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Ferrari schnell, aber "Bremsdefekt" sorgt für Diskussionen

Warum nicht alle an einen Bremsdefekt bei Sebastian Vettel glauben und wie Kimi Räikkönen die Chancen Ferraris nach dem Freitag in Bahrain einschätzt

(Motorsport-Total.com) - Ferrari erwies sich am ersten Trainingstag in Bahrain als schnell. Kimi Räikkönen und Sebastian Vettel reihten sich im Tagesklassement mit Rückständen von 0,527 und 0,630 Sekunden hinter dem Mercedes-Duo auf den Plätzen drei und vier ein. Vor allem im Longrun-Trim zeigte man die Zähne und war über die Distanz schneller als Lewis Hamilton und Nico Rosberg.

Sebastian Vettel

Ferrari machte in der Dunkelheit von Sachir eine gute Figur Zoom

Dennoch sorgte ein Zwischenfall in der roten Box für Aufregung: Vettel kollidierte im zweiten Training in der ersten Kurve mit Sergio Perez und beschädigte dabei seinen Frontflügel. Der 27-Jährige machte ein Bremsproblem dafür verantwortlich. Als er an die Box kam, stellten sich die Mechaniker vor dem Boliden auf, um Detailfotos der Fotografen zu verhindern.

Wollte Ferrari loses Rad verbergen?

"Wir hatten in diesem Fall ein wirkliches Bremsproblem, und die Jungs wollten das verdecken", erklärt Teamchef Maurizio Arrivabene, der sonst stets Fannähe und Offenheit propagiert. Auch der Italiener stand bei seinen Mechanikern. Als Teil der Mauer? "Nein, ich war nur dort, weil ich neugierig war", winkt er ab. "Vielleicht ist die Mauer eine schlechte Angewohnheit, aber ich wollte mir nur Sebastians Bremse ansehen, um zu verstehen, was los ist. Ich bin nicht naiv, aber ich bin neu hier. Ich lerne."

Im Fahrerlager kursiert währenddessen längst die Theorie, dass die Mechaniker eine ganz andere Absicht hatten: Bei Vettel soll das rechte Vorderrad nicht ordentlich angeschraubt gewesen sein. Um in solchen Situationen eine Rückversetzung in der Startaufstellung als Strafe zu verhindern, habe man die Piloten angewiesen, einen Bremsdefekt vorzutäuschen. Dafür spricht, dass Vettel sehr langsam aus der Box rollte und dann auch wieder im Bummeltempo zurückfuhr. Haben die Mechaniker in Wahrheit versucht, die Sicht auf das nicht ordentlich angeschraubte Rad zu verdecken?

Arrivabene: Telemetriedaten beweisen Bremsproblem

"Wir haben uns die Telemetriedaten angesehen und haben gesehen, dass bei den Bremsen was nicht passte", hält Arrivabene an der Version eines Bremsproblems fest. "Die Jungs haben dann die Karbon-Verkleidung abgenommen, um das besser zu verstehen. Sie schauen sich die Sache aber noch an."

Wenn aber tatsächlich ein Rad lose war, dann scheint die Ferrari-Rechnung aufgegangen zu sein: Die FIA sah bei Perez und Vettel von einer Strafe ab. Auch der Hinweis der Konkurrenz, der Sache nachzugehen, stieß bei den Regelhütern nicht auf Gehör.

Verwarnung für Räikkönen

Bei Räikkönen war dies anders: Der Finne war bei der Boxenausfahrt dem Sauber-Piloten Marcus Ericsson ausgewichen, der einen Start probieren wollte, aber nicht vom Fleck kam. Der Ferrari-Pilot fuhr allerdings im Gegensatz zu Hamilton nicht - wie die Regel besagt - rechts, sondern links vorbei und wurde im Nachhinein verwarnt.

Mit dem Tempo seines Boliden ist Räikkönen nicht restlos zufrieden: "Ich habe mir die Rundenzeiten noch nicht genau gesehen, aber ich denke, dass wir sind nicht so stark wie wir es gerne sein würden." Im zweiten Training, als die Streckentemperatur wegen der Dunkelheit zurückging, haderte der Routinier mit dem Setup: "Wir hatten ein paar Handling-Probleme."

Räikkönens oberste Premisse ist es, im Qualifying im Gegensatz zum Saisonstart einen Schritt nach vorne zu machen: "Das macht dir das Leben im Rennen einfach. Ich weiß nicht, ob wir Mercedes herausfordern können, aber morgen ist ein anderer Tag, die Bedingungen können sich ändern. Das spielt eine große Rolle, also mal abwarten."