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Ecclestone spielt Prozess herunter: "Nie Sorgen gemacht"

Der Formel-1-Zampano hat "vor gar nichts Angst", möglicherweise aber bald wieder einen Gerichtstermin mit Constantin Medien - Lob für Rechtssysteme

(Motorsport-Total.com) - Bernie Ecclestone ist in seinem Münchener Bestechungsprozess aus dem Schneider, juristischer Probleme aber lange nicht ledig. Dem Zampano droht weiter ein zivilrechtliches Verfahren, das die BayernLB anstrengt - und auch Constantin Medien will wegen des Verkaufs von Formel-1-Anteilen im Jahr 2006 erneut gegen den 83-Jährigen vorgehen, nachdem das deutsche Unternehmen vor einem Londoner Gericht in erster Instanz nicht erfolgreich war. Immerhin: Es geht nur noch um Geld, nicht um Freiheit.

Bernie Ecclestone

Bernie Ecclestone ist wieder uneingeschränkt der starke Mann der Formel 1 Zoom

Der Entschlossenheit tut das jedoch keinen Abbruch: "Constantin wird in Großbritannien und in Deutschland jedes Rechtsmittel gegen die nutzen, die für den erlittenen Verlust verantwortlich sind", erklärt Anwalt Keith Oliver dem 'Guardian' über eine Entschädigung für eine Beteiligung am Verkaufserlös, die durch einen angeblich manipulierten Preis zu niedrig ausgefallen sein soll. Ecclestone lassen solche Ankündigungen kalt: "Ich weiß nicht, was für ein Problem sie haben. Keine Ahnung, wovon sie reden. Mich hat niemand kontaktiert."

Der Formel-1-Boss zeigt sich am Rennwochenende in Spa-Francorchamps erstmals nach dem Ende des Münchener Prozesses wieder im Paddock und scheint weiter der starke Mann im Zirkus zu sein, der er immer war. "Ich habe vor gar nichts Angst", erklärt er der 'BBC' und spielt die Causa Gerhard Gribkowsky herunter: "Es war für mich nie eine Belastung, weil ich wusste, dass ich unschuldig bin. Wegen einer Gefängnisstrafe habe ich mir nie Sorgen gemacht, weil ich wusste, dass es dazu nicht kommen würde. Das Rechtssystem ist fair."

Ecclestone "froh, dass es erledigt ist"

Dass er mit der Zahlung von rund 100 Millionen Euro für ein vorzeitiges Ende sorgte, hat offenbar dazu geführt, dass Ecclestone zum Fan des deutschen Rechtssystems geworden ist: "Ich weiß, dass viele behaupten, die Gefängnisse seien voll von Unschuldigen, aber ich bezweifele, dass das stimmt", lobt er und glaubt, eine Menge Zeit und Ärger gespart zu haben. Ecclestone rechnete nach eigener Aussage damit, dass sich das Verfahren unabhängig von seinem Ausgang durch alle Instanzen gezogen, weil die jeweilige Gegenseite Berufung eingelegt hätte.


Fotos: Großer Preis von Belgien


"Ich bin froh, dass es erledigt ist", atmet Ecclestone auf und will sich wieder voll und ganz der Königsklasse widmen: "Es hat sich niemals etwas verändert. Ich war einige Tage nicht im Büro - das war's." Den Eindruck, dass sich während der partiellen Abwesenheit des Machthabers Revolutionen abgespielt hätten, hat auch Monisha Kaltenborn nicht gewonnen. "Bernie war nie weg, es ging aus meiner Sicht immer normal weiter", sagt die Sauber-Teamchefin. Sie beurteilt die Einstellung des Verfahrens als juristisch korrekt und für den Sport hilfreich.

Rechtsstreitigkeiten würden nie helfen, ist sich Kaltenborn sicher: "Man schaue sich den America's Cup an, der dadurch regelrecht ruiniert wurde. Wir haben so viele Herausforderungen, dass es gut ist, dass der Halter der kommerziellen Rechte sich diesen Dingen nun widmen kann." Trotzdem könnten der Szene große Umbrüche bevorstehen, schließlich ist der derzeitige Mehrheitseigner CVC Capital Partners laut Ecclestone einer lange kolportieren Veräußerung seiner Anteile nicht abgeneigt: "Bietet jemand den richtigen Preis, dann verkaufen sie", blickt der Brite voraus.