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"Ein Haufen Scheiße": Mika Salos Erinnerung an Toyotas Formel-1-Projekt

In acht Formel-1-Jahren gelang Toyota trotz hoher Investitionen kein einziger Sieg - Mika Salo erklärt, warum das Projekt bereits auf dem völlig falschen Fuß begann

(Motorsport-Total.com) - Als Toyota sich am Ende der Saison 2009 aus der Königsklasse zurückzog, da hatten die Japaner innerhalb eines Jahrzehnts zwar eine Menge Geld in ihr Formel-1-Projekt gesteckt. Die großen Erfolge bleiben allerdings aus. Die Bilanz in acht Formel-1-Jahren: 13 Podestplätze, kein Sieg und ein vierter Platz als bestes Ergebnis in der Konstrukteurs-WM.

Mika Salo

Mika Salo lässt kein gutes Haar am Toyota TF101 Zoom

Bis heute ist es vielen Experten ein Rätsel, wie Toyota in seiner Zeit in der Formel 1 niemals ein Rennen gewinnen konnte. Am finanziellen Background mangelte es nicht. Und auch von einem überstürzten Projekt kann nicht die Rede sein. Denn bereits im Januar 1999 kündigte man den Formel-1-Einstieg an und verschob ihn später sogar von 2001 noch einmal auf 2002.

Stattdessen nutzte man das gesamte Jahr 2001 als "Testlauf" für die Saison 2002, für den man mit dem TF101 sogar ein eigenes Auto hatte. Mit dem fuhr man auf zahlreichen Formel-1-Strecken, um Daten für das kommende Jahr zu sammeln. Doch was von außen nach einem cleveren Ansatz aussieht, das war laut Pilot Mika Salo in Wirklichkeit das reinste Chaos.

Salo fuhr bereits seit 1994 in der Formel 1. Zunächst für die Hinterbänkler Lotus, Tyrrell und Arrows, später als Ersatzpilot bei BAR. Seine einzige Chance in einem Topauto bekam er Mitte der Saison 1999, als er bei Ferrari den verletzten Michael Schumacher für sechs Rennen ersetzen durfte und dabei die einzigen beiden Podestplätze seiner Karriere holte.

Salo: Viel Geld, aber nichts dahinter ...

Für die Saison 2000 kam Salo anschließend bei Sauber als Stammfahrer unter. "Ich blieb nur ein Jahr [bei Sauber]. Ich hatte einen Vertrag über zwei Jahre, blieb aber nur eins, weil ich nicht besonders gut mit Peter [Sauber] klarkam", verrät er im Podcast 'Beyond The Grid' und ergänzt: "Mitten in der Saison meldete sich Toyota." Da musste Salo nicht zweimal überlegen.

"Ich hatte von Ferrari gelernt, dass man bei den großen Jungs sein muss. Darum wählte ich Toyota", erklärt er. Salo witterte seine große Chance, doch schnell wurde ihm klar dass sich seine Hoffnungen nicht erfüllen würden. Denn abgesehen davon, dass es sich bei beiden um große Hersteller handelte, hörten die Gemeinsamkeiten von Ferrari und Toyota laut Salo auch schon auf.

Mika Salo

1999 stand Salo als Michael-Schumacher-Ersatz für Ferrari zweimal auf dem Podium Zoom

Immerhin stimmte das Budget. "Abgesehen davon gab es gar nichts", winkt Salo allerdings sofort ab und verrät: "Das hat mich etwas verwirrt. [Es gab im Team] viele Rallye-Mechaniker, eine Menge Sportwagen-Ingenieure, aber keine echte Formel-1-Erfahrung. Ich war quasi der einzige dort aus der Formel 1. Deswegen war dieses Testjahr etwas chaotisch."

Dazu kam, dass der TF101 nicht gerade ein Auto war, mit dem Toyota um Spitzenergebnisse mitgefahren wäre. "Es war ein Haufen Scheiße", findet Salo klare Worte und erklärt: "Es war wirklich schlecht. Es war unglaublich schwer und schwer zu fahren. Keine Ahnung, es hatte vermutlich 100 Kilo Übergewicht, es war wie ein Bus." Und das besserte sich laut Salo auch nicht.

Über mehrere Monate keine Fortschritte

Auf die Frage, ob man bei Toyota gewusst habe, was man für 2002 ändern müsse, antwortet er: "An diesem Punkt nicht wirklich, nein. Es war von Anfang an klar, dass das Testauto nicht wirklich gut war." Es sei lediglich darum gegangen, Daten zu sammeln. "Das Problem war außerdem, dass ich mich zu Beginn der Tests wirklich schwer verletzte", ergänzt Salo.

"Wir hatten einen großen Unfall in Paul Ricard, wo ich mir den Rücken dreifach brach. Deswegen war ich fast drei oder vier Monate raus. Es war das erste Mal, dass wir das Auto fuhren, und an der Aufhängung brach etwas. Ich krachte in die Mauer und war für eine lange Zeit außer Gefecht. Während dieser Zeit passiert quasi gar nichts", erinnert er sich.

