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  • 02.12.2022 · 09:04

  • von Kevin Hermann

Rote Flagge nach Crash in Q3: Sollte man die Rundenzeit aberkennen?

Die Aktion von Sergio Perez beim Formel-1-Qualifying in Monaco könnte zu einem Umdenken führen: Wird zukünftig die Rundenzeit des Verunfallten gestrichen?

(Motorsport-Total.com) - Die Teamchefs der Formel-1-Teams sind sich uneinig, ob man Rundenzeiten eines Fahrers im dritten Qualifyingsegment streichen sollte, sofern dieser eine rote Flagge ausgelöst hat. Die Diskussion wurde nach den Spekulationen um Sergio Perez' möglichen absichtlichen Crash im Q3 von Monaco angeregt.

Sergio Perez

Sergio Perez bei den Interviews nach seinem Qualifying-Crash in Monaco Zoom

Doch auch in Brasilien kam es zu einer ähnlichen Situation, wenn auch viel weniger kontrovers. Mercedes-Pilot George Russell flog bei einer seiner Q3-Runden ins Kiesbett ab, woraufhin die Session ebenfalls unterbrochen werden musste. Der Brite lag dabei auf Rang drei und gewann am nächsten Tag das Sprintrennen, ehe er sich am Sonntag auch noch den Grand-Prix-Sieg sicherte.

Sollten Rundenzeiten des Fahrers gelöscht werden, der eine rote Flagge auslöst, könnte dem taktischen Crashen ein Riegel vorgeschoben werden, da im Nachgang eine Schuldzuweisung ohnehin nicht so einfach zu bestimmen ist. Diesen Vorschlag hatte Ferrari-Pilot Carlos Sainz gemacht, da seiner Meinung nach die taktisch ausgelösten Zwischenfälle öfter passieren als viele denken.

Mike Krack: Dürfen Fahrer nicht zu schnell vorverurteilen

"Ich habe dazu keine Schwarz-Weiß-Meinung", sagt Aston-Martin-Teamchef Mike Krack. "Ich denke, wir müssen wirklich von Fall zu Fall schauen, in die Sportberatung gehen und vielleicht einen Blick auf die letzten zehn Jahre werfen, in denen es Situationen gab."

"Es ist ziemlich schnell, jemanden vorzuverurteilen, wenn es nicht gut war. Ich denke, es wäre einfach zu sagen, ja, so muss es sein, aber ich denke, es wird eine schwierige Entscheidung sein", so Krack.

Der Vorschlag von Sainz wurde sogar in der Formel-1-Kommissionssitzung besprochen, obwohl Red-Bull-Teamchef Christian Horner sagt, dass "es kein klares Ergebnis" gegeben habe.

"Ich glaube, das Grundprinzip der Kommissionssitzung war, dass die verschiedenen Szenarien von den Sportdirektoren und ihrem Forum diskutiert werden und dann wieder in die Kommission zurückkommen, um erneut diskutiert zu werden", erklärt er.

Zak Brown: Wie er das Problem lösen würde

McLaren-CEO Zak Brown wäre jedoch offen dafür, die Debatte ins Rollen zu bringen: "In anderen Motorsportarten wird das so gehandhabt: Man verliert einfach seine schnellste Runde aus dieser Session. Und da alle Fahrer dazu neigen, immer nur eine Runde am Stück zu fahren, würde das den Fahrer bestrafen, egal ob absichtlich oder unabsichtlich."


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"Denn man hat die Runde von jemand anderem vermasselt", so Brown. "Ich denke, das ist eine einfache Lösung, die sofort umgesetzt werden kann. Wenn man einen anderen Fahrer dazu bringt, Tempo herausnehmen zu müssen, verliert man seine Runde, muss noch einmal fahren und hat dann vielleicht keine Chance mehr."

"Vielleicht hat man eine, oder man muss einen anderen Reifensatz verwenden. Ich denke, das ist der einfachste Weg, das Problem zu lösen", meint der McLaren-CEO, der dafür Zustimmung von Seiten Ferrari und Mercedes erhält.

Alpine-CEO: Vielleicht sollte man die Session verlängern

"Ich denke, dass wir in Zukunft, wie Zak sagt, vielleicht darüber diskutieren werden, was wir in solchen Situationen tun sollten", sagt Noch-Ferrari-Teamchef Mattia Binotto. "Aber ich glaube nicht, dass es im Moment eine klare Antwort gibt. Wir hatten den Punkt in der Formel-1-Kommission, Zak hat ihn angesprochen. Lasst uns vielleicht die Diskussion beginnen."

Mercedes-Teamchef Toto Wolff fügt hinzu: "Ich stimme Zak auch zu, dass dies eine gute Idee ist. Ich glaube, in der Formel E gibt es das schon, wenn ich mich nicht irre, dass die schnellste Runde gelöscht wird. Das ist also etwas, das wir einführen können."


Alpine-CEO Laurent Rossi schlägt sich eher auf die Seite von Mike Krack und betont, dass man die Fahrer "nicht zu schnell vorverurteilen" sollte. "Sie werden sich sowieso selbst bestrafen. Ich könnte mir also vorstellen, dass man die Session vielleicht um ein oder zwei Runden verlängern könnte, damit die anderen zum Beispiel ihre schnelle Runde beenden können."

"Und der Fahrer selbst würde nicht ohne Strafe weiterfahren. Ich weiß nicht, das könnte auch eine Idee sein. Aber, wie Mike schon sagt, wir brauchen eine umfassende Überprüfung", so Rossi.

Fernando Alonso befürtwortet Sainz-Idee

"Ich glaube, wir sprechen schon seit einigen Jahren darüber", fügt Fernando Alonso hinzu. "Und ich denke, es hat Sinn. Ich weiß nicht, ob die Streichung einer Runde oder eine Strafe von drei oder fünf Plätzen in der Startaufstellung Sinn macht, aber es sollte eine Bestrafung geben, weil man in gewisser Weise das Qualifying unterbricht und es den anderen nicht erlaubt, ihre Runden zu beenden."

Der Vorfall von Perez in Monaco wird jedoch keine weiteren Folgen haben, da kein anderes Team eine Untersuchung durch die FIA beantragt hat. "Der Vorfall liegt nun schon eine Weile zurück, und ich denke, wir müssen als Sport schneller handeln, wenn wir etwas sehen, das untersucht werden muss", betont jedoch Zak Brown.

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