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  • 11.04.2002 · 19:19

  • von Fabian Hust

Donnerstagspressekonferenz

Barrichello, Fisichella, Montoya, Michael Schumacher und Trulli auf der Pressekonferenz am Donnerstag in Imola

(Motorsport-Total.com) - Rubens Barrichello (Ferrari), Giancarlo Fisichella (Jordan-Honda), Juan-Pablo Montoya (BMW-Williams), Michael Schumacher (Ferrari) und Jarno Trulli (Renault) auf der Pressekonferenz am Donnerstag in Imola

Pressekonferenz

Barrichello, Fisichella, Montoya, Michael Schumacher und Trulli

Frage: "Giancarlo, was denkst du bisher über den Start der Saison?"
Giancarlo Fisichella: "Er war nicht besonders gut. Im letzten Jahr hatte ich eine sehr schwierige Saison. Ich dachte, dass diese besser werden würde, besonders nachdem ich den EJ11 im Winter gefahren hatte war ich sehr zuversichtlich und habe mich in diesem Auto sehr wohl gefühlt. Auch im neuen Auto habe ich mich zuversichtlich gefühlt, aber leider haben wir nicht genügend PS und kämpfen ein wenig. Aber ich bin sehr zuversichtlich, denn Honda arbeitet sehr hart. Hier machen wir schon einen kleinen Schritt nach vorne und für die Zukunft denke ich, dass wir in drei oder vier Rennen einen noch größeren Schritt nach vorne machen werden."

Frage: "Liegt es nur an den PS oder auch an anderen Dingen wie dem Chassis und den Reifen?"
Fisichella: "Nun, was die Reifen angeht, so denke ich, dass im ersten Rennen in Australien Bridgestone besser als Michelin war. Vielleicht war Michelin in den letzten beiden Rennen ein wenig konkurrenzfähiger, aber es ist das Paket, der Motor und das Chassis, das nicht schlecht ist."

Frage: "Wie ist es, wieder bei Jordan, deinem alten Team, zu sein?"
Fisichella: "Schön! Die Atmosphäre ist sehr gut. Schon beim ersten Mal, als ich im Dezember zum Sitzanpassen kam, hatte ich das Gefühl, zu Hause zu sein und die Atmosphäre war ähnlich wie vor zwei Jahren. Wir arbeiten hart, wir müssen nur konkurrenzfähiger sein, aber wir sind zuversichtlich."

Frage: "Hat sich Eddie sehr verändert?"
Fisichella: "Eddie? Nein, er ist ganz der Alte!"

Frage: "Juan-Pablo, du warst in den letzten paar Rennen der Favorit, aber die Dinge liefen nicht so, wie du das erwartest hattest. Wirst du deine Herangehensweise verändern?"
Juan-Pablo Montoya: "Nein, nicht wirklich. Ich denke, dass wir ein wenig Pech haben. Solche Dinge passieren und man kann im Rennsport nicht wirklich erwarten, dass die Dinge so laufen, wie man sich das wünscht. Wir haben ein konkurrenzfähiges Auto, ich denke, dass das Team sehr gut gearbeitet hat. Wir haben in diesem Jahr einen neuen Ingenieur und wir haben das Auto bisher für jedes Rennen und Qualifying gut hinbekommen."

Frage: "Du hast dich nach dem Brasilien-Grand-Prix ziemlich aufgeregt. Hast du dir noch einmal alles durch den Kopf gehen lassen?"
Montoya: "Ich habe meine Ansicht und immer noch die selbe. Für die Rennstewards war es ein Rennunfall und nun werden wir sehen, was passieren wird. Ich werde nicht wirklich die Art und Weise ändern, wie ich ein Rennen angehen werde. Wir müssen Rennen fahren, dafür sind wir hier."

Frage: "Wie sehr bist du besorgt, dass es erneut passieren könnte?"
Montoya: "Überhaupt nicht, wenn es passiert, dann passiert es. Das ist Rennsport."

