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F1-Qualifying Monza: Bottas erobert ohne Windschatten Freitagspole

Obwohl Valtteri Bottas eigentlich Lewis Hamilton auf P1 ziehen sollte, sicherte er sich die Freitagspole - Sebastian Vettel droht nach Boxenchaos noch eine Strafe

(Motorsport-Total.com) - Valtteri Bottas hat sich mit einer überraschenden Vorstellung die Freitagspole beim Grand Prix von Italien gesichert und ist damit der Favoritenrolle des Mercedes-Teams auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke in Monza gerecht geworden. Der künftige Alfa-Romeo-Pilot fuhr in allen drei Segmenten Bestzeit und lag am Ende der Session 0,096 Sekunden vor seinem Teamkollegen Lewis Hamilton.

Valtteri Bottas

Mercedes hat sich die Freitagspole für den Grand Prix von Italien gesichert Zoom

Der musste einsehen: "Das war eine mega Runde von Valtteri!"

Max Verstappen (Red Bull) wurde Dritter, gefolgt von den beiden McLaren-Piloten Lando Norris, Daniel Ricciardo und Vorjahressieger Pierre Gasly im AlphaTauri.

Sebastian Vettel (Aston Martin) schied als Elfter in Q2 aus, Mick Schumacher (Haas) als 18. bereits in Q1. Beide Deutschen im Feld konnten aber ihre Teamkollegen schlagen.

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Sollte Bottas nicht eigentlich der "Wingman" sein?

Ja, sollte er. Der Finne wurde im alles entscheidenden Q3-Run vor Hamilton auf die Strecke geschickt, um der Nummer 1 im Team Windschatten zu spendieren. Hinter den beiden hängte sich übrigens noch Norris dran. Aber Bottas fuhr im ersten und zweiten Sektor Bestzeit, und da dämmerte einigen schon, dass es sogar der erste Platz werden konnte. Als er über die Ziellinie fuhr, schrie er erleichtert in den Boxenfunk.

Bottas selbst hatte auf seiner Runde Windschatten von Ricciardo. Das hat ihm geholfen. "Ich fühle mich gut", sagt er. "Meine Zukunft ist geklärt, und mit dem Ergebnis bin ich sehr zufrieden. Das Auto war sehr gut. Jetzt will ich morgen im Sprint maximale Punkte holen, und dann werden wir am Sonntag unser Bestes geben. Aber das Wochenende hat gut angefangen, und das macht mich glücklich."

Gibt's bei Mercedes oder Red Bull einen Motorwechsel?

Ja. Bottas hat vor dem Freitagsquali einen neuen Motor eingebaut. Die Gridstrafe (ganz nach hinten) muss er allerdings nicht im F1-Sprint am Samstag, sondern im Rennen am Sonntag absitzen. Am Samstag kann er Verstappen damit theoretisch wertvolle Punkte für die WM wegnehmen.

Hamilton und Verstappen brauchen in dieser Saison voraussichtlich auch noch eine zusätzliche Powerunit. Die beiden warten mit dem notwendigen Wechsel aber weiter zu. "Nur wenn wir am Ende des Feldes wären, wäre das eine Überlegung wert", sagt Red-Bull-Motorsportkonsulent Helmut Marko.

Wie groß war der Vorsprung von Mercedes auf Red Bull?

"Die Mercedes sind einfach zu schnell auf den Geraden", seufzte Marko schon nach Q1 und sprach von "Schadensbegrenzung". Da hatte Verstappen eine halbe Sekunde auf Hamilton verloren. "Es ist schwer für uns hier, das haben wir gewusst. Wir haben es probiert im ersten Training mit sehr, sehr wenig Downforce. Das hat auch nicht funktioniert."


Mercedes plant Teamorder, Bottas auf Freitagspole!

