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Fahrerentscheidung bei Alfa Romeo: "Die Zeit ist abgelaufen für Kimi"

Es gilt als zunehmend unwahrscheinlich, dass Kimi Räikkönen seine Karriere fortsetzen wird - Teamchef Frederic Vasseur lässt sich mit der Entscheidung Zeit

(Motorsport-Total.com) - Frederic Vasseur hat klargestellt, dass es derzeit noch "viel zu früh" für eine etwaige Vertragsverlängerung mit Kimi Räikkönen für die Formel-1-Saison 2022 sei: "In den nächsten Monaten liegt ein ganzer Haufen Rennen vor uns. Ich denke, dass wir uns darüber erst gegen Ende der Saison unterhalten werden, nicht vorher", sagt der Chef des als Alfa Romeo an den Start gehenden Sauber-Teams.

Kimi Räikkönen (Alfa Romeo)

Ob Kimi Räikkönen 2022 in der Formel 1 weitermacht, ist derzeit noch nicht bekannt Zoom

Geht es nach Marc Surer, als Schweizer schon immer ein Fan des Hinwiler Rennstalls, dann ist es für Räikkönen langsam an der Zeit, den Helm an den Nagel zu hängen: "Wir mögen ihn alle. Er hat immer noch eine der größten Fangemeinden. Aber die Zeit ist halt einfach abgelaufen", sagt der Experte in einem Interview auf dem YouTube-Kanal von Formel1.de.

Räikkönen werde mit seinen bald 42 Jahren (Geburtstag am 17. Oktober) "einfach zu alt", findet Surer: "Man verliert irgendwo an Speed. Zwischendurch zeigt er wieder gute Rennen, denn er kann fahren. Das Talent hat er nicht verloren. Aber die puren Reflexe, die verlierst du einfach mit kommendem Alter. Das ist etwas, was man nicht wegdiskutieren kann."

Seinen bisher letzten von insgesamt 21 Grand-Prix-Siegen hat Räikkönen 2018 in Austin gefeiert, in seinem viertletzten Rennen vor dem Wechsel von Ferrari zu Alfa Romeo. In den letzten drei Saisonrennen 2018 fuhr er noch zweimal aufs Podium. Ergebnisse, an die er bei seinem derzeitigen Team nicht mehr anknüpfen konnte.

Räikkönen & Alfa: Ergebnisse werden immer schlechter

2019, im ersten Jahr nach seiner Rückkehr zu Sauber, fuhr der "Iceman" neunmal in die Punkte und beendete die Weltmeisterschaft an zwölfter Stelle. Höhepunkt war Platz vier in Sao Paulo. 2020 schaffte er noch zwei neunte Plätze. 2021 steht bisher nur ein mickriger zehnter Platz in Baku als zählbares Ergebnis zu Buche.

Teamkollege Antonio Giovinazzi hat zwar auch erst einen Punkt auf seinem 2021er-Konto, führt aber im Qualifyingduell mit 7:2. "Da müsste Alfa Romeo auch mal drüber nachdenken", sagt Surer. "Giovinazzi fährt ja nicht plötzlich schneller. Der fährt so schnell, wie es das Auto erlaubt. Da müsste Kimi auch sein. Aber Kimi verliert ein bisschen zu viel auf ihn jetzt."


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Räikkönen und Giovinazzi fahren 2021 bereits das dritte Jahr in unveränderter Konstellation miteinander. 2020 hatte Alfa Romeo das erst im Oktober bekannt gegeben. Und sehr viel früher wird die Entscheidung wohl auch diesmal nicht fallen. Zumindest sieht Vasseur keinen Anlass, "uns bei dieser Entscheidung hetzen zu lassen".

"Wir wissen ganz genau, dass das Starterfeld von oben nach unten besetzt wird. Zuerst wird Herr Wolff seine Entscheidung treffen, dann Herr Horner, und irgendwann kommen dann auch wir dran", erklärt der Franzose. "Die Dinge sind in Bewegung, und wir haben dieses Fragezeichen um Kimi. Aber Antonio wird immer besser, und ich möchte den Druck erstmal im Kessel halten."

Vasseur: Fahrer unter Druck am besten

Denn Druck sei "immer eine gute Sache", findet Vasseur: "Ich bin keiner, der diese langen Verträge gut findet. Ich will nicht, dass gesagt wird: 'Okay, Jungs, jetzt habt ihr Sicherheit, jetzt könnt ihr euch entspannen.' Das ist doch nur Blabla. Wir müssen alle unter Druck halten. In der Formel 1 dreht sich alles um Druck, und so müssen wir es auch machen."


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Jetzt schon eine Entscheidung zu treffen, das sei außerdem unklug, weil man erstens nicht weiß, wie sich die Topteams festlegen, und weil zweitens auch in den Nachwuchsserien einiges in Bewegung ist. An Alternativkandidaten mangelt es Vasseur nicht. Testfahrer Callum Ilott wäre einer, Formel-2-Talent Theo Pourchaire oder auch Mick Schumacher, heißt es.

Unter Umständen könnten sogar starke Routiniers wie Valtteri Bottas (wenn Mercedes auf George Russell setzen sollte) oder Sergio Perez (wenn der Mexikaner Red Bull in der zweiten Saisonhälfte nicht überzeugen kann) auf den Markt kommen. Andererseits laufen Alfa Romeo Giovinazzi und Räikkönen sicher nicht davon. Man kann es sich leisten, noch zu warten.

Übrigens: Das Interview mit Marc Surer über den Transfermarkt in der Formel 1, die Situation bei Mercedes, die Chancen von Pierre Gasly auf ein Red-Bull-Cockpit und einen möglichen Teamwechsel von Mick Schumacher gibt's jetzt auf dem YouTube-Kanal von Formel1.de in voller Länge zu sehen.