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Formel 1 Barcelona 2016: Wie Bundesliga ohne den FC Bayern!

Verstappen krönt sich im ersten Rennen für Red Bull zum jüngsten Sieger der Formel-1-Geschichte - Strategie kostet Ricciardo/Vettel möglichen Triumph

(Motorsport-Total.com) - So spannend kann die Formel 1 sein, wenn Mercedes nicht dabei ist! Nach der Kollision der Silberpfeil-Stars in der ersten Runde des Grand Prix von Spanien in Barcelona entwickelte sich ein dramatischer Vierkampf um den Sieg. Und am Ende gab es mit Max Verstappen (18) den jüngsten Sieger in der Geschichte der Königsklasse des Motorsports.

Max Verstappen, Sebastian Vettel, Kimi Räikkönen

Max Verstappen löst Sebastian Vettel als jüngster Sieger aller Zeiten ab Zoom

Manche Geschichten schreibt eben nur die Formel 1: Vor ein paar Tagen wurde Helmut Marko noch als brutal beschimpft, weil er Daniil Kwjat zu Toro Rosso degradiert hat. Jetzt ist der Österreicher der geniale Mastermind, der nach Sebastian Vettel wieder ein Supertalent entdeckt hat - und das noch dazu vor den Augen von "Oberbulle" Dietrich Mateschitz. Der sonst medienscheue Milliardär meint auf dem Weg zur Siegerehrung nur: "Das Glück ist ein Vogerl!"

Zugegeben: Verstappen hätte den Grand Prix nicht aus eigener Kraft gewinnen können. Eigentlich schien alles für seinen Teamkollegen Daniel Ricciardo angerichtet, der bis zu seinem Boxenstopp in der 43. Runde in Führung lag. Red Bull reagierte mit dem Stopp auf Vettel, der sechs Runden zuvor an die Box gekommen war. Aber: "Wir hatten es in der Hand. Wir haben zu spät auf drei Stopps umgestellt", ärgert sich Ricciardo.

Die Red-Bull-Taktik ist schwer nachzuvollziehen, denn: "Wir wussten, dass Seb schneller ist. Das hat keinen Sinn ergeben. Es ist frustrierend, ein Rennen auf diese Weise herzuschenken." Ricciardo hatte nach seinem Stopp 8,6 Sekunden Rückstand auf Vettel; innerhalb von elf Runden lag er aber im DRS-Fenster. Das war 13 Runden vor Schluss - als allen langsam dämmerte, dass Verstappen und Kimi Räikkönen an der Spitze nicht mehr an die Box kommen würden.

Ricciardo hatte am Ende der Start- und Zielgeraden den höheren Topspeed als Vettel, hielt sich zwei-, dreimal artig zurück - aber in Runde 59 wollte er es wissen: spätes Bremsmanöver vor Kurve 1, Vettel völlig überrascht, aber der Red Bull kann die Linie nicht halten und fällt wieder hinter den Ferrari zurück. Vettel funkt fuchsteufelswild: "Ehrlich, was soll das? Fahren wir Rennen oder spielen wir Pingpong?" So eng wurde es danach nie wieder.

Ricciardo erlitt dann in der vorletzten Runde noch einen Reifenschaden links hinten, blieb aber Vierter, weil der fünftplatzierte Valtteri Bottas (Williams) trotz des zusätzlichen Boxenstopps zu viel Rückstand hatte. Vettel blieb nichts anderes übrig, als den dritten Platz nach Hause zu bringen: "Wir haben beide Autos auf unterschiedliche Strategien gesetzt. Ich kam so an Daniel vorbei, aber die Zweistoppstrategie war letztendlich schneller."

Und damit zu Verstappens Meisterleistung: Der Niederländer hatte in den letzten 20 Runden permanent Räikkönen im schnelleren Ferrari im Rückspiegel, hielt den Weltmeister von 2007 aber trotz DRS-Nachteil in Schach. Verstappen ließ keinen einzigen Überholversuch zu, fuhr seinen ersten Grand-Prix-Sieg abgebrüht nach Hause - dabei war er gerade mal drei Jahre alt, als Räikkönen 2001 sein erstes Formel-1-Rennen gefahren ist!

"Danke, Christian", gilt sein erster Dank am Boxenfunk Red-Bull-Teamchef Christian Horner - und der zweite, etwas später auf dem Podium, Vater Jos (der übrigens immer noch sein Manager ist): "Mein Papa hat mir schon in sehr jungen Jahren geholfen. Jetzt das zu erreichen, ist erstaunlich. Ich kann es nicht glauben! Es war ein großartiges Rennen. Gleich mein erstes Rennen auf Red Bull zu gewinnen, ist ein unglaubliches Gefühl."

Räikkönen fehlten nach 66 Runden nur 0,442 Sekunden - und ein paar PS. "Wenn die ab Montreal noch 35 PS mehr bekommen, muss sich Ferrari warm anziehen", analysiert Formel-1-Experte Marc Surer. "In der letzten Kurve", weiß Räikkönen, "hat mir Anpressdruck gefehlt, da kam ich nicht nahe genug ran, um ihn dann auf der Geraden zu überholen. Aber nach dem gestrigen Tag wären wir mit Platz zwei und drei zufrieden gewesen."

Verloren hat Ferrari das Rennen im Nachhinein betrachtet nicht durch den Speed oder die Strategie, sondern am Start. Denn da war Vettel schon an Verstappen vorbei und hätte sich unmittelbar auf Ricciardo-Jagd begeben können, aber Verstappen konterte nur wenige Meter später - und irgendwie tauchte plötzlich auch noch Carlos Sainz (Toro Rosso) vor ihm auf. Der Spanier spielte eine Weile Puffer für die führenden "großen Brüder" - und wurde am Ende guter Sechster.

Interessantes Detail am Rande: Barcelona 2016 ist der erste Red-Bull-Sieg seit Spa-Francorchamps 2014 - und auch dort hatte es eine Mercedes-interne Kollision gegeben! Zu einem "Krieg der Sterne" wird es diesmal aber nicht kommen: "Lewis hat sich sofort entschuldigt", berichtet Niki Lauda vom Krisenmeeting im Mercedes-Truck, in das beide Fahrer noch in voller Montur gekommen waren. Zuvor hatten sie sich nach dem Crash in Kurve 4 keines Blickes gewürdigt.

Die ersten Tendenzen: Zwei Drittel unserer Leser sehen die Schuld bei Hamilton, nur 15 Prozent bei Rosberg. Das deckt sich mit Laudas Einschätzung: "Lewis hat das mit einem Kraftakt herausgefordert. Den Vorwurf, den ich ihm mache: Wieso in der zweiten Kurve? Bei einem Grand Prix, der so lang geht, ist das vollkommen unnötig." Toto Wolff sieht das differenzierter: "Das Fernsehbild ist nicht ganz klar. Nico hat Schwung verloren, als er aus der Kurve gekommen ist."

Das TV-Replay der Onboard-Kameras zeigt: Als Rosberg durch die erste Kurvenkombination fährt, drückt er einen Knopf am Lenkrad. Ein rotes LCD leuchtet in der Mitte auf. Plötzlich fehlt ihm Schwung, Hamilton kommt näher, schert nach rechts aus - muss aber ins Gras, wo er die Kontrolle über den F1 W07 Hybrid verliert und Rosberg abräumt. In der ersten Emotion schmeißt der Weltmeister wutentbrannt das Lenkrad aus dem Cockpit.

Der Verdacht liegt nahe, dass die Situation letztendlich durch das Hybridsystem entstanden ist. Rosberg zog in der ersten Kurve außen mühelos an Hamilton vorbei, könnte also auf den ersten Metern den Energiespeicher stärker entleert haben. Das würde erklären, warum Hamilton aus der zweiten Kurve heraus mehr Schwung hatte - und Rosberg in den Rekuperationsmodus gehen musste, um die Batterien wieder aufzuladen.

Sportchef Wolff bleibt mit seiner Erklärung vage: "Nico hatte die falsche Einstellung und hat deshalb am Ausgang der Kurve Power verloren. Deshalb hatte er nicht so viel Energie wie Lewis zur Verfügung. Das erklärt es aber nicht unbedingt. Alles ging so schnell. Die Entscheidung musste in Sekundenschnelle fallen. Er hatte etwas am Lenkrad eingestellt, was am Start hätte verändert werden sollen - er hat es aber nicht getan."

Wie dem auch sei: Rosbergs historische Siegesserie ist beendet, obwohl er den Start gegen Hamilton vom zweiten Platz aus souverän gewonnen hatte. In der Weltmeisterschaft führt er nun 39 Punkte vor seinem neuen Verfolger Räikkönen, wird also trotz des heutigen Ausfalls auch Monaco in zwei Wochen auf jeden Fall als WM-Leader verlassen. Und in der Konstrukteurs-WM hat Mercedes immer noch 48 Punkte Vorsprung auf Ferrari - mehr als ein Doppelsieg.

Was dahinter passierte, interessierte indes kaum jemanden. Felipe Massas (Williams) Aufholjagd vom 18. Startplatz endete auf Rang acht, 1,2 Sekunden hinter Sergio Perez (Force India). Dessen Teamkollege Nico Hülkenberg beendete ein durchwachsenes Wochenende mit brennendem Antrieb in der Botanik - und musste beim Feuerlöschen auch noch selbst anpacken, weil die Streckenposten nicht begriffen, wo es am meisten brennt.

Lokalmatador Fernando Alonso (McLaren) fuhr sicheren WM-Punkten entgegen, rollte jedoch ausgerechnet in jener Kurve aus, in der er vor eineinhalb Jahren seinen mysteriösen Testunfall hatte: "No power!" Sehr zum Leidwesen übrigens von Placido Domingo, der heute die Siegerinterviews auf dem Podium durchführen durfte: "Fernando ist mein Freund. Und ich gratuliere dem FC Barcelona zum Meistertitel, obwohl jeder weiß, dass ich Real-Fan bin!"

Den Ehrenpunkt staubte Toro-Rosso-Heimkehrer Kwjat ab, im Autotausch mit Verstappen definitiv der große Verlierer. Da tröstet es auch kaum, dass er beim Überholmanöver gegen Esteban Gutierrez (Haas) ein wenig Support von den überrundenden Spitzenreitern hatte und kurz vor Schluss sogar die schnellste Runde im Rennen fuhr. Und auch Pascal Wehrlein (Manor) wird Platz 16, 14,7 Sekunden vor Teamkollege Rio Haryanto, nicht groß feiern.

Für Action sorgten im hinteren Mittelfeld nur teaminterne Duelle. Die Renault-Fahrer Jolyon Palmer (13.) und Kevin Magnussen (14.) müssen nach dem Rennen noch zu den FIA-Kommissaren, und bei Sauber musste Marcus Ericsson in der 43. Runde in den Notausgang, als seine Attacke gegen Felipe Nasr in Kurve 1 nicht glückte. Das Sauber-Teamduell wurde in weiterer Folge noch vom einen oder anderen markigen Funkspruch begleitet...

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