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Die Evolution der Boxenstopps

Boxenstopps werden immer schneller, gerade weil es die entscheidenden Unterschiede bringen kann - Doch manche Teams machen bei der Hatz nicht mit

(Motorsport-Total.com) - Das Nachtankverbot nach der Saison 2009 hat die Formel 1 in vieler Hinsicht verändert. Nicht nur auf der Strecke, sondern auch beim Boxenstopp wird an jeder Zehntelsekunde gefeilt. Für die Mechaniker bedeutet dies nun eine größere Rolle und einen größeren Druck als vorher. Zu Zeiten der Tankstopps konnten sich die Schrauber ein wenig mehr Zeit beim Reifenwechsel lassen, schließlich war die einfließende Benzinmenge maßgeblich für die Dauer des Pitstopps verantwortlich. Doch jetzt hängt die Länge des Boxenaufenthaltes allein davon ab, wie schnell die Mechaniker frische Pneus aufziehen können.

Felipe Massa

Keine drei Sekunden nach dem Halt sollte ein Fahrer wieder losfahren Zoom

Doch auch in der Zeit seit dem Nachtankverbot haben sich die Boxenstopps enorm weiterentwickelt. "Sie werden schneller und schneller", erzählt McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh. "Wir dachten, dass vier Sekunden beeindruckend wären. Im Moment liegt unser schnellster Stopp soweit ich weiß bei 2,32 Sekunden." Damit hielt sein Team lange Zeit den Rekord, bevor Red Bull die Bestmarke in Malaysia laut eigenen Angaben gleich fünfmal pulverisierte.

2,05 Sekunden soll der schnellste Stopp bei Mark Webber nur gedauert haben. Doch Whitmarsh glaubt, dass da noch mehr drin ist: "Ich denke es ist möglich, unter die Zwei-Sekunden-Marke zu gelangen." Ob das allerdings für seine Truppe ein erstrebenswertes Ziel ist, bezweifelt der Brite. "Es ist zu gefährlich, zu viel Fokus darauf zu legen. Die Stopps sind nun kurz genug, dass das übrig gebliebene Zehntel zwischen den Stopps nicht maßgeblich ist."

McLaren: Lieber langsam aber sicher

"Was aber maßgeblich ist, ist der Druck, unter den wir die Leute setzen, um einen zweisekündigen Stopp zu schaffen", erklärt Whitmarsh weiter. "Dann geht hier und da was schief, und so sind am Ende die Stopps entscheidend, die schiefgehen, weil wir die Leute unter Druck gesetzt haben. Die entscheiden häufig über den Ausgang - und nicht die 2,3er, 2,4er oder 2,6er." Darum habe der Teamchef seinen Mechanikern auch mitgeteilt, dass sie es ruhig etwas langsamer angehen können. "Wenn sie sicherstellen, dass alles todsicher funktioniert", hakt er ein. "Das ist vermutlich das Richtige."


Fotos: Großer Preis von Bahrain, Sonntag


In Dimensionen wie bei Red Bull will man auch bei Sauber nicht denken. "Wir sind noch nicht in diesen Regionen", weiß Teamchefin Monisha Kaltenborn. "Über die Jahre konnte man sehen, dass die Boxenstopps immer schneller werden, unser Ziel ist nun, bei rund oder unter drei Sekunden zu liegen." In dem engen Formel-1-Feld ist der Österreicherin aber auch klar, dass ein langsamerer Boxenstopp viele Positionen kosten kann. "Daher kommt auch der Druck", weiß die Halbinderin.

Ferrari: Performance ist alles

Viel gewinnen könne man so bei einem guten Boxenstopp nicht mehr - aber eben unglaublich viel verlieren. Das sieht auch Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali ähnlich, allerdings will sein Team keine Zeit durch langsame Boxenstopps verlieren: "Performance des Teams ist Performance der Position auf der Strecke", sagt der Italiener. "Es ist daher natürlich, dass man Systeme entwickelt, um die Reaktionszeit der Jungs zu verringern, um so schnell wie möglich zu sein." Ferrari will also in die Zeitenhatz einsteigen - oder ist längst eingestiegen.

Jenson Button

Die McLaren-Crew ist angehalten, lieber etwas auf Sicherheit zu agieren Zoom

Für ihn mache dies auch die Attraktivität der Formel 1 aus. "Wir kommen an das Limit, wo noch kürzere Boxenstopps fast unmöglich sind", so Domenicali. "Der Fahrer muss ankommen, und zumindest Kupplung und Gänge betätigen um wieder loszufahren. Das passiert alles physisch. Die Formel 1 zeigt wie immer, dass es überall Raum zur Verbesserung gibt - und dies ist die Herausforderung."

Domenicali erinnert sich auch an die Zeit mit Nachtanken zurück. "Es waren andere Stopps, aber es gab eben auch andere Möglichkeiten Fehler zu machen." Besonders leidvoll durfte Ferrari dies in Singapur 2008 erfahren, als Felipe Massa mit dem Tankschlauch am Auto losfuhr - ähnlich wie zwei Jahre zuvor Christijan Albers (Spyker) beim Großen Preis von Frankreich. Doch solche Fehler gehören eben nun einmal auch zur Königsklasse, sagt der Italiener. "Es ist Teil der Natur der Formel 1."

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