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Haas: Aufschwung durch "Wunderwuzzi" von Bridgestone?

Wie ein Japaner die Achterbahnfahrt des Haas-Teams beendete und durch den bloßen Anblick der Reifen erkennt, woran die Mathematiker des Teams scheitern

(Motorsport-Total.com) - Romain Grosjean hat Haas in Spielberg mit Platz vier das beste Ergebnis der Teamgeschichte beschert und sein Team in der Konstrukteurs-WM auf Schlagdistanz zu Renault herangebracht. "Es hat ihnen geholfen, dass zwei Mercedes und ein Red Bull ausgefallen sind", wirft Renault-Pilot Nico Hülkenberg ein. "Sonst wären sie - so wie wir auch oft - auf Platz sieben gekommen." Laut dem Emmericher habe Haas keinen Schritt nach vorne gemacht, "aber das eigene Potenzial bestätigt".

Haas

Ende der Achterbahn: Haas hat mit Hilfe aus Japan das Reifenrätsel geknackt Zoom

Eine Anerkennung des Renault-Piloten, dass Haas dieses Jahr stark genug ist, um hinter Mercedes, Ferrari und Red Bull das Mittelfeld anzuführen, während man in den vergangenen Jahren in der Konstrukteurs-WM zweimal nur Rang acht erreichte. Das ist auch darauf zurückzuführen, dass die unerfahrene US-Truppe seit dieser Saison nicht nur die chronischen Probleme mit den Bremsen gelöst hat, sondern auch punkto Reifen nicht mehr wie in der Vergangenheit im Dunkeln tappt.

Der Grund dafür? Seit April greift der ehemalige Bridgestone-Reifentechniker Hiroshima Tomitsuka dem Team mit seinem Know-how unter die Arme. "Es ist verrückt, was er bloß durch den Anblick der Reifen erkennt", schwärmt Grosjean. "Ob der Reifen zu warm oder zu kalt, macht für uns Fahrer im Auto keinen Unterschied - es fehlt einfach an Grip. Aber er kann es dir genau sagen, und damit kann man arbeiten. Er macht einen großen Unterschied."

Magnussen: Ex-Bridgestone-Spezialist ein Schlüsselfaktor

Und auch Teamkollege Kevin Magnussen zeigt sich begeistert: "Klar haben wir dieses Jahr ein besseres Auto, aber einer der größten Faktoren für unsere Verbesserung ist unser neuer Reifenmann. Wir verstehen die Reifen jetzt viel besser und wissen, wie wir mit ihnen umgehen sollen. Das hilft uns mehr, was die Konstanz angeht als das reine Tempo."

Tatsächlich wusste man bei Haas in den vergangenen Jahren oft nicht, warum man einmal schnell und dann wieder langsam war. Daher entschied Teamchef Günther Steiner schon im Vorjahr, viel Geld in die Analyse der Reifen, solide mathematische Modelle und Personal zu stecken.

"Dabei handelte es sich um gute Ingenieure, aber sie haben nie einen Reifen hergestellt", erklärt der Südtiroler. "Obwohl sie mathematisch gut sind, sich mit Simulationen und dem Sammeln von Daten auskennen, haben sie nicht die Erfahrung, um durch den Anblick der Lauffläche zu wissen, was passiert. Und das kann Tomitsuka-San. Er ist eine große Hilfe für unsere Jungs, auch wenn er nur bestätigt, was sie auf mathematische Weise denken."

Wie Tomitsuka Haas hilft

Kein Wunder, denn der Japaner arbeitete über 20 Jahre lang für den Reifengiganten Bridgestone und war somit in der gesamten Formel-1-Ära der Japaner von 1997 bis 2010 an Bord. "Er wollte dann einen Wechsel in seiner Karriere machen", erklärt Steiner, wie man Tomitsuka zu Haas lockte. "Und mit all seiner Erfahrung war er genau der Mann, der uns gefehlt hat. Er ist wirklich ein Experte."

Günther Steiner

Teamchef Günther Steiner hat ein gutes Händchen bewiesen Zoom

Vor allem bei der Set-up-Arbeit am Freitag ist der Reifenspezialist laut Steiner unabkömmlich geworden: "Da hilft er uns am meisten, denn wenn er einen Reifen sieht, dann weiß er, in welche Richtung wir gehen müssen. Seine Aufgabe am Freitag ist es, das perfekte Temperaturfenster für den Reifen zu finden und den Fahrern zu sagen, was sie tun sollen. Er weiß, ob er zu heiß oder zu kühl ist, ob wir den Reifendruck erhöhen oder senken sollen. Und er sagt den Ingenieuren, wie wir den Reifen im Qualifying oder im Rennen nutzen sollen."

Doch wie wirkt sich das auf die Arbeit der Piloten aus? "Er sagt uns, was wir in der Outlap im Qualifying tun sollen, welche Zieltemperaturen wir anpeilen sollen", schildert Grosjean. "Und dadurch können wir die Reifen viel besser nutzen. Und darum dreht sich 80 Prozent der Arbeit an einem Wochenende."

Warum das Reifenrätsel so kompliziert ist

Dennoch hat Tomitsuka das Reifenrätsel selbst noch nicht gänzlich geknackt. "Er lernt immer noch über den Pirelli-Reifen, der ziemlich einzigartig und ganz anders ist als seine früheren Erfahrungen", meint der Franzose. Teamkollege Magnussen kann das gut nachvollziehen: "Der Pirelli ist ein sehr komplizierter Reifen, was den Umgang betrifft - nicht nur aus Fahrersicht, sondern auch, was das Set-up des Autos, die Felgentemperaturen, die Strategie und den Fahrstil in der Outlap angeht."

Zudem habe man es jedes Wochenende mit einem neuen Asphalt, anderen Temperaturen, anderen Mischungen und einem neuen Set-up zu tun. "Die Reifen verhalten sich immer anders - und da ist es eine große Hilfe und ein riesiger Vorteil, wenn man jemanden mit so viel Erfahrung hat, der ein Auge für die Reifen hat. Das spart Zeit." Dennoch sei man nicht von Tomitsuka abhängig: "Es ist nicht so, dass er uns alles diktiert. Wir arbeiten immer noch als Team."

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