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Ex-Formel-1-Pilotin überzeugt: "Frauen stärker als Männer"

Desire Wilson sieht das Geld als Problem der Motorsport-Amazonen und erklärt, wie sie in den Achtzigerjahren haarscharf an einem Topcockpit vorbeischrammte

(Motorsport-Total.com) - Jutta Kleinschmidt im Sand der Rallye Dakar, Sabine Schmitz auf der Nürburgring-Nordschleife, dazu sporadisch Simona de Silvestro und Danica Patrick in den nordamerikanischen Rennserien IndyCar und NASCAR: Frauen, die männliche Konkurrenten in die Schranken weisen, bleiben eine Rarität in der Motorsport-Welt. Das liegt nicht nicht am Talent, findet Desire Wilson: "Ich glaube, dass eine Frau mental viel stärker ist als ein Mann und mehr aushält", sagt die Ex-Formel-1-Pilotin 'planetf1.com'.

Desire Wilson (ganz rechts)

Desire Wilson (ganz rechts) sieht noch viele Hürden für Frauen im Rennsport Zoom

Sie ist überzeugt: Körperliche Defizite im Vergleich mit Männern lassen sich durch Fitnesstraining ausgleichen. Zu Wilsons aktiver Zeit in den Achtzigerjahren war diese Aufgabe nicht nur deshalb ungleich schwieriger. "Damals kam es nicht in die Tüte, dass eine Frau es schaffen würde", meint die 61-Jährige. Die Autos waren in Abwesenheit einer Servolenkung und mit ihren H-Schaltungen körperlich wesentlich anspruchsvoller zu fahren. Hinzu kam der Geist einer Ära, in der die Formel 1 eine Männerwelt war.

Wilson erinnert sich, dass sie als Frau kritisch beäugt wurde: "Das größte Problem war, den Respekt der Fahrern und der Teams zu erhalten. Es brauchte große mechanische Kompetenz und tolles Feedback, Fahrzeugbeherrschung und eine politisch korrekte Grundeinstellung. Sich über etwas zu beschweren, war nicht drin." Trotzdem schaffte es Wilson nach beachtenswerten Formelsport-Erfolgen in ihrer südafrikanischen Heimat, in Großbritannien und auf dem europäischen Kontinent in die Beletage.

Arrows und Tyrrell wollten Wilson als Stammpilotin

Desire Wilson

Desire Wilson im Tyrrell-Boliden, allerdings nicht bei einem offiziellen WM-Rennen Zoom

Mit ihrem erfolglosen Versuch, sich in einem Kunden-Williams für den Großbritannien-Grand-Prix 1980 in Brands Hatch zu qualifizieren, war sie die vorletzte Frau, die vor den Freitagseinsätzen der Susie Wolff 2014 an einem Rennwochenende der Königsklasse teilnahm. Wilson ist überzeugt: Mit dem nötigen Kleingeld wäre sie 1981 oder 1982 sogar als Stammpiloten bei Arrows oder Tyrrell eingestiegen. Beide Autos waren in diesen Jahren gut für Podiumsergebnisse und es hätte ernste Verhandlungen gegeben.

Wilson erinnert sich an ein Gespräch mit Ken Tyrrell: "Ich saß bei ihm im Büro, als er Chris Pook (langjähriger Promoter der US-Grands-Prix; Anm. d. Red.) anrief, um mir zu helfen." Doch das Budget ließ sich nicht auftreiben, den Zuschlag erhielt der nach nur einem Rennen ersetzte Kevin Cogan und anschließend Michele Alboreto. Eine Einsatzmöglichkeit bei Brabham beim Südafrika-Grand-Prix 1981 - damals unter Teamchef Bernie Ecclestone - hätten ihr der Mexikaner Hector Rebaque und dessen mit Pesos prall gefüllter Geldbeutel zunichte gemacht.

Paydriver erbittertste Gegner der Frauen im Motorsport

Den Schlüssel für eine ihrer Nachfolgerinnen erkennt Wilson darin, dass eine Frau sich in den höchsten Nachwuchsserien GP2 oder Renault-World-Series (WSbR) gegen männliche Kollegen durchsetzt und Rennen gewinnt. Zu den aussichtsreichsten Kandidatinnen zählt sie aktuell neben Wolff die zuletzt in der Formel E aktive Britin Katherine Legge und die aus ihrem Sauber-Programm verbannte de Silvestro. Das Trio bewies sich in der DTM respektive in der IndyCar-Szene, nicht aber in den genannten Sprungbrett-Championaten.


Fotostrecke: Frauen erobern die Formel 1

Aus Wilsons Sicht liegt es daran, dass weiter die Paydriver die Cockpits wegschnappen: "Man schaue sich nur die Fahrer mit großem Budget an, die dann nur ein Jahr überleben", ärgert sie sich und wittert, dass die überzogenen Hürden aus ihrer Zeit noch längst nicht abgebaut sind: "Eine Frau muss eine Spitzenfahrerin sein, mehr Geld mitbringen und alles in jüngerem Alter schaffen", zählt Wilson auf.

Desire Wilson

Desire Wilson blickt heute kritisch auf die Nachwuchsszene im Motorsport Zoom

Die Lösung des Problems sei eine erschwinglichere Formel 1, in der Talent eine größere Rolle spielt - nicht die von Ecclestone ersonnene reine Frauen-Serie: "Es wäre sinnvoller, die ein oder zwei talentierten Fahrerinnen zu unterstützen, indem Einnahmen fairer verteilt werden und mehr Teams kommen." Alles andere sei "keine echte Weltmeisterschaft", weil das Feld nicht genügend Qualität aufweisen würde. "Es geht in einer Königsklasse um die besten Piloten, nicht um das Geschlecht und das Auffüllen des Feldes."

Wilson fragt sich außerdem, wer das Projekt bezahlen soll, wenn die Formel 1 schon jetzt an allen Ecken und Enden sparen muss und ein nominelles Topteam wie McLaren sogar seit geraumer Zeit ohne Hauptsponsor unterwegs ist. "Wer würde die Kosten tragen? Wenn wir nicht einmal Geldgeber für eine talentierte und qualifizierte Pilotin finden, wie für alle anderen?" Ein Feld mit 28 Autos nennt Wilson "vernünftig" und erkennt eine Herausforderung für die Aktiven, wie es sie zuletzt vor mehr als zwei Jahrzehnten mit der Vorqualifikation gab: "Wenn man auch nur niesen musste, hat man sich nicht qualifiziert."

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