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Drittes Auto: Teams und Ecclestone nicht rechtlich verpflichtet

Bislang hieß es, dass die Teams ein drittes Auto einsetzen müssen, wenn die Anzahl der Autos unter 16 fällt - In den Verträgen fehlt aber die Grundlage für dieses Szenario

(Motorsport-Total.com) - Es ist eines der großen Mysterien der aktuellen Formel 1: Unter welchen Umständen müssen die Teams ein drittes Auto einsetzen, damit die minimale Anzahl an Boliden gewährleistet werden kann? Eine Frage, die zuletzt durch die Insolvenz des Marussia-Teams wieder akut wurde, und auch die finanziellen Wirren bei Caterham haben ihren Teil dazu beigetragen. Das Team aus Leafield hat es zwar geschafft, beim Saisonfinale in Abu Dhabi unter der Leitung von Insolvenzverwalter Finbarr O'Connell an den Start zu gehen, die Zukunft ist aber alles andere als gesichert.

Bernie Ecclestone

Schreckgespenst drittes Auto: Bernie Ecclestone hat geschickt verhandelt Zoom

Dadurch würde die Anzahl der Boliden bei 18 liegen, wie dies 2014 bereits bei den Rennen in Austin und in Interlagos der Fall war. Doch auch ein Schrumpfen des Starterfeldes auf 16 oder 14 Autos kann in der kommenden Saison nicht ausgeschlossen werden, denn auch Teams wie Sauber, Force India oder Lotus kämpfen mit finanziellen Engpässen.

FIA: Anzahl der Autos "spielt keine Rolle"

Auf Anfrage von 'Motorsport-Total.com' meinte ein FIA-Sprecher, dass "aus Sicht des Reglements die anderen Teams nicht gebeten werden, ein Ersatzauto zu bringen, sollte irgendein Team nicht teilnehmen können". Die Anzahl der Autos, die an einem Grand Prix teilnehmen, "spielt demnach keine Rolle".

Das würde bedeuten, dass die Diskussion um ein drittes Auto hinfällig ist. Fakt ist aber auch, dass die dritten Autos ohnehin nicht im Reglement verankert sind, da es sich um eine Angelegenheit zwischen den Teams, dem Inhaber der kommerziellen Rechte sowie den Rennstrecken-Promotern handelt. Im Gegensatz zu früher gibt es dieser Tage kein allgemeines Concorde-Agreement mehr, das die Verbindlichkeiten zwischen den einzelnen Interessensgruppen klärt, sondern Einzelverträge zwischen den Teams und dem Inhaber der kommerziellen Rechte.

Demnach gelten theoretisch für jedes Team eigene Vertragsbedingungen, was ein Grund für die Debatte um eine ungleichmäßige Verteilung der Formel-1-Einnahmen ist. Auch in den Verträgen zwischen dem Inhaber der kommerziellen Rechte und den Rennstrecken-Promotern ist die Anzahl der Boliden übrigens ein Thema.

Drittes Auto: Keine vertragliche Verpflichtung

Im Vertrag zwischen der zur Formel-1-Gruppe zählenden Formula One Administration (FOA) und den Rennbetreibern des inzwischen nicht mehr stattfindenden Grand Prix von Valencia heißt es in Paragraph 17, dass FOA "sich in angemessener Art und Weise darum bemühen sollte, dass zumindest 16 Autos an der Veranstaltung teilnehmen können". Zudem wird auf Paragraph 10.4 des Concorde-Agreements hingewiesen, was daran liegt, dass der Valencia-Vertrag im Jahr 2007 abgeschlossen wurde, als die Verbindlichkeiten noch über ein allgemeines Concorde-Agreement geregelt wurden.

"Es könnten auch nur 14 Autos am Start stehen. Das würde passieren, wenn wir zwei weitere Teams verlieren." Bernie Ecclestone

Dort heißt es ebenfalls, dass sich die unterschiedlichen Parteien darum bemühen sollten, ein Starterfeld mit 16 Autos zu gewährleisten. Zudem dürfe die FIA im Fall, dass die Anzahl unter diese Marke fällt, das Reglement entsprechend ändern, um das Feld mit Boliden einer anderen Serie aufzufüllen. Daraus dürfte auch Formel-1-Boss Bernie Ecclestones Idee der sogenannten "Super-GP2" entstanden sein: Es handelt sich dabei um GP2-Boliden, die auf das aktuelle Antriebsreglement umgerüstet werden könnten, um das Starterfeld aufzufüllen.

Ecclestones clevere Strategie

Offensichtlich ist aber, dass nirgends davon die Rede ist, dass der Einsatz eines dritten Autos bindend ist, wenn weniger als 16 Boliden am Start stehen. Das bestätigte kürzlich auch Formel-1-Boss Ecclestone gegenüber 'Sky Sports F1': "Es könnten auch nur 14 Autos am Start stehen. Das würde passieren, wenn wir zwei weitere Teams verlieren."

Und alleine durch die ständige Debatte, dass die sogenannten CCB-Teams (Constructors Championship Bonus) Red Bull, Ferrari und McLaren, also jene Rennställe, die zwischen 2008 und 2011 den größten Erfolg hatten, ein drittes Auto einsetzen könnten, kann niemand Ecclestone vorwerfen, dass er sich nicht um ein derartiges Szenario bemühen würde. Damit hätte er zumindest rechtlich alles getan, wozu er verpflichtet ist.

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