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Ferrari: Wo ist Maurizio Arrivabenes Offenheit geblieben?

Vor einem Jahr saß Maurizio Arrivabene noch mitten unter den Fans, inzwischen ist Ferrari die Hochburg schlechthin, was Geheimhaltung betrifft

(Motorsport-Total.com) - Formel-1-Testfahrten in Barcelona, Sebastian Vettel kommt nach einem Run zurück an die Box. Der Deutsche fährt in eine Gasse aus Stellwänden, die die Mechaniker vor der Ferrari-Garage aufgebaut haben. Ein Ferrari-Mitarbeiter schiebt Kameramänner zur Seite, ein anderer schließt mit weiteren Stellwänden den noch sichtbaren Bereich. Teilweise wird sogar nach oben hin abgeschirmt, damit die Fotografen nicht aus dem Media-Center Bilder vom SF16-H knipsen können.

Maurizio Arrivabene

Maurizio Arrivabene hat viel von seiner anfänglichen Inspiration verloren Zoom

Ein paar Meter weiter, im Fahrerlager, möchte sich ein Journalist mit Vettels Pressesprecherin Britta Roeske auf einen Kaffee setzen und plaudern. Geht nicht - zumindest nicht mehr in Ferraris eigener Hospitality, die beim Barcelona-Test nicht offen steht, damit niemand wichtige Gespräche mithören kann. Dabei ist die ganze Geheimhaltung "albern", wie ein Konkurrenz-Motorenchef der 'Bild'-Zeitung verrät, denn: "Ich habe auf meinem Schreibtisch einen ganzen Stapel Fotos vom neuen Ferrari liegen!"

Gerade Ferrari sollte eigentlich mit gutem Beispiel vorangehen, was das Thema Offenheit betrifft. Maurizio Arrivabene war es, damals noch Neo-Teamchef der Scuderia, der sich vor einem Jahr am Rande der Barcelona-Tests Testfahrer Esteban Gutierrez und seinen Sportchef Massimo Rivola schnappte und mit den beiden auf die Tribüne ging, mitten unter die Fans - einfach um mit denen mal entspannt zu plaudern.

Esteban Gutierrez, Maurizio Arrivabene

Vor einem Jahr: Ferrari-Teamchef mit seinen Leuten auf der Tribüne Zoom

"Wir müssen die Formel 1 näher zu den Leuten bringen, also haben wir uns mitten unter sie gesetzt", sagte Arrivabene damals. Aussperren dürfe man die Fans nämlich nicht: "Wir müssen zwar eine gewisse Exklusivität wahren, aber das darf nicht zu einem verlassenen Fahrerlager führen. Das ist meine Botschaft, daher wollte ich ein Exempel statuieren."

Ein Jahr später wären die Ferrari-Leute selbst auf den Tribüne des Circuit de Barcelona-Catalunya ziemlich einsam gewesen, denn es verirrten sich nur vereinzelt Schaulustige zu den Formel-1-Tests dieses Winters. Das war vor ein paar Jahren, als tausende Spanier Barcelona und Jerez stürmten, um Fernando Alonso zu sehen, noch ganz anders.

Arrivabene, der lässige "Marlboro-Man" unter den Formel-1-Teamchefs, ist mit großen Ideen angetreten. Doch tatsächlich verbessert hat sich die Situation für die Fans seither nicht...