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Ungarische Justizministerin kritisiert Lewis Hamilton und Sebastian Vettel

Lewis Hamilton wurde von den Village People und deren Kulthit zur Poleposition in Ungarn getragen, sagt er zumindest - und meint das wohl auf eine bestimmte Weise

(Motorsport-Total.com) - Lewis Hamilton hat nach der Eroberung der Poleposition für den Grand Prix von Ungarn (Rennen ab 14:40 Uhr im Formel-1-Liveticker) subtile Kritik an einem umstrittenen Gesetz der Regierung des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban geübt, das er schon zuvor in einer seiner jüngsten Instagram-Storys thematisiert hatte.

Lewis Hamilton (Mercedes) jubelt nach dem Qualifying zum Grand Prix von Ungarn 2021 über die Poleposition auf dem Hungaroring in der Nähe von Budapest

Lewis Hamilton setzt sich für die Rechte von nicht heterosexuellen Menschen ein Zoom

"Ich weiß nicht warum, aber ich hatte die ganze Session hindurch den Song 'YMCA' im Kopf", grinst der Mercedes-Fahrer. "Ich hatte mir den Song eigentlich nie groß angehört, aber das motiviert mich heute ganz besonders. Ich schätze, das gilt für das ganze Wochenende. Ein toller Song!"

Der Hit von den Village People aus dem Jahr 1978 gilt besonders innerhalb der LGBTIQ-Community als Kultklassiker. Kein Zufall also, dass Hamilton ausgerechnet "YMCA" genannt hat. Zuvor hatte schon Sebastian Vettel mit einem Helm und Schuhen im Regenbogendesign seine Unterstützung für nicht heterosexuelle Menschen zum Ausdruck gebracht.

In Ungarn ist das Engagement der beiden Formel-1-Champions übrigens ein schlagzeilenträchtiges Thema. Vor allem, seit sich Orbans Justizministerin Judit Varga auf Facebook zu den Aktionen von Hamilton und Vettel geäußert und unter anderem erklärt hat, sie "bedaure", dass sich die beiden "den internationalen Fake-News-Produzenten" angeschlossen hätten.


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In Ungarn soll demnächst über ein Gesetz abgestimmt werden, das von Orbans Regierung als Kinderschutzgesetz propagiert wird (weil an unter 18-Jährige gerichtet) und seit Juli in Kraft ist. Angeblich zum Schutz von Kindern gedacht, geht es bei dem Gesetz unter anderem darum, dass eine nicht heterosexuelle Lebensweise zum Beispiel in Medien nicht als normal dargestellt werden darf.

Vettel hatte es zuvor als "peinlich" bezeichnet, dass ein Mitgliedsland der Europäischen Union im 21. Jahrhundert noch solche Gesetze verabschiedet. Möglicherweise mag auch das vom ungarischen Publikum nicht goutiert worden sein. Hamilton war von den Fans am Hungaroring am Samstag bekanntlich gnadenlos ausgebuht worden.

Übrigens: Als Hamilton in einem seiner ersten TV-Interviews darauf angesprochen wurde, dass er gerade seine erste Poleposition seit Barcelona am 8. Mai geholt hat, wirkte er zunächst verwirrt: "Hatte ich nicht in Silverstone Pole?" Nur um sich darüber aufklären zu lassen, dass er dort zwar das Freitagsqualifying gewonnen hat, das aber nicht als Pole für die Statistik gezählt wurde.

Der große Abstand zu Red Bull, räumt er ein, der habe ihn "definitiv" überrascht. 0,421 Sekunden Vorsprung hatte er auf seinen WM-Rivalen Max Verstappen auf P3. "Damit hätte ich nicht gerechnet. In der ersten Runde war es sogar eine halbe Sekunde. Wir sind mit dem Auto genau im Fenster, und ich denke, fürs Rennen stehen wir sogar noch besser da", glaubt der siebenmalige Weltmeister.

Dass Red Bull auf Soft statt Medium startet, "kann ich mir nicht erklären", wundert sich Hamilton und ergänzt: "Ich bin einen Longrun auf dem Soft gefahren, aber wenn es am Sonntag heiß wird, wird das hart. Dafür haben sie am Start einen Vorteil. Der Weg zur ersten Kurve ist lang, da bringt das mindestens fünf Meter. Hoffentlich kann ich die Position halten."

Was die Strategie betrifft, "kann ich mir nicht vorstellen, dass man mit einem Stopp durchfahren kann", befürchtet Hamilton: "Ich glaube, dass letztendlich alle Reifen recht ähnlich sind, was die Länge der Stints und den Abbau betrifft. Vor allem der Medium und der Soft. Ich schätze, ein und zwei Stopps sind möglich. Aber ich habe mich damit noch nicht beschäftigt."