Mika Salo, Tsutomu Tomita

Zusammen mit Alan McNish (rechts) fuhr Salo 2002 die erste Saison für Toyota Zoom

"Alan McNish fuhr ebenfalls, aber er hatte auch keine Formel-1-Erfahrung", erklärt Salo. Der Schotte, der 2002 an der Seite von Salo sein Debüt in der Königsklasse feiern sollte, hatte sich zuvor vor allem bei Sportwagenrennen einen Namen gemacht und unter anderem im Jahr 1998 die 24 Stunden von Le Mans gewonnen. Formel-1-Erfahrung brachte er nicht mit.

"Ich war ein bisschen sauer, als ich vier Monate [nach dem Unfall] zurückkehrte, und sah, dass sich nichts getan hatte", verrät Salo. Erst mit dem TF102, dem Auto für die Debütsaison 2002, änderte sich die Situation. Toyota hatte für viel Geld Designer Gustav Brunner verpflichtet, der Andre de Cortanz ablöste und für das Einsatzauto 2002 verantwortlich war.

2002 das eigentliche Testjahr für Salo

Der TF102 war laut Salo anschließend auch "gar nicht so schlecht". Er erinnert sich: "Und wir hatten einen leistungsstarken Motor. Daher war es viel besser. Damit waren wir viel zufriedener. Und die Saison sah zu Beginn auch ziemlich gut aus." Beim Saisonauftakt in Australien schied McNish zwar aus und Salo kam mit zwei Runden Rückstand ins Ziel.

Weil damals in Melbourne allerdings insgesamt nur acht der 22 Autos ins Ziel kamen, wurde Salo Sechster und staubt so gleich beim Toyota-Debüt einen Punkt ab. "Es war nicht so schlecht. Aber dann lief die Entwicklung nicht wie geplant", berichtet Salo und erklärt: "Jedes Mal, wenn wir etwas fanden, dauerte es zu lange, es herzustellen."

Mika Salo

Überraschung: Im neuen TF102 fuhr Salo gleich im ersten Rennen in die Punkte Zoom

"In der Formel 1 muss man innerhalb von fünf Minuten reagieren können. [...] Aber so lief es nicht", erinnert sich Salo. Er punktete in der gesamten Saison nur noch ein weiteres Mal, als er in Brasilien (mit einer Runde Rückstand) erneut Sechster wurde. Es sollten die einzigen beiden Punkte für Toyota bleiben. Die Saison beendete man auf dem zehnten und vorletzten WM-Rang.

Trotzdem erklärt Salo, dass die Saison für ihn gar nicht so frustrierend gewesen sei, wie es sich anhört. "Das war es eigentlich gar nicht, denn ich bereitete mich auf das nächste Jahr vor", stellt er klar und erklärt: "Ich hatte eine Option [für 2003]. Und ich war sicher, dass ich weitermachen würde." Die Saison 2002 habe er nach dem verkorksten 2001 als eigentliches Testjahr gesehen.

Von Toyota vor die Tür gesetzt

"Am Ende des Jahres sagte man mir dann, dass ich im nächsten Jahr nicht mehr fahren würde. Das war nicht so schön", so Salo, der wie auch McNish nach nur einem Jahr ersetzt wurde. 2003 fuhren die Japaner mit Olivier Panis und Cristiano da Matta. "Das ist ganz normal. Das Team gibt immer zuerst dem Fahrer die Schuld", zuckt Salo die Schultern.

"Wenn das Auto beschissen ist, dann wollen sie die Fahrer austauschen", so der Finne, dessen Zeit in der Formel 1 damit endete. Nach 2002 sollte er nie wieder einen Grand Prix fahren. Besonders ärgerlich war sein Aus für Salo, weil er so die Früchte seiner Arbeit nicht mehr ernten konnte. Zwar war die Saison 2003 kein Durchbruch für Toyota.

Cristiano da Matta

Zur Saison 2003 wurden Salo und McNish ersetzt, den TF103 fuhren sie nicht mehr Zoom

Doch immerhin holte man 16 Punkte und verbesserte sich in der WM von Rang zehn auf Platz acht. "[Das neue Auto] war besser, weil ich es entwickelt hatte", ist sich Salo sicher. Zudem habe er auch hinter den Kulissen einige Dinge vorangetrieben. "Ich holte eine Menge Leute dazu, mit denen ich arbeiten wollte", berichtet Salo von seiner Zeit bei Toyota.

"Ich kannte eine Menge Leute [in der Formel 1], und es war schön, diese Leute dazu zu holen und mit ihnen zu arbeiten. Und dann wurde ich plötzlich entlassen. Es war schlechtes Timing", ärgert er sich. "Es war nicht schön, weil wir uns alle auf das Jahr 2003 vorbereitet hatten", so Salo. Die großen Erfolge sollten bekanntlich auch nach seiner Zeit ausbleiben.

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