powered by Motorsport.com

Ferrari: Charles Leclerc war zum Zeitpunkt des Ausfalls "im Vorteil"

Ferrari-Teamchef Mattia Binotto ist überzeugt davon, dass Charles Leclerc eine realistische Chance hatte, in Baku vor Max Verstappen ins Ziel zu kommen

(Motorsport-Total.com) - Während Max Verstappen und Red Bull davon überzeugt sind, dass sie den Grand Prix von Aserbaidschan in Baku auch ohne Ausfall von Charles Leclerc gewonnen hätten, ist sich Ferrari-Teamchef Mattia Binotto da nicht so sicher.

Charles Leclerc (Ferrari): Powerunitschaden beim Grand Prix von Aserbaidschan in Baku 2022

In Runde 20 verrauchte der Ferrari-Motor von Charles Leclerc in Baku Zoom

Ferraris Plan war, nach Leclercs Boxenstopp in Runde 9 die 42 Runden bis zum Ende ohne weiteren Boxenstopp durchzufahren. "Es war noch ein langes Rennen, und wir mussten mit den Reifen haushalten. Der Reifenverschleiß auf dem Hard war aber sehr gering. Wenn wir damit durchgekommen wären, wäre es die richtige Entscheidung gewesen", glaubt Binotto.

Es war der Ausfall von Carlos Sainz, der in Baku eine virtuelle Safety-Car-Phase (VSC) auslöste. Der zu dem Zeitpunkt in Führung liegende Sergio Perez verpasste wegen eines Missverständnisses mit seinem Renningenieur die Chance, unter VSC seine grainenden Reifen zu wechseln. Der hinter ihm fahrende Leclerc hingegen kam an die Box.

"Ich finde, dass unser Team zum Zeitpunkt des VSC sehr gut reagiert hat", sagt Binotto. "Wir haben Charles reingerufen, obwohl die Boxeneinfahrt schon sehr nahe war. Da waren wir sehr geistesgegenwärtig, und der Fahrer hat sehr gut reagiert. Dadurch hatten wir zu dem Zeitpunkt einen Vorteil."

Verstappen war auf "Box-opposite"-Strategie

Verstappen wurde, als das VSC aktiviert wurde, gesagt, er möge genau das Gegenteil von dem tun, was Leclerc macht. Als der Ferrari an die Box abbog, blieb der amtierende Weltmeister und spätere Sieger des Grand Prix von Aserbaidschan also auf der Strecke.


E10: Werden die Ferrari-Motoren deshalb zu heiß?

Ralf Schumacher analysiert die Krise bei Ferrari und entwickelt eine eigene Theorie, warum dort ein Motor nach dem anderen verraucht. Weitere Formel-1-Videos

Am Ende der VSC-Phase in Runde 10 hatte Verstappen einen Stopp weniger absolviert, aber 12,7 Sekunden Vorsprung auf Leclerc. Als Verstappen in Runde 18 an die Box kam, war der Abstand auf 7,2 Sekunden zusammengeschmolzen. Verstappen hatte jetzt die um neun Runden frischeren Reifen, aber mehr als 13 Sekunden Rückstand für den Rest des Rennens.

"Wir werden die Zahlen genau analysieren und vor dem nächsten Rennen ausrechnen, wie das Rennen wahrscheinlich ausgegangen wäre", so Binotto am Sonntagabend in Baku. "Aber wir haben uns sehr stark gefühlt, als wir mit einem sehr guten Reifen in Führung lagen. Und Charles war auch mit dem Fahrverhalten sehr zufrieden."

Eine Freude, die nicht lang währte. In Runde 20 verrauchte Leclercs Ferrari-Powerunit. Zu dem Zeitpunkt hatte er noch 12,4 Sekunden Vorsprung auf Verstappen, der sich gerade anschickte, das Tempo anzuziehen, mit absoluter Bestzeit im ersten Sektor. Zum Showdown zwischen den beiden kam es nicht mehr.