Strafe für Sebastian Vettel, Red Bull schwer geschlagen, und der "falsche" Mercedes gewinnt das Qualifying: So lief der Freitag beim GP Italien. Weitere Formel-1-Videos

Für Verstappen war das nicht überraschend: "Uns war klar, dass Monza schwierig wird. Im Training hatten wir ein bisschen mehr Probleme als erhofft, aber wir sind dann ganz gut rangekommen. Letztendlich bin ich mit dem dritten Platz ganz zufrieden."

Im Hinblick auf den F1-Sprint am Samstag und den Grand Prix am Sonntag gibt Red Bull aber noch nicht auf: "Wir müssen den richtigen Kompromiss finden, dass die Startposition halbwegs passt und dass unser Rennspeed dann so ist, dass der Reifenverschleiß so ist, dass wir mit einer Einstoppstrategie auskommen", sagt Marko.

Wie lief das Qualifying von Vettel?

Nach P6 im Freien Training rechnete sich der Aston-Martin-Pilot eigentlich gute Chancen aus. Zum ersten Mal auffällig wurde er aber in Q2, als er in der Boxenstraße aus der Garage fuhr, obwohl von hinten gerade Hamilton ankam. Weil mehrere Autos gleichzeitig auf engem Raum unterwegs waren, sah die Situation nicht ungefährlich aus - blieb aber ohne Blechschaden.

Die Rennkommissare werden den Zwischenfall erst nach dem Qualifying untersuchen. "Wenn dafür jemand eine Strafe bekommt, dann am ehesten Vettel und Aston Martin", analysiert 'ORF'-Experte Alexander Wurz.

Vettels Runde, die daraufhin folgte, reichte knapp nicht für den Einzug in Q3. Zwar konnte er sich im zweiten Q2-Run verbessern und seinen Teamkollegen Lance Stroll noch überholen. Doch auf den zehnten Platz fehlten Vettel am Ende 0,031 Sekunden auf Perez. Das bedeutete P11, 0,107 Sekunden vor Stroll.

"Tut mir leid", funkte Vettel danach an seine Box. In Kurve 6 (Lesmo 1), meinte er, habe er es ein bisschen zu locker angehen lassen ("took it a bit too easy"). "Das hat ein paar Hundertstel gekostet." Und genau die haben womöglich gefehlt. "Aaahhh!", ärgerte er sich lautstark über sich selbst.

Warum ist Tsunoda trotz seiner Rundenzeit ausgeschieden?

Der Japaner hat in Q1 eine Bestzeit von 1:21.711 Minuten erzielt und wäre damit eigentlich 15. geworden. Doch wegen Tracklimits in der Michele-Alboreto-Kurve (ehemals Parabolica) wurde ihm seine schnellste Zeit gestrichen, und die zweitschnellste reichte nur für P17. Glück für George Russell (Williams). Der rutschte so gerade noch ins Q2.

Warum ist Verstappen in Q1 eigentlich so ausgerastet?

Das böse F-Wort kam dem Red-Bull-Piloten in Q1 gleich ein paar Mal über die Lippen, als er auf eine Gruppe langsamer Autos auflief, die gerade Abstand für ihre schnelle Runde nahmen, als er selbst bereits auf einer schnellen Runde war. "Unglaublich, was die da tun, unglaublich!" Das ist gerade in Monza, wo die Geschwindigkeitsunterschiede zwischen Bummeln und Vollgas besonders groß sind, seit mehreren Jahren ein heißes Thema.

Besonders bizarr und gefährlich war die Situation, als Vorjahressieger Gasly vor der Variante Ascari auf eine ganze Gruppe an Autos auflief und diese in die Kurve hinein überholen musste. Gasly musste seine Runde daraufhin abbrechen und streckte erbost seine Hand aus dem Cockpit.

Nur zwei von mehreren bedenklichen Szenen, die sich im Qualifying abgespielt haben. Die Rennkommissare werden wohl erst zu später Stunde in Feierabend gehen können, weil sie sich noch einige mögliche "Impeding"-Situationen anschauen müssen ...

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