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  • 31.10.2015 · 15:20

  • von Dominik Sharaf

Ex-Formel-1-Arzt: Sainz kein Held, sondern "einfach dämlich"

Gary Hartstein glaubt, dass den Medizinern nach dem Sotschi-Crash Symptome verheimlicht worden wären - Sainz machte im Krankenhaus telefonisch Setuparbeit

(Motorsport-Total.com) - Für die einen war es eine heldenhafte Leistung, für die anderen einfach nur dämlich, kindisch und unvernünftig: Carlos Sainz' Reaktion auf seinen Unfall im Freien Training zum Russland-Grand-Prix in Sotschi und sein mit Platz sieben belohnter Rennstart tags darauf entzweien die Gemüter. Während der Spanier immer neue Details ausplappert, die die Grenzwertigkeit des Unterfangens verdeutlichen, schüttelt Ex-Formel-1-Arzt Gary Hartstein nur den Kopf und fragt: "Wie dumm ist das denn?"

Carlos Sainz

Carlos Sainz könnte mit seinem Rennstart ein enormes Risiko eingegangen sein Zoom

Was Hartstein missfällt ist die Tatsache, dass der Toro-Rosso-Pilot dem medizinischen Personal gegenüber nichts von Kopfschmerzen oder Schwindel erwähnte, nach dem Rennen aber der Presse lang und breit davon berichtete. "Wenn man dumm genug ist - meinetwegen auch ein Wettkämpfer oder einfach nur ignorant -, seine Symptome zu leugnen, wen man von einem Arzt danach gefragt wird, sollte man wenigstens die Reife besitzen, daraus die richtigen Konsequenzen zu ziehen", so Hartstein.

Das Tückische an einer Gehirnerschütterung, wie sie Sainz davontrug, ist, dass die Beschwerden subjektiv sind und nicht mit Messverfahren ermittelt werden können - wie zum Beispiel Fieber anhand der Körpertemperatur. Hartstein ist sich aber sicher, dass sich sowohl der Rennarzt als auch der Medizinische Delegierte der FIA im Rahmen eines Standardverfahrens nach diesen Symptomen erkundigt hätten: "Und dann beschwert er sich, dass man sich nicht vernünftig um ihn gekümmert hätte", ätzt Hartstein.


Fotostrecke: Horror-Crash von Carlos Sainz

Die Telemetrieauswertung zeigt: Sainz' Unfall war gemessen an den G-Kräften im Verhältnis zur Verzögerungszeit der heftigste der Formel-1-Geschichte. In 0,150 Sekunden ging es von 153 km/h auf Null. Das hielt ihn nicht ab, sich im Hospital in Sotschi anderen Dingen zu widmen als seiner Gesundheit: "Das erste, was ich getan habe, als ich angekommen bin, war, meinen Renningenieur anzurufen und mitzuteilen, wie sich das Auto auf dem Longrun anfühlte, den ich zuvor gefahren hatte."

Gegenüber dem Blog des Journalisten James Allen schildert Sainz weiter, dass sich in seinem Kopf nicht nur alles drehte, sondern auch alles um die Formel 1 kreist: "Es zeigt, dass mein Gehirn darauf konzentriert war, in das Auto zurückzukehren und mein Selbstvertrauen wiederherzustellen - indem ich für das Rennen für den bestmöglichen Wagen sorgen wollte. Ich wollte einfach nur ein gutes Rennen fahren. An diesem Tag dachte ich mir, es könnte nicht schlimmer kommen, als von Rang 20 zu starten."