Frage: "Jarno, bist du überrascht, wie konkurrenzfähig Renault bisher in diesem Jahr ist?"
Jarno Trulli: "Nun, im Winter konnten wir viele Runden fahren und eine Menge über das Auto lernen und wir begriffen, dass das Auto gut ist. Aber so lange man nicht gegen die anderen fährt, weiß man nicht wirklich um das Potenzial, wie groß es ist. Ich war während den ersten drei Rennen definitiv überrascht, wie konkurrenzfähig wir im Qualifying und Rennen waren. Im Moment bin ich aus diesem Grund wirklich glücklich und zufrieden mit der Arbeit, die das Team über den Winter erledigt hat. Dank ihnen sind wir so gut und das ist super."

Frage: "Und du hattest selbst ein wenig Pech ? hast du manchmal das Gefühl, dass du dies umdrehen kannst?"
Trulli: "Ich komme in ein neues Team. Die ersten drei Rennen waren für mich nicht gut, weil ich nicht ins Ziel kam, aber ich denke, dass Jenson definitiv gezeigt hat, dass wir ein gutes Auto haben. Ich hoffe für den Rest der Saison, dass wir unser Auto verbessern können und schneller und schneller werden. Ich bin mir sicher, dass die Ergebnisse kommen werden. Es ist eine Frage der Zeit und ich bin zuversichtlich. Ich weiß, dass das Glück manchmal nicht auf meiner Seite war, aber ich bin auch zuversichtlich, dass es auch anders herum kommen kann. Ich bin mir sicher, dass ich sehr bald, hoffentlich in diesem Rennen, meinen ersten Punkt holen kann."

Frage: "Glaubst du, dass das Team um den dritten Platz, vielleicht sogar um den zweiten Platz kämpft?"
Trulli: "Im Moment ist das schwierig zu sagen. Zu Beginn der Saison hatten wir wirklich den Wunsch, Vierter der Konstrukteure zu werden aber wir haben in der Saison besser begonnen als erwartet und fordern McLaren heraus, was wirklich schön ist, besonders für die Motivation des Teams. Wir möchten so gut wie möglich vorankommen. Das Team arbeitet sehr gut, da sie das Auto für jedes Rennen weiterentwickeln und wir werden sehen, was passiert. Im Moment sehen wir, dass Ferrari und Williams sehr stark sind. Wir wissen sehr gut, dass McLaren sehr stark sein kann, da sie ein sehr gutes Team sind. Und direkt dahinter machen auch wir einen guten Job. Wenn wir das Auto so weiterentwickeln können wie im letzten Jahr, so können wir vielleicht McLaren herausfordern. Auch wenn es ein wenig schwierig werden wir, so bin ich mir sicher, dass wir es versuchen werden."

Frage: "Rubens, du hast jetzt für dieses Rennen einen F2002. Was denkst du darüber?"
Rubens Barrichello: "Sehr gut. Nach zwei weiteren Testtagen in Mugello hat sich das Auto genau so angefühlt wie in Barcelona vor drei Wochen oder einem Monat. Es ist besser als das alte Auto, aus diesem Auto fühle ich mich gut. Es ist wirklich schön, es hier zu haben."

Frage: "Und das Auto fühlt sich wirklich deutlich besser an?"
Barrichello: "Es fühlt sich besser an, um wie viel wissen wir noch nicht. Es fühlt sich einfach besser an."

Frage: "Du hattest einen unglücklichen Start in die Saison. Gehst du jetzt anders an die Sache heran oder bleibst du ruhig und fährst voll auf Angriff?"
Barrichello: "Ich denke, dass es wie Golf ist. Man spielt beim ersten Loch einen schlechten Ball, dann muss man denken, dass es beim zweiten besser wird. Wenn das Zweite auch schlecht ist, dann muss man denken, dass das Dritte besser wird. So denke ich. Das Vierte muss besser werden und aus diesem Grund bin ich positiv gestimmt und nicht zu besorgt über das Pech, das ich hatte. So etwas passiert. Ich habe null Punkte und ich muss nur nach vorne schauen, was ich hier erreichen kann. Da muss man nicht konservativ sein oder so. Ich bin hier, um Spaß zu haben."

