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  • 12.04.2012 17:13

  • von Dieter Rencken & Roman Wittemeier

Ferrari-Entwicklung: Hamashima als Bindeglied zu Pirelli

Ex-Bridgestone-Chefentwickler Hirohide Hamashima über seine neue Rolle bei Ferrari und die fieberhafte Suche nach dem optimalen Betriebsfenster

(Motorsport-Total.com) - Ferrari hat im Kampf der Topteams in den vergangenen Jahren oft Federn gelassen. Bei den Italienern machte man vor allem den nicht optimalen Umgang mit den Reifen als wichtigen Negativfaktor aus. Um diesen Problemen in Zukunft besser begegnen zu können, engagierte man prominentes Personal. Ex-Bridgestone-Chefentwickler Hirohide Hamashima wurde von Japan nach Maranello geholt. Der erfahrene Ingenieur soll den Italienern wichtige Hinweise geben.

Titel-Bild zur News:

Hirohide Hamashima dient als Bindeglied zwischen Ferrari und Pirelli

"Im Januar kam ich nach Italien. Eine Woche nach meiner Ankunft bekam ich einen Anruf von Luca di Montezemolo, der mich motivierte und mir viele nette Dinge mit auf den Weg gab. Von dieser Art könnten sich die Führungspersönlichkeiten japanischer Großunternehmen eine Scheibe abschneiden", erinnert sich Hamashima an seine ersten Tage in Maranello. "Man hat mich bei Ferrari sehr nett aufgenommen."

"Im Unterschied zu Bridgestone sind die Hierarchien im Team sehr flach, außerdem gibt es bei allen den unbedingten Siegeswillen. Das war bei meinem vorherigen Arbeitgeber nicht so ausgeprägt. Verständlich, denn wir befanden uns nicht immer im direkten Wettkampf", schildert der Japaner die größten Unterschiede. "Ich habe nach wie vor ein gutes Verhältmnis zu Bridgestone, verstehe mich aber auch mit den Pirelli-Leuten sehr gut."

Hamashima betont, dass es selbstverständlich keine Weitergabe von Bridgestone-Betriebsgeheimnissen gebe. Seine Aufgabe sei der offene Dialog zwischen Ferrari und Pirelli. "Ich kann mit den Kollegen auf ganz anderer Basis sprechen. Ich habe die Sicht eines Reifenentwicklers. Früher konnten seitens Ferrari immer nur Fahrzeugingenieure mit dem Reifenhersteller kommunizieren. Ich glaube, dass ich den Pirelli-Leuten durchaus neuen Input geben kann", sagt er.

Die Früchte dieser neuen Tätigkeit sind bislang noch nicht zu sehen. Man müsse ihm eine gewisse Zeit geben, meint Hamashima: "Ich bin ein alter Mann, aber bei Ferrari noch ganz jung im Team. Ich muss mich weiter an die Abläufe im Team gewöhnen. Ich möchte meinen Beitrag dazu leisten, das Auto schneller zu machen. Dafür müssen gewisse Umstrukturierungen zunächst abgeschlossen werden."

Japaner hätten Pirelli-Weg nicht zugestimmt

"Wir müssen bezüglich der Reifen noch viel lernen. Die Unterschiede zwischen den Pirellis und dem Produkt des vorherigen Lieferanten sind dermaßen groß", lacht Hamashima angesichts der geringen Haltbarkeit der Pirelli-Pneus. "Selbst wenn die FIA von Bridgestone einen Reifen gefordert hätte, der nur 100 Kilometer halten soll, hätte man sich in Japan nicht darauf eingelassen. Es ist Kernkompetenz eines Reifenherstellers, dass seine Produkte nicht nur gut, sondern auch haltbar sind."

Bei Ferrari haben sich die Probleme im Vergleich zu den Vorjahren etwas verschoben. "Das Problem bezüglich des Anwärmens der Reifen hat man mittlerweile im Griff, aber Pirelli hat die Mischungen zu diesem Jahr verändert. Bisher ist es so, dass wir die Reifen schnell aufgewärmt bekommen, dann aber der Abrieb recht hoch ist", sagt Hamashima. "Da muss man die Balance finden. Es ist möglich, unter solchen Umständen eine Balance zu finden, die einen geringeren Reifenverschleiß ermöglicht."

Ob die aktuelle Schwäche des F2012 an der Zugstreben-Aufhängung an der Vorderachse liege? "Puh, schwierige Frage", schmunzelt der Japaner. "Bisher suchen wir noch den perfekten Weg mit unserem Auto. In dem Wagen steckt sicherlich gutes Potenzial, aber wir können es bisher nicht abrufen. Bei den Wintertests ist es uns manchmal gelungen, manchmal aber eben auch nicht. Wir müssen das optimale Betriebsfenster herausarbeiten und den Wagen robuster machen."

"Ich würde sagen, dass unser Auto derzeit besser im Renntrimm ist als im Qualifying", erklärt Hamashima. Man müsse sich zunächst akribisch an das optimale Setupfenster für den F2012 heranarbeiten, erst dann könne er mit Feinheiten an der Kinematik weitere Fortschritte ermöglichen, so der Reifenspezialist. "Es sind erst zwei Rennen gefahren, daher kann man noch nicht ganz sicher sein. Zumindest sollte aber klar sein, dass wir im Regen ganz gut aussehen."

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