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Drink mit Eddie Irvine: Wie er Jaguar Millionen abgezockt hat

Der Charlie Harper der Formel 1: Wie Eddie Irvine Ford-CEO Jacques Nasser überlistet hat und welche Promi-Frauen bei ihm ein- und ausgegangen sind

(Motorsport-Total.com) - Als wir im vergangenen Winter beraten haben, welchen ehemaligen Formel-1-Fahrer wir für unsere neue Video-Interviewserie "Ein Drink mit ..." gewinnen wollen, kamen wir zuallererst auf den Namen Eddie Irvine. "Das ist der Charlie Harper der Ex-Formel-1-Fahrer", lachte ein Kollege. Und tatsächlich gelang es uns, den Vizeweltmeister von 1999 (als Teamkollege von Michael Schumacher bei Ferrari) davon zu überzeugen, mit uns zusammenzuarbeiten. Einzige Einschränkung: Weil er nicht raucht, konnte das Format nicht "Eine Zigarette mit Eddie Irvine" heißen (wie ursprünglich angedacht, inspiriert von den legendären Helmut-Schmidt-Interviews in der Wochenzeitung Die Zeit), sondern "Ein Drink mit Eddie Irvine".

Eddie Irvine

Ein Drink mit Eddie Irvine: Wie es sich mit den Millionen aus der Formel 1 so lebt Zoom

Charlie Harper, das ist jener von Charlie Sheen verkörperte Frauenheld aus der US-Sitcom "Two and a Half Men", der als mittelmäßiger Musiker mit Werbejingles jede Menge Geld verdient, in einem traumhaften Strandhaus in Malibu lebt, sich am liebsten schon am helllichten Tag ein paar Margaritas mixt und eine hübsche Frau nach der anderen vernascht. Wer unsere erste Episode von "Ein Drink mit Eddie Irvine" gesehen hat, der wird die Parallelen zumindest in Ansätzen erkennen.

"Sagen wir so: Ich bin auf meine Kosten gekommen", grinst Irvine beim Thema Frauen. Kein Wunder: Baywatch-Busenwunder Pamela Anderson hat er ebenso abgeschleppt wie Model Michelle Doherty und Rod Stewarts Ex-Frau Rachel Hunter. Dazu kommen angebliche Affären mit Kate Moss, Kylie Minogue und Mick Jaggers Ex Luciana Morad, die ihm von der Yellow Press angedichtet werden. "Der Motorsport war gut zu mir", sagt Irvine. "Ich kann mich nicht beschweren."

Bei den Ladys nie etwas anbrennen lassen

Eine seiner besten Storys geht zurück ins Jahr 2005, als wir ein Telefoninterview mit Irvine führten. Der fuhr damals schon keine Formel-1-Rennen mehr, hatte aber gerade in einem Kinofilm mitgespielt. "Ich habe die Hauptdarstellerin gevögelt, also war es okay", lautete sein Kommentar zu dem Projekt. Später schlug er keine Schauspielkarriere ein, sondern eine als Immobilienhai. In seiner Wahlheimat Miami hat er inzwischen über 20 Häuser entworfen, gebaut und teuer verkauft.

Den Grundstein für diese Karriere, für die ein hohes Einstiegsinvestment erforderlich war, legte er in seinen letzten drei Jahren in der Formel 1. In denen habe er achtstellig verdient, bestätigt Irvine; Medienberichten zufolge soll er bei Jaguar insgesamt (umgerechnet nach damaligen Wechselkurs) 35 Millionen Euro verdient haben. Und das noch dazu steuerschonend, denn: "Das Großartige am Beruf Formel-1-Fahrer ist, dass du nicht viel Steuern zahlst, weil du dein Geld in vielen verschiedenen Ländern verdienst."

Dabei wäre es um ein Haar nie zum Jaguar-Vertrag gekommen. Irvine hatte bis Ende 2000 bei Ferrari unterschrieben; die Scuderia, damals komplett um Michael Schumacher herum aufgebaut, wollte ihn aber frühzeitig loswerden, um Rubens Barrichello verpflichten zu können. Barrichellos Vertrag war längst unterschrieben, als Irvine-Manager Enrico Zanarini gerade selbstbewusst mit Formel-1-Neueinsteiger Jaguar (ab 2000 Nachfolger des Stewart-Teams) verhandelte.

Millionenvertrag: Jaguar in die Irre geführt

Nur: Ein Bekanntwerden der Nachricht, dass Irvine bei Ferrari ohnehin nicht mehr erwünscht ist, wäre für Zanarini verheerend gewesen. Also bat dieser Teamchef Jean Todt darum, zumindest noch ein paar Tage stillzuhalten, dafür werde man die Kündigung widerspruchslos akzeptieren - Zeit genug, um mit Jaguar einen Millionenvertrag auszuhandeln. Dort glaubte man nämlich, man laufe Gefahr, Irvine, der in Wahrheit gar keine anderen Möglichkeiten mehr hatte, nicht zu bekommen.

"Wir mussten geschickt manövrieren, das stimmt", lacht Irvine heute über sein damaliges Verhandlungsgeschick. "Wir waren nicht in der stärksten Position, aber als ich ins Meeting kam, meinte Enrico, er hätte sie so weit, einem Zweijahresvertrag zuzustimmen." Eigentlich Grund zum Aufatmen, aber Irvine pokerte noch höher: "Da habe ich gesagt, dass ich für zwei Jahre nicht unterschreibe, sondern nur für drei. Ich bekam mein drittes Jahr - und ich bekam sogar drei Millionen Dollar extra dafür!"

Was seine Position im Sommer 1999 gestärkt hat: "Ich war im Qualifying durchschnittlich nur um zwei Zehntelsekunden langsamer als Michael, und in der WM lag ich sogar vor ihm. Er hatte sich zwar das Bein gebrochen, aber auch bis dahin war ich punktemäßig sehr nahe an ihm dran. Es war ein gutes Jahr für mich. Jaguar benötigte einen Fahrer mit einem großen Namen - und da war ich zu dem Zeitpunkt der beste Kandidat, schätze ich. Also mussten sie mich bekommen."

Als Ex-Ferrari-Fahrer Millionen wert

Irvine war immerhin drauf und dran, erster Ferrari-Weltmeister seit Jody Scheckter 1979 zu werden, und war in Großbritannien gerade auf dem Weg zum Superstar - nach drei Jahren in Schumachers Schatten. "Wenn du einmal Ferrari-Fahrer warst, hast du wesentlich mehr Profil, du bist viel öfter in den Zeitungen", sagt er. "Finanziell war es ein großartiger Vertrag, und es hätte auch eine tolle Sache für Jaguar, mich und die Formel 1 werden können."

"Es hat nicht funktioniert, weil Ford die Formel 1 nicht verstanden hat. Das Problem war, dass sie nicht in die Infrastruktur des Teams investiert haben. Sie dachten, ein Auto grün anzumalen und Jaguar auf die Seitenkasten zu schreiben würde alles regeln. Wir hatten nicht einmal einen Windkanal. Lächerlich", erzählt Irvine. Dabei hatte Ford Jackie Stewart für dessen Team über 100 Millionen US-Dollar auf den Tisch gelegt: "Eine verrückte Summe für ein Team ohne Infrastruktur!"

In jenen Jahren machte der Ford-Konzern aber nicht nur Stewart zu einem reichen Mann, sondern auch Irvine. Überliefert ist eine Anekdote von einem Meeting des Ford-Konzernvorstands, bei dem sich William Clay Ford Jr. beim Blick auf die Liste der bestbezahlten Ford-Mitarbeiter sehr über die Nummer 1 gewundert haben soll: "Wer zur Hölle ist dieser Edmund Irvine?" Schließlich war das Formel-1-Team innerhalb des US-Konzerns nur ein verhältnismäßig kleines Rädchen.

Jacques Nasser: Für alles zu viel Geld ausgegeben

Jacques Nasser war damals Ford-CEO und einer der geistigen Väter des Jaguar-Formel-1-Projekts. Er musste den teuren Rennfahrer intern verteidigen. Ob die Geschichte wirklich wahr ist, wurde bis heute nie zuverlässig überliefert. "Ich glaube, sie stimmt", grinst Irvine - und packt eine passende Anekdote, die ihm bei den Vertragsverhandlungen mit Jaguar geholfen hat, obendrauf: "Ich finde es lustig, denn Jac Nasser besitzt zwei Häuser ganz in meiner Nähe in Miami."

"Irgendwann kam ein Immobilienmakler zu mir und erzählte mir, dass ein Haus in der Nachbarschaft um fünf Millionen Dollar verkauft wurde. Ich dachte mir nur: 'DAS Haus wurde für fünf Millionen verkauft? Wer ist verrückt genug, dafür fünf Millionen zu zahlen?' Ein gewisser Jac Nasser", lacht er. "Da dachte ich mir: 'Aha, ergibt Sinn!' War gut für mich, denn weil dieses Haus so teuer verkauft wurde, gingen auch die Preise für meine Immobilien in die Höhe..."

Irvine hat aber nicht immer erfolgreich gezockt, sondern musste nach seiner Formel-1-Karriere auch Lehrgeld bezahlen: "Ich habe einen großen Fehler gemacht, als ich einem Schwindler aufgesessen bin. Hat mich vier oder fünf Millionen Euro gekostet." Aber dank der Jaguar-Millionen hatte er "eine sehr gute Basis für die Geschäftskarriere. So war es mir möglich, ein paar Fehler zu machen und trotzdem noch genug Geld zu haben, ordentlich zu investieren."

Bisherige Folgen von "Ein Drink mit Eddie Irvine":
#1 Kritik an der Formel 1 / Mercedes sollte Rosberg loswerden
#2 Weniger Talent als Michael Schumacher
#3 Suzuka 1993: Ohrfeige von Ayrton Senna

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