Frage: "Es tauchte an diesem Wochenende eine Story auf, wonach du eine Gehaltskürzung hinnehmen musst, wenn du bei Ferrari bleiben möchtest. Was kannst du darüber sagen?"
Barrichello: "Ich habe es wirklich gerade erst von Ross [Brawn, Technischer Direktor; d. Red.] erfahren. Er sagte mir, dass dies in der britischen Presse stand. Das ist so ein Schwachsinn, dass es nicht einmal einen Kommentar wert ist, weil ich hier bin, um Rennen zu fahren und mich Ferrari behält, weil sie mich gerne im Auto sehen. Wenn sie mich nicht möchten, dann würden sie mir sagen, dass ich nach Hause gehen soll oder mir ein anderes Team suchen soll. Eine Gehaltskürzung, wegen was? Was habe ich denn falsch gemacht? Im ersten Rennen war ich in Führung, als ich Probleme hatte, das ist Fakt. Die Leute haben nichts Besseres zu tun, als Stories zu erfinden. Ich habe nie jemandem mein Gehalt verraten, die Leute wissen also gar nichts."

Frage: "Michael, im letzten Jahr hattest du ein verrücktes Rennen. Würdest du in diesem Jahr beispielsweise deine Reifenwahl überdenken?"
Michael Schumacher: "Um ehrlich zu sein denke ich nicht, dass wir wegen unserer Reifenwahl einen Nachteil hatten. Wir hatten gesehen, dass Rubens sehr konkurrenzfähig war. Wir hatten die Möglichkeit einer Einstoppstrategie, was wir mit Rubens auch durchgeführt haben. Wir hatten einfach nur Pech, kein gutes Qualifying zu haben, weswegen wir eine schlechte Ausgangsbasis für das Rennen hatten. Außerdem waren wir allgemein nicht stark genug. So einfach war das. Das lag nicht an den Reifen und auch nicht an etwas anderem Bestimmten. Und dann hatten wir noch ein mechanisches Problem, von dem wir hoffentlich gelernt haben und es aus der Welt geschafft haben."

Frage: "Schauen wir uns das letzte Rennen an, da war Ralf die ganze Zeit hinter dir und einige Leute haben sich gefragt, ob Ralf dich nicht ein wenig härter attackiert hätte, wenn er nicht dein Bruder wäre?"
Michael Schumacher: "Das Problem ist, dass die Leute außerhalb der Formel 1, die nicht wirklich in einem Formel-1-Auto sitzen, nicht wissen, warum es nicht möglich ist, einfach dicht aufzufahren und zu überholen. Wir haben über dies über Jahre hinweg diskutiert, dass man nur bis zu einem bestimmten Punkt auffahren kann und dann in die 'dirty air' kommt. Wenn man nicht deutlich schneller ist, dann kommt man nie in den Windschatten, man kommt nie dicht genug ran, um überholen zu können. Wenn ich in der gleichen Position gewesen wäre, dann wäre ich in der gleichen Situation wie er, das betrifft alle Fahrer. Ich habe Ralfs Sektorenzeiten gesehen und das Rennen analysiert. Er hat alles gegeben. Es war einfach nicht schnell genug, da wir ein gutes Auto haben, wir haben das ganze Wochenende über gut gearbeitet."

Frage: "Du hattest mit Juan-Pablo in den letzten beiden Rennen zwei Zwischenfälle. Machst du dir Sorgen, dass dies erneut passieren könnte?"
Michael Schumacher: "Wie ich schon gesagt habe. Wir wollen beide das Rennen beenden, was auch immer passiert wird uns meiner Meinung nach in den nächsten Rennen cleverer machen."

