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Geldverteilung ab 2021: Marchionne setzt Liberty unter Druck

Ferrari wird in der neuen Liberty-Realität voraussichtlich ab 2021 auf Ecclestone-Boni verzichten müssen - Sergio Marchionne erwartet gute Argumente dafür

(Motorsport-Total.com) - Zwar waren Sergio Marchionne und Bernie Ecclestone in der Vergangenheit häufig Gegenspieler, vor allem beim Thema Hybrid. Doch auf kommerzieller Seite war Ecclestone Ferrari sehr entgegen gekommen, etwa mit einem Veto-Recht in der Strategiegruppe oder 100 Millionen Euro Bonuszahlungen wegen Ferraris Historie. Die neuen Besitzer rund um Chase Carey wollen jedoch die Einnahmen künftig gleichmäßiger verteilen. Marchionne stellt klar: Es braucht einiges, damit Ferrari künftig verzichtet.

Sergio Marchionne

Sergio Marchionne stellt Liberty Bedingungen für die Zukunft Zoom

Die bilateralen Abkommen, die noch von Ecclestone geschlossen wurden, bestehen bis 2020. Was danach auf kommerzieller Seite geschieht, ist noch unklar. Unter anderem will Carey die Formel-1-Teams dazu animieren, selbst Anteile zu kaufen. Die Hoffnung des US-Amerikaners ist, dass die Teams so zum Wohle des gesamten Zirkus agieren. Doch Marchionne hat klare langfristige Erwartungen, bevor er eine solche Investition tätigt.

"Wir hinterfragen nicht die finanzielle Investition an sich", stellt der 64-Jährige nach einem Treffen mit Carey klar. "So etwas machen wir ständig. Aber ein Anteilseigner ohne Stimmrecht in einem Gebilde zu werden, das uns im Dunkeln drüber lässt, was ab 2021 geschehen wird, würde ich als unklug bezeichnen. Ich habe Chase gesagt, dass ich Klarheit will, wie die Formel-1-Welt nach 2020 aussehen wird. Und was Ferrari für sein Engagement erhält. Ich bin mir übrigens sicher, dass wir nicht die einzigen sind, die danach gefragt haben."

Wenn Ferrari künftig auf die Ecclestone-Privilegien verzichten soll, müsse sich einiges tun, warnt der Italiener: "Was ich ehrlich gesagt erwarte, ist, dass sich der Sport 2017 besser schlägt. Das wäre eine gute Basis für uns, in der Formel 1 weiterzumachen und für die Welt nach 2020. Wir können uns nicht zu einem Sport verpflichten, der aus verschiedenen Gründen Zuschauer verliert." Heißt also konkret: Wenn es nicht besser wird, wird es schwer, Ferrari ohne weitere Zugeständnisse in der Formel 1 zu halten. "Wir müssen den Sport wieder populär und zugänglicher machen. Das ist alles, was getan werden muss", fordert Marchionne.

Außerdem warnt er davor, ein Fass aufzumachen, wie es etwa Sauber fordert: Die bestehenden Verträge vor deren Auslaufen abzuändern wäre für den Fiat-Chrysler-Chef ein No-Go: "Es wird vor 2020 keine Änderungen am Abkommen zwischen der Formel 1 und Ferrari geben. Dieses Thema wurde bislang nicht einmal angerührt und es wäre sehr unklug, das zu tun." Das wird auch Liberty zu gut wissen.