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Formel 1 Österreich 2016: Hamilton siegt, Crash mit Rosberg

Lewis Hamilton gewinnt in Spielberg nach Last-Minute-Kollision mit Nico Rosberg vor Max Verstappen und Kimi Räikkönen - Sebastian Vettel mit Reifenplatzer

(Motorsport-Total.com) - Lewis Hamilton hat sich am Sonntag mit einem furiosen Rennsieg beim Österreich-Grand-Prix in Spielberg im Kampf um den WM-Titel zurückgemeldet. Der Mercedes-Star holte seinen dritten Saisonerfolg in der letzten Runde, als es zur Kollision mit dem bis dato führenden Teamkollegen Nico Rosberg kam - und zu neuem Stunk im Lager der Silberpfeile. Denn der Deutsche beschädigte sein Auto und fiel hinter Max Verstappen (Red Bull) und Kimi Räikkönen (Ferrari) auf den vierten Platz zurück.

Zu der Szene des Rennens war es gekommen, nachdem Hamilton seine Pole-Position am Start in eine Führung umgemünzt hatte. Rosberg, der wegen eines Getriebewechsels von Position sechs losgefahren war, arbeitete sich auf der Strecke nur mühsam nach vorne und kam als Vierter früh zum ersten Boxenstopp. Auf frischen Reifen legte der Deutsche zu, während Hamilton an der Spitze mit Graining an den Ultrasoft zu kämpfen hatte und im Fernduell mehr als eine Sekunde pro Runde verlor.

Doch er steuerte seine Crew nicht an, weil er auf Regen spekulierte. Man wollte den Stopp so weit wie möglich hinauszögern, um gegebenenfalls auf Intermediates oder Regenreifen zu wechseln. In der Tat meldeten die ersten Piloten schon Tropfen auf dem Visier, doch der Wolkenbruch kam nicht. Also holte sich Hamilton nach 22 Runden - zwölf Umläufe nach Rosbergs Stopp - die Soft-Pneus ab. Es klemmte auch noch und der Stallgefährte ging mit mehreren Autolängen Vorsprung an ihm vorbei.

Hamiltons Taktik scheitert: Kein Regen, keine Einstoppstrategie

In der Folge behielt Rosberg trotz der älteren Reifen die Oberhand. In Runde 55 ging der WM-Führende auf die Supersoft-Reifen, Hamilton bekam kurz darauf die Soft-Pneus aufgezogen und hetzte weiter hinterher. Denn auch Plan B, auf eine Einstoppstrategie zu setzten, ließ sich mit der Haltbarkeit nicht vereinbaren. "Das sind die Reifen, mit denen du bis zum Ende fahren kannst", erklärte sein Ingenieur ihm. Und er sollte Recht behalten: Nachdem die beiden an Verstappen, der auf den zweiten Boxenstopp verzichtet hatte und so in Führung gegangen war, vorbei waren, legte Hamilton zu.

Als Rosberg in der letzten Runde nicht mehr im Überrundungsverkehr steckte und auf das DRS verzichten musste, attackierte Hamilton ihn in Kurve 2. Er bremste sich auf der Außenbahn an dem sich verteidigen Deutschen vorbei, der innen nicht einlenkte und Hamilton mit dem Frontflügel in die Auslaufzone schob. Der Brite rettete sich und beschleunigte voll durch, um zum Sieg zu fahren. Denn bei Rosberg hing das Karbonteil unter dem Auto. Er schleppte sich auf dem vierten Rang ins Ziel.

Mercedes-Verantwortliche toben, Lauda gibt Rosberg die Schuld

Mercedes-Sportchef Toto Wolff schlug vor Ärger mit der Faust auf sein Pult. "Manchmal ist schwer nachzuvollziehen, was in den Köpfen da vorgeht. Sie haben beiden überhaupt keine Bremsen mehr gehabt", ärgert er sich über den verschenkten Doppelerfolg und schießt hinterher: "Da werden wir uns jetzt ernsthaft unterhalten müssen." Bei Rosberg war zudem das elektronische Bremspedal ausgefallen, was ihm die Box jedoch aufgrund der neuen Regeln zum Funkverkehr nicht mitteilen durfte.

Für Niki Lauda ist das kein Grund, ihn freizusprechen: "Nico war in einem toten Winkel. Lewis hat gewusst, dass er rechts neben ihm ist und ist fast bis an den Streckenrand rausgefahren. Nur war der Geschwindigkeitsüberschuss ohne Bremsen so groß, dass er das gar nicht sehen konnte", beschreibt der Team-Aufsichtsrat die Szene und kommt zu einer eindeutigen Schlussfolgerung: "Deswegen sage ich, dass Nico mehr Schuld ist. Lewis eigentlich gar nicht, um es auf den Punkt zu bringen", keift Lauda.

Rosberg behauptet: Hamilton lenkte ein, als die Kurve ihm gehörte

Ganz ähnlich stellt es auch Hamilton selbst da: "Ich fuhr also einen weiten Bogen und war am Streckenrand, aber er kollidierte mit mir. Als ich auf die Strecke zurückkam, war es sehr knapp zwischen uns beiden." Denn Rosberg war zunächst noch vorne, aber havariert nicht mehr in der Lage, gegenzuhalten. Hamilton überholte sofort vor Kurve 3, wo jedoch gelbe Flaggen wegen eines Unfalls Sergio Perez' (Force India) geschwenkt wurden. Die Rennleitung leitete sofort Ermittlungen ein.

Auf seine Kappe nehmen will Rosberg den zweiten Teamcrash nach dem Spanien-Grand-Prix in Barcelona nicht: "Ich bin innen und kann das diktieren, da hat es mich sehr überrascht, dass Lewis eingelenkt hat, voll in mich rein", wehrt er sich stinksauer in einem TV-Interview und schüttelt den Kopf: "Somit kam es zur Kollision. Es ist mega enttäuschend, das Rennen so zu verlieren." Die FIA kündigte an, den Zusammenstoß und das Weiterfahren mit einem beschädigtem Auto ebenfalls zu untersuchen.

In Führung liegend: Reifenplatzer bei Sebastian Vettel

Längst vorbei war das Rennen zu diesem Zeitpunkt für Sebastian Vettel. Der Ferrari-Star, der auf Supersoft gestartet war und viele Konkurrenten auf der Strecke kassiert hatte, blieb 28 Runden lang draußen, was ihn nach den Mercedes-Stopps an die Spitze spülte. Doch die Scuderia hatte dem Pneu in der Hoffnung auf Regen oder eine Einstoppstrategie offenbar zu viel zugemutet. Am Ende der Start- und Zielgeraden platzte der Gummi hinten rechts. Vettel flog ab und krachte seitlich in die Boxenmauer.

Lust, Interviews zu geben, hatte er anschließend nicht. Auf die Frage, was passiert sein, reagiert er gereizt: "Das habt ihr doch gesehen, was soll ich da noch erklären?! Mir fliegt auf einmal der Reifen weg, das war's", keift Vettel. Zu viel Risiko sei er mit der Strategie nicht gegangen, zumal es auch keine Vorwarnung gab, betont er: "Ich habe nichts falsch gemacht und habe auch nichts Aggressives oder Dummes versucht." Wegen der vielen Trümmer gab es eine Safety-Car-Phase, denn Rosberg hatte Wrackteile überfahren und sich dabei einen Windabweiser am Auto demoliert.

Profiteur der Szene war unter anderem Max Verstappen im Red Bull, der nur einen Boxenstopp unternahm und sich nach strategieverzerrter Führung auf den Rang drei mauserte. Kimi Räikkönen im zweiten Ferrari ging an dem auf die identische Strategie gesetzten Daniel Ricciardo (5./Red Bull) vorbei, um anschließend wie Verstappen von der Kabale der Silberpfeile zu profitieren. Ärgerlich für Ricciardo: Hätte er nicht für einen Schlusssprint und in der Hoffnung auf ein weiteres Safety-Car auf Ultrasoft gewechselt, hätte er den havarierten Rosberg auch noch aufgeschnupft.

Wehrlein holt ersten WM-Punkt, Hülkenberg erlebt ein Debakel

Das weitere Feld wurde angeführt von Jenson Button (6.) im McLaren, der sich von Startplatz drei aus mit sehr konservativer Taktik überraschend gut behauptete, sowie Romain Grosjean (7./Haas) und Carlos Sainz (8./Toro Rosso). Valtteri Bottas (Williams) wurde Neunter, gefolgt von Pascal Wehrlein auf Rang zehn. Der Mercedes-Youngster im Manor holte damit seinen ersten Formel-1-Punkt. "Das Team feiert den Zähler wie einen Grand-Prix-Sieg. Zur Rennmitte hat es mal schlecht ausgesehen, weil eine Runde nach unserem Boxenstopp das Safety-Car auf die Bahn kam, aber dann sind wir vom letzten wieder bis auf den zehnten Platz nach vorne gefahren", jubelt Wehrlein.

Einen völlig gebrauchten Tag hatte Nico Hülkenberg, der im Force India nach dem Start von Platz zwei schnell zurückgereicht wurde. Beim Boxenstopp überschritt er auch noch das Tempolimit und erhielt eine Fünf-Sekunden-Strafe, ehe er kurz vor Schluss entnervt das Auto abstellte - da waren die Punkteränge längt unerreichbar. "Es ist ein schwarzer Sonntag. Vom Start weg war es ein Überlebenskampf. Ich habe überhaupt keine Balance gefunden und das Auto nicht wiedererkannt", hadert Hülkenberg.

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