Frage: "Es gab in den Zeitungen Berichte, dass Juan-Pablo Montoya dich ersetzen könnte, wenn du bei Ferrari zurücktrittst. Ist er deiner Meinung nach der richtige Fahrer für Ferrari?"
Michael Schumacher: "Zunächst einmal habe ich nicht vor, zurückzutreten. Ich habe das schon sehr oft gesagt. Aber das Problem ist, dass wenn das eine Zeitung als Joke schreibt, es dann jeder abschreibt, weil es die interessanteste Geschichte zu sein scheint. Ich will nicht zurücktreten und deshalb gibt es keinen Grund, das weiter zu beleuchten. Ich denke, dass dies Jean Todt heute Morgen sehr deutlich beantwortet hat. Er ist natürlich sehr schnell, aber es gibt 22 andere Formel-1-Fahrer, die ebenfalls schnell sind. Mit Sicherheit gibt es jemanden, der schneller ist als die anderen und dieser macht einen sehr guten Job."

Frage: "Juan-Pablo, kannst du dir vorstellen, in der nächsten Saison oder später für Ferrari zu fahren?"
Montoya: "Vielleicht in der Zukunft, aber ich weiß nicht, ich bin hier im Moment glücklich. Man muss die Dinge Jahr für Jahr nehmen und soweit ich weiß haben wir mit niemandem gesprochen."

Frage: "Nach dem letzten Rennen hast du gesagt, dass Michaels Verhalten wenig gentlemenlike war. Bist du immer noch dieser Meinung und wie wird dich das an diesem Wochenende beeinflussen?"
Montoya: "Ich glaube nicht, dass dies meine Herangehensweise verändern wird. Er zog einmal auf der Geraden rüber und ich dachte, dass ich innen vorbei gehen könnte und ich war wohl zu dicht bei ihm. Er kam vor mir und berührte meine Nase und ich war damit aus dem Rennen. Aber die Stewards haben es als Rennunfall eingestuft und es ist gut zu wissen, dass man so was auch tun kann."

Frage: "Willst du das Gleiche an diesem Wochenende tun?"
Montoya: "Nein. Meiner Ansicht nach habe ich ihm in den ersten drei Kurven Raum gegeben und das war's. Wenn die FIA jetzt sagt, dass dies OK ist, dann heißt das nicht, dass ich es auch tun werde. Ich bin sehr glücklich über die Art und Weise, wie ich Rennen fahre. Ich glaube, dass man fair Rennen fahren muss. Wenn jemand ehrlich fährt, dann muss man selbst auch ehrlich fahren. Das heißt nicht, dass man jemanden vorbei lässt, aber an einem Punkt muss Schluss sein."

Frage: "Michael, glaubst du, dass du nicht gentlemenlike fährst?"
Michael Schumacher: "Ich sehe, worauf du hinaus willst, aber ich möchte da nicht mit rein gezogen werden. Ich sehe keine Notwendigkeit, darauf zu antworten."

Frage: "Hast du dir das Video angeschaut?"
Michael Schumacher: "Ja. Ich denke, dass wir sehr eng beieinander waren und er mich von hinten traf und er seine Nase verlor."

Frage: "Juan-Pablo, wir haben den Zwischenfall aus der Heckflügelsicht von Michaels Auto nur ganz kurz gesehen. Er schien als hätte er früh gebremst, bevor ihr euch berührtet. Kann es sein, dass du überrascht warst, weil er auf einem Stopp war, also schwerer war und aus diesem Grund früher bremste?"
Montoya: "Er bremste nicht. Soweit ich weiß, waren wir noch rund 150 Meter von der Kurve entfernt, er bremste also nicht. Ich zog in seinen Windschatten und als ich rüberzog, folgte er mir. Er hätte schauen sollen, bevor er rüberzieht, so wie ich die Regeln verstehe. Man kann so viel reden und spekulieren, wie man möchte. Das ändert nichts und es ist im letzten Rennen passiert, an diesem Rennen wird das nichts ändern."