samstag in Spa)

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