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  • 02.03.2016 · 21:18

  • von Dieter Rencken & Daniel Halder

Defekte und kaum Kilometer: Frustrierende Testwoche für Haas

Formel-1-Neuling Haas erkennt die Abhängigkeit von Partner Ferrari: "Alles dauert lange und wird gründlich untersucht"

(Motorsport-Total.com) - Das neue Formel-1-Team Haas erlebte bei den Testfahrten in Barcelona einen schwarzen Mittwoch. Nach gerade einmal einer Runde war für Esteban Gutierrez schon wieder Schluss - für den Rest des Tages stand bei der US-amerikanischen Mannschaft alles still. Bereits am Dienstag war die Truppe von Teambesitzer Gene Haas wegen eines Defekts an der Benzinzufuhr gerade einmal