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F2008: Aerodynamik im Vordergrund

Laut Chefdesigner Aldo Costa stand die Aerodynamik bei der Entwicklung des neuen Ferrari im Vordergrund - Radstand nun etwas kürzer

(Motorsport-Total.com) - In Maranello wurde heute der neue Ferrari F2008 vorgestellt, dessen Grundkonzept auf jenes des weltmeisterlichen F2007 aus dem Vorjahr aufsetzt. Aber auch wenn für den Laien optisch nur wenige Änderungen auf den ersten Blick zu erkennen sind, stand die Aerodynamik im Mittelpunkt der Anstrengungen der vergangenen Monate.

Aldo Costa, Felipe Massa und Kimi Räikkönen

Ferrari-Chefdesigner Aldo Costa (links) mit Felipe Massa und Kimi Räikkönen

Sofort ins Auge sticht der bewährte Doppeldecker-Frontflügel, der an und für sich zwar nicht neu ist, dessen obere Flügelplatte nun aber im Williams-Stil mit bulliger gewordenen Verbindungspunkten mit der Nase verknüpft ist. Außerdem mussten die Seitenwände des Cockpits aufgrund neuer Sicherheitsvorschriften nach oben gezogen werden und die Seitenkästen wurden noch kompakter und stärker nach hinten abfallend gestaltet.#w1#

Langsame Strecken waren ein Schwachpunkt

"Wir haben hauptsächlich an der Aerodynamik gearbeitet, die ganz anders ist als 2007", bestätigte Chefdesigner Aldo Costa. "Alle aerodynamischen Oberflächen wurden komplett aktualisiert. Das Bodywork ist jetzt stärker konkav geformt und die Motorenabdeckung verfügt über ein anderes Profil, um die Effizienz zu verbessern und die Probleme zu lösen, die wir auf Strecken wie Monte Carlo, Ungarn und Kanada hatten."

Man habe im Windkanal "exzellente Fortschritte" gemacht, betonte der Italiener: "Das Team hat fantastisch gearbeitet, obwohl die aerodynamischen Regeln ja schon im vierten Jahr stabil sind. Trotzdem haben wir es geschafft, wieder bessere Werte zu erzielen. Die anderen Teams kann ich noch nicht beurteilen, aber wir haben noch einige versteckte Features in petto, die uns hoffentlich in puncto Zuverlässigkeit und Performance weiterbringen werden."

Wie üblich hat Ferrari heute übrigens noch nicht alle Hüllen fallen lassen: "Das Auto wird bis zum ersten Rennen noch einer aerodynamischen Evolution unterzogen, alle Teile werden noch einmal evaluiert", kündigte Costa an. "Front- und Heckflügel werden in Australien neu sein, denn heute sind das die gleichen Flügel wie beim letztjährigen Auto." Mit dieser Geheimnistuerei erreicht man zweierlei: einerseits eine Täuschung der Konkurrenz, andererseits mehr Zeit im Windkanal.

Radstand wurde verkürzt

Wenn der F2007 aus dem Vorjahr eine Schwäche hatte, dann waren es am ehesten die kurvenreichen und langsamen Strecken. Dies lag teilweise an der sehr auf Effizienz getrimmten Aerodynamik, teilweise an der Radaufhängung, aber vor allem am Radstand. Dieser wurde nämlich im Winter 2006/07 massiv verlängert, was in manchen Bereichen Kompromiss erforderlich machte. Nun ruderten die Italiener wieder einen Schritt zurück.

"Das Auto ist etwas kürzer als im vergangenen Jahr. Im Vorjahr haben wir den Radstand ziemlich dramatisch verlängert, während die Länge des Autos in diesem Jahr mehr oder weniger gleich geblieben ist. Allerdings haben wir aus speziellen Gründen eine kleine Anpassung vorgenommen, die aber nicht gravierend ist", gab Costa zu Protokoll. Tendenziell gehört der um drei bis vier Zentimeter verkürzte Ferrari-Radstand nach wie vor zu den längeren in der Formel 1.

Einheitselektronik von Microsoft/MES

Ferrari F2008

Der neue Ferrari F2008 ist etwas kürzer geraten als das Vorgängermodell Zoom

Ein wichtiger Bestandteil der technischen Überlegungen war natürlich auch die neue Einheitselektronik von Microsoft/MES: "An der Elektronik und an den Kontrollsystemen haben wir viel gearbeitet", so der Nachfolger des immer noch als Berater tätigen Designgurus Rory Byrne. "Wir müssen dieses Jahr ein integriertes Standardsystem verwenden. Also mussten wir das elektronische Layout überdenken. Die Fahrhilfen wie die Traktionskontrolle sind nun ja verboten."

"Wir haben außerdem intensiv am Getriebe gearbeitet, welches dieses Jahr vier Rennen am Stück eingesetzt werden muss. Wir haben die Dimensionen verändert, um die Lebensdauer zu verlängern", erklärte Costa. Das Getriebe kommt weiterhin ohne Zugkraftunterbrechung aus, verfügt über sieben Gänge plus Rückwärtsgang, schlummert in einem Gehäuse aus Kohlefaser und ist der Länge nach ins Chassis eingebaut.

Pikant: Dadurch, dass Elektroniklieferant MES eine McLaren-Tochterfirma ist, muss Ferrari manche Getriebedaten ausgerechnet mit Ingenieuren aus Woking diskutieren - angesichts der Spionageaffäre eine äußerst unangenehme Situation. Aber Costa und sein Team haben nicht vor, sich davon einschüchtern zu lassen: "Wir werden uns nicht bremsen, sondern wollen die Performance von 2007 halten und das Getriebe ohne Zugkraftunterbrechung weiterentwickeln."

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