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  • 02.12.2022 · 11:22

  • von Jonathan Noble, Co-Autoren: Alex Kalinauckas, Kevin Hermann

Formel 1 schmiedet Pläne für 2026: Kommt ein umgekehrtes DRS?

Die Formel 1 möchte das DRS mit einer aktiven Aerodynamik loswerden und dabei den Spieß umdrehen: Wird der Führende bald künstlich eingebremst?

(Motorsport-Total.com) - Die Pläne der Formel 1 für ein aktives Aerodynamiksystem im Jahr 2026 könnten auch die Idee beinhalten, die Leistung des führenden Autos zu beeinträchtigen, um Ausreißersiege zu verhindern. Die Verantwortlichen des Grand-Prix-Rennsports haben offen über solch eine Einführung zu Beginn der nächsten Regelära ab 2026 nachgedacht.

Carlos Sainz, Max Verstappen, Charles Leclerc

Die Ferraris gehen an den Führenden Max Verstappen in Silverstone vorbei Zoom

Ursprünglich war die Rede davon, dass die Autos auf den Geraden einen geringen Luftwiderstand aufweisen und in den Kurven auf einen hohen Abtrieb umschalten könnten, um so die Kraftstoffeffizienz zu verbessern. Die Formel 1 erwägt jedoch, noch viel weiter zu gehen und aktive Aerodynamik einzusetzen, um das Spektakel zu verbessern.

Höchstwahrscheinlich soll es als effektiver Ersatz für DRS eingesetzt werden, um die Leistung der Verfolgerautos zu steigern - entweder durch weniger Flügel auf den Geraden oder durch mehr in den Kurven. Es gibt jedoch auch Überlegungen, das System als Mittel einzusetzen, um den Führenden im Rennen aufzuhalten, damit er von hinten stärker gefordert wird.

Ross Brawn: "Aktive Aerodynamik sehr reizvoll"

Der scheidende Motorsportdirektor der Formel 1, Ross Brawn, hat verraten, dass darüber nachgedacht wird, den Abtrieb der Führenden zu reduzieren, um sicherzustellen, dass sie sich nicht so leicht absetzen können.

In einem Interview mit dem 'Autosport-Magazin' sagt Brawn, dass die Formel-1-Chefs begonnen haben, darüber nachzudenken, wie aktive Aerodynamik am besten eingesetzt werden kann. "Eines der großen Themen beim Auto für 2026 ist die Frage, ob wir eine aktive Aerodynamik haben werden", sagt Brawn. "Ich denke, das ist ein Schritt in Richtung Effizienz, der sehr reizvoll ist."

"Es muss noch geklärt werden, wie das gemacht werden kann und ob es sicher und vorhersehbar gemacht werden kann. Aber aktive Aerodynamik, die haben wir im Moment mit DRS, denn DRS ist aktive Aerodynamik. Aber kann man etwas viel Bedeutsameres machen?"


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"Wenn man eine aktive Aerodynamik hat, kann man natürlich das Auto vor einem beeinflussen. Man könnte eine Annäherung erreichen, bei der der Vordermann ein wenig an Abtrieb verliert und man selbst ein wenig an Abtrieb gewinnt, sobald man sich in einem bestimmten Bereich befindet. Damit kann man Tricks spielen. Das wird zu einer Chance."

"Ich sage nicht, dass wir das tun würden, aber es ist eine Chance. Das Auto für 2026 ist also eine Lehre aus dem, was wir jetzt haben, und ich denke, wir werden eine Form der aktiven Aerodynamik einbauen", so Brawn.

Brawns Expertenteam wechselt zur FIA

Diese Idee der aktiven Aerodynamik, die man als "umgekehrtes DRS" bezeichnen könnte, da sie die aerodynamische Leistung eines Autos reduziert, müsste vor der Umsetzung allerdings sorgfältig geprüft werden.

Brawn meint jedoch, dass ein Expertenteam der FIA, zu dem auch der Leiter der Aerodynamikabteilung Jason Sommerville gehört, der aus der Formel 1 gewechselt ist, gut vorbereitet sei, um die Auswirkungen genau zu verstehen.

"Am Ende kamen wir zu dem Schluss, dass die FIA besser geeignet ist, weil sie vollen Zugang zu den Daten hat", sagt er über Sommervilles Wechsel dorthin. "Es gäbe keine Bedenken bezüglich der Vertraulichkeit. Nicht, dass es welche gegeben hätte, aber jetzt, wo wir in der Umsetzungsphase sind, müssen Jason und seine Leute echte Autodaten sehen. Und innerhalb der FIA können sie das tun."

DRS-Effekt ist der Formel 1 ein Dorn im Auge

Doch selbst ohne eine aktive Aerodynamik ist Brawn dafür, die Wirkung des DRS zu reduzieren, nachdem man mit dem neuen technischen Reglement für 2022 Fortschritte beim Hinterherfahren erzielen konnte.

Denn ein Aspekt, der 2022 für viele ein Ärgernis darstellte, war, wie einfach es für die Fahrer war, an anderen Autos vorbeizukommen, sobald sie in DRS-Reichweite waren. Dies wurde besonders in den ersten beiden Rennen in Bahrain und Saudi-Arabien ersichtlich, als Max Verstappen Charles Leclerc auf einer Geraden überholen konnte, selbst wenn er zu Beginn der Geraden noch neun Zehntel zurücklag.


Auf mehreren Strecken wurden Überholmanöver fast unvermeidlich, sobald ein Fahrer in den Bereich von einer Sekunde kam, in dem er sein DRS aktivieren kann. Es gibt Befürchtungen, dass sich die Situation im nächsten Jahr noch verschlimmern könnte, wenn die Formel 1 bei den Sprintrennen damit experimentiert, DRS nach der ersten Runde zuzulassen, anstatt wie bisher nach zwei Runden. Andererseits könnten dadurch im Mittelfeld auch schneller DRS-Züge entstehen.

Brawn: DRS sollte nur zum Aufholen verwendet werden

Brawn sagt, dass die Verärgerung über einfache DRS-Maßnahmen sowohl von den Organisatoren als auch von den Zuschauern geteilt wird: "Das Einzige, was wir wissen, ist, dass die Fans - und wir wissen das, weil wir es nicht mögen - das 'die Gerade runterfahren, das DRS auslösen, überholen, schnell fahren, eine Lücke reißen' nicht mögen."

"Ich denke, in einer idealen Welt wird DRS nur benutzt, um die Lücke zu jemanden zu schließen, sodass man wirklich einen anständigen Angriff starten kann."

Brawn: "Keine Angst vor Reduzierung des DRS"

Brawn führt an, dass eine der wichtigsten Ideen, die vorangetrieben werden muss, darin besteht, dass DRS-Zonen als Orte genutzt werden, an denen die Fahrer zu den vorausfahrenden Autos aufschließen können, anstatt dass es nur darum geht, ein sofortiges Überholmanöver zu starten. Das Beispiel Melbourne, wo es in diesem Jahr eine Kontroverse um die Abschaffung einer der DRS-Zonen gab, zeige dies deutlich.

"Wenn wir uns erinnern, hatten wir vier DRS-Zonen und jemand hat es geschafft, sie zu überreden, eine davon abzuschaffen, was sehr ärgerlich war", sagte Brawn. "Bei diesen DRS-Zonen ging es nicht darum, dort zu überholen, sondern darum, aufzuholen, um ihn im nächsten Komplex angreifen zu können. Und das ist die ideale Welt."

Er fügt hinzu: "Ich denke, wir sollten keine Angst davor haben, das DRS an Orten wie Monza zu reduzieren, weil es ein bisschen so aussieht, als ob man sich hinter jemandem setzt, den Knopf drückt und überholt. Das ist ein bisschen ritualisiert, oder? Es ist nicht sehr beeindruckend. Deshalb sollten wir uns nicht scheuen, den Einsatz von DRS dort zu reduzieren, wo es sich eindeutig als zu stark erweist."

Warum die Formel 1 das DRS (noch) braucht

Auch wenn die Formel 1 hofft, dass die Autos eines Tages so gut sein werden, dass DRS gar nicht mehr benötigt wird - was ab 2026 mit aktiver Aerodynamik der Fall sein könnte -, sagt Brawn, dass die Überholhilfe im Moment ein Muss ist.

"Ich denke, dass DRS ein nützliches Werkzeug ist, wenn wir ein Auto hinter ein anderes bringen wollen und sie in der Lage sein sollen, in einer Kurve nebeneinander zu fahren und einen Rad-an-Rad-Kampf zu haben."

"Es geht nur um den vernünftigen Einsatz von DRS. Das ist es, was wir brauchen. Es wird immer noch ein Werkzeug sein, das wir einsetzen müssen. Vielleicht wird sich das mit der aktiven Aerodynamik ändern", hofft er.

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