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Erklärt: Warum Hamiltons "Spielchen" kein Regelbruch waren

Weil er Red Bull in der Aufwärmrunde aufgehalten haben soll, erntete Lewis Hamilton Kritik und Buhrufe - und das zu Unrecht, wie die Analyse zeigt

(Motorsport-Total.com) - Schon als Lewis Hamilton vor seinem letzten Versuch in Q3 aus der Boxengasse fuhr, schien sich das nächste Psychospielchen gegen Max Verstappen zu entwickeln. Auffallend langsam fuhr der Brite vor dem Red Bull aus der Box und setzte seine Schleichfahrt auch in der Aufwärmrunde vermeintlich fort. Die beiden Mercedes fuhren diese so langsam, dass Sergio Perez dahinter nicht mehr rechtzeitig über die Linie kam.

Lewis Hamilton (Mercedes) im Qualifying zum Formel-1-Rennen in Ungarn

Schon in der Boxenausfahrt ließ sich Lewis Hamilton auffallend viel Zeit Zoom

Schnell machten Vorwürfe in Richtung Hamilton die Runde. Red Bull nannte es "die üblichen Spielchen", und selbst von außerhalb wie von Romain Grosjean ("Wenn er das absichtlich gemacht hat, dann ist es nicht schön") kamen Kommentare zu dem Thema. Doch was die TV-Bilder nicht wiedergeben konnten: Im Grunde hat Hamilton nichts falsch gemacht.

Das musste selbst Red-Bull-Teamchef Christian Horner anerkennen: "Er wollte unseren Autos keinen sauberen Run verschaffen. Aber er hat das Recht dazu. Er hatte die Position auf der Strecke. Wir haben kein großes Problem damit", sagt er.

In der Formel 1 gibt es einige Regeln, die sicherstellen, dass ein Fahrer nicht auf eine Art und Weise fährt, die seinen Konkurrenten im Qualifying Probleme bereitet.

Maximalzeit eingehalten

Artikel 27.4 des Sportlichen Reglements legt fest, dass jeder Fahrer eine Strafe erhalten könnte, der sich außerhalb der Norm bewegt. Darin heißt es: "Ein Auto darf zu keiner Zeit unnötig langsam, unregelmäßig oder in einer Weise gefahren werden, die als potenziell gefährlich für andere Fahrer oder andere Personen angesehen werden könnte."

Zudem legt Formel-1-Rennleiter Michael Masi für jede Qualifying-Session eine Maximalzeit zwischen den beiden Safety-Car-Linien fest, an die sich die Fahrer halten müssen, damit sie nicht zu langsam fahren.

In Ungarn betrug diese Zeit 1:31 Minuten, die zwischen der Safety-Car-Linie 2 am Ende der Boxenausfahrtlinie und der Safety-Car-Linie 1 vor der Boxeneinfahrt eingehalten werden musste. Hamiltons Zeit lag darunter, von daher gab es für die FIA keinen Grund, einen Regelverstoß zu untersuchen.

Zudem war Hamiltons Runde in Q3 nicht einmal seine langsamste Outlap, die er im Qualifying von Ungarn gefahren ist.

Bottas gab Pace vor

Auch eine Rolle spielt die Tatsache, dass Teamkollege Valtteri Bottas an diesem Wochenende teamintern seine Qualifying-Position aussuchen durfte und vor Hamilton fuhr. Damit war Hamiltons Pace stets davon diktiert, was der Finne vor ihm macht. Hamilton musste in allen Versuchen genügend Platz lassen, um nicht in Bottas' verwirbelte Luft zu kommen.

Durch die Maximalzeit zwischen den beiden Safety-Car-Linien wusste Hamilton sicherlich, dass seine sehr langsame Ausfahrt auf der Boxengasse wichtig für den Abstand war, da er sich auf der normalen Strecke nicht zu weit zurückfallen lassen konnte.

Eine Analyse der Outlaps im Qualifying zeigt aber auch, dass sein letzter Q3-Versuch nicht negativ heraussticht - weder zu seinen früheren Runs, noch zu Teamkollege Bottas. Zeiten auf Medium-Reifen lassen sich dabei schlecht vergleichen, weil diese eine schnellere Outlap benötigen.

In den Daten kann man sehen, dass Hamiltons letzter Q3-Versuch fünf Sekunden schneller war als beim zweiten Versuch in Q1 - und nur marginal langsamer als der von Teamkollege Bottas vor ihm, der ebenfalls Abstand zum vor ihm fahrenden Esteban Ocon halten wollte. Auch da belegt ein Blick auf die Streckenkarte, dass Bottas nicht überzogen viel Abstand zum Franzosen hielt.

Verstappen hätte überholen können

Zu guter Letzt darf man auch nicht vergessen, dass Verstappen Hamilton im Mittelteil einfach hätte überholen können, wenn er mit dessen Geschwindigkeit nicht einverstanden gewesen wäre. Die Regeln verbieten das nicht, auch wenn es ein Gentleman's Agreement untereinander gibt, sich in den letzten Kurven vor einer fliegenden Runde nicht zu überholen.


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Natürlich wird nach Silverstone jedes Aufeinandertreffen zwischen Hamilton und Verstappen nun stärker beleuchtet. Aber beide Teams haben betont, dass diesmal nichts Ruchloses vor sich ging.

Trotzdem hatte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff noch einmal das letzte Wort, als er gefragt wurde, ob die ruhige Reaktion der Konkurrenz ein Zeichen ist, dass die Spannungen zwischen beiden Teams abflaut: "Ich denke sie wissen, dass es in einem weiteren PR-Fiasko geendet hätte, wenn sie daraus wieder eine große Sache gemacht hätten."

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