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  • 04.07.2002 · 13:56

Dennis: Erfolg nur eine Frage der Zeit

Hinter den Kulissen kracht es schon mal, doch die "Ehe" McLaren-Mercedes ist langfristig, der Teamchef verrät die Zukunftsstrategie

(Motorsport-Total.com/sid) - König Artus und die Tafelrunde hatten ihr Camelot, McLaren und Mercedes wollen von Paragon über die Formel 1 direkt zum Mars durchstarten. Garant für die Rückkehr zum Erfolg soll das neue McLaren-Hauptquartier im Londoner Vorort Woking sein. In der mehr als 500 Millionen Euro teuren Firmenzentrale mit dem mystischen Namen sollen laut McLaren-Boss Ron Dennis schon in naher Zukunft wieder Weltmeisterautos, ein spektakulärer Straßen-Sportwagen und sogar Teile für ein Mars-Mobil entstehen.

Dennis und Haug

Auch in Zukunft ein Team: Dennis und Haug bzw. McLaren und Mercedes

"Es ist nicht so, dass wir momentan kaum Formel-1-Rennen gewinnen, weil ich mich zu viel um das Paragon-Projekt kümmere", erzählt Dennis dem 'Sport-Informations-Dienst' bei einer Führung durch die gigantische Baustelle: "Aber wir müssen für die Zukunft gerüstet sein." Und die sieht der McLaren-Chef trotz einiger interner Probleme zu Beginn dieser Saison in der Partnerschaft mit Mercedes: "Wir haben eine wohlbegründete Ehe, und keine gute Ehe funktioniert ohne Streit."

In den ersten Rennen des Jahres hinkte die silberne "Ü-Klasse" nicht nur meilenweit den schier übermächtigen Ferrari hinterher, auch BMW-Williams zog vorbei. Dennis schob die Schuld intern auf einen angeblich zu schwachen Mercedes-Motor, für die Schwaben lag das Problem eher am Chassis von McLaren.

"Die letzten Resultate haben gezeigt, dass unser Motor so schlecht nicht sein kann", meint Mercedes-Sportchef Norbert Haug. In Monte Carlo feierte David Coulthard den ersten Saisonsieg, auch in Montreal (2.) und auf dem Nürburgring (3.) war der Schotte zweite Kraft hinter Ferrari. Vor dem Großen Preis von England am Sonntag in Silverstone, dem 10. von 17 WM-Läufen, ist McLaren-Mercedes in der Konstrukteurswertung mit 20 Punkten Rückstand auf BMW-Williams (37:57) Dritter. Ferrari (102) fährt in einer eigenen Liga.

Dorthin wollen die Silberpfeile zurückkehren. "Wir wollen wieder zur Nummer eins werden", sagt Haug. Den Stuttgartern gehören 40 Prozent von McLaren. "Unsere Zusammenarbeit ist nicht nur in der Formel 1 langfristig angelegt", meint der Schwabe mit Blick auf "Paragon", wo künftig auch der Supersportwagen Mercedes SLR entsteht.

"Man muss wachsen. Nur mit Formel 1 wird man in Zukunft nicht überleben können", glaubt Dennis. Neben dem Rennteam gehören ein Catering-Unternehmen oder "McLaren-Composites" zum Konzern. Letztgenannte Firma rüstet eine russisch-britische Raumfahrtmission mit Formel-1-erprobten Materialien für das Mars-Mobil "Beagle 2" aus, das im Juni 2003 an Bord einer Rakete ins All starten soll. Mit seinem futuristischen Hauptquartier sieht sich Dennis als Visionär. "Wir haben die neuesten Erkenntnisse verarbeitet, zum Beispiel in Sachen Licht und Farbe. Wir möchten erreichen, dass unsere Mitarbeiter gar nicht mehr nach Hause wollen", erzählt der
Brite.

Pro Stunde wird die Luft 40 Mal umgewälzt und viermal komplett ausgetauscht. Eine spezielle Kaffeebar, Fitnessraum, Swimming-Pool, ein Wasserfall vor der Fassade und 110.000 auf dem Grundstück gepflanzte Bäume sollen die Kreativität der 150 Formel-1-Ingenieure fördern. "Das Ganze ist kein Ego-Projekt, wir haben auch nicht zu viel Geld. Wir wollen schlichtweg die besten Arbeitsbedingungen auf der Welt schaffen, denn wir wollen die besten Mitarbeiter der Welt", so Dennis.

Weltweit einmalig ist in jedem Fall der mit 400 Tonnen Stahl erbaute und mit Wasser aus einem künstlichen See gekühlte Windkanal, in dem Tests mit bis zu 250 Stundenkilometern möglich sind. Dennis: "Er war als erster Teil von Paragon fertig, wir arbeiten bis zu 12 Stunden pro Tag an der Aerodynamik unserer Formel-1-Autos. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis wir die erwarteten Erfolge haben werden."