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Drink mit Eddie Irvine: Formel 1 serviert "die gleiche Scheiße"

"Monza ist der Höhepunkt im Leben eines Ferrari-Fahrers", sagt Eddie Irvine und übt gleichzeitig scharfe Kritik an den Verantwortlichen der Formel 1

(Motorsport-Total.com) - Eddie Irvine ist nie um klare Worte verlegen, das wissen treue Seher unserer Video-Interviewserie "Ein Drink mit Eddie Irvine". In der 13. Ausgabe des Formats (verfügbar in unserem Videobereich sowie auf YouTube) ledert der Vizeweltmeister wieder einmal richtig los, und zwar über die in seinen Augen immer eintöniger werdenden Rennstrecken der Formel 1.

Eddie Irvine

Eddie Irvine: Als Ferrari-Fahrer in Monza zu sein, ist etwas "ganz Besonderes"... Zoom

Gerade Monza, eine der letzten verbliebenen Traditionsstrecken, erinnert Irvine an glorreiche alte Zeiten in der Königsklasse. Imola, Adelaide, Estoril, der alte Hockenheimring - allesamt Fan-Lieblinge, die überwiegend aus wirtschaftlichen Gründen aus dem Rennkalender gestrichen wurden. Für Irvine war das ein Kardinalfehler: "Sie beschweren sich darüber, dass keine Zuschauer mehr kommen. Mich wundert das nicht", sagt er.

Der neue Hockenheimring, der im Jahr 2002 mit einer verkürzten Streckenversion neu eröffnet wurde, sei etwa "peinlich", findet er. "Heute ist doch jede Strecke gleich. Hockenheim war einzigartig. Wenn die Autos im Wald verschwunden sind, konntest du sie hören, aber du wusstest nicht, was los ist. Und wenn sie ins Motodrom kamen, ging es 'Wrooom'! Das war ein einmaliges Erlebnis", trauert Irvine den alten Zeiten nach.

Und er kritisiert mit scharfen Worten: "Wir können den Leuten nicht die ganze Zeit die gleiche Scheiße servieren - aber genau das tut die Formel 1. Singapur war ein Riesenerfolg, weil es eine einmalige Erfahrung ist. Monaco ist das auch, Monza, Hockenheim war es. Es ist alles der gleiche Mist, jedes Wochenende, ohne jede Persönlichkeit. Und da wundern sie sich, dass die Leute nicht mehr einschalten!"

Monza, wo heute Nachmittag der Grand Prix von Italien stattfindet, sei die erfreuliche Ausnahme von der Regel. 1996, 1997, 1998 und 1999 trat Irvine dort als Ferrari-Fahrer an, stand aber stets im Schatten von Michael Schumacher. 1998 gelang ihm als Zweiter der Sprung auf das Podium; 2002, in seinem letzten Jahr in der Formel 1, noch einmal. "Es war eine bemerkenswerte Siegerehrung", erinnert er sich zurück.

Eddie Irvine, Michael Schumacher, Rubens Barrichello und Rory Byrne in Monza 2002

Monza 2002: Eddie Irvines letztes Podium in der Formel 1, schon auf Jaguar Zoom

"Das Publikum war völlig verrückt und rief meinen Namen. Michael hatte das Rennen gewonnen, vor Rubens im zweiten Ferrari. Ich war im Jaguar Dritter", so Irvine, der rein von der Streckencharakteristik her nie ein großer Monza-Fan war: "Auf den Strecken mit langen Geraden war ich sonst nie besonders gut. Ich war jemand, der am Kurveneingang attackiert hat. Da kamen mir Strecken wie Suzuka oder Monaco, wo es keine langen Geraden gab, mehr entgegen."

"Weil ich dort am Eingang viel Zeit gutmachen konnte. Und was ich am Ausgang verlor, war dort nicht so wichtig", erklärt er. "In Monza ist das anders. Also habe ich für mein letztes Rennen dort entschieden, meinen Fahrstil völlig umzukrempeln, früh zu bremsen, einzulenken und wirklich gut aus der Kurve rauszufahren. Ich wurde im Jaguar Dritter, also war es richtig. Im Nachhinein wünschte ich, ich hätte das schon früher probiert, für Monza und Hockenheim. Man lernt halt nie aus."


Eine Runde in Monza mit Eddie Irvine

Monza sei "der Höhepunkt im Leben eines Ferrari-Fahrers", findet Irvine. Für ihn ganz besonders: "Meine Wohnung war nicht weit entfernt, sodass ich mit dem Roller zum Rennen fahren konnte. Ich konnte im eigenen Bett schlafen, was immer schön ist, mich auf den Roller schwingen und durch die Zuschauer cruisen. Wenn sie dich erkennen, drehen sie durch! Monza ist ein ganz besonderer Event, wenn du ein Ferrari-Fahrer bist, und es ist ein ganz besonderer Event für die Formel 1."

Und obendrein ein gutes Pflaster für Playboys, schließlich ist Mailand weltweit als Metropole für hübsche Frauen bekannt. Irvine, nie um ein bisschen Spaß verlegen, nutzte sein Rockstar-Image als Ferrari-Fahrer natürlich, um die eine oder andere hübsche Italienerin abzuschleppen. "Ich hatte Glück", grinst er: "Es gab nur zwei Ferrari-Fahrer - und einer war verheiratet. Ich musste wettmachen, dass Michael nicht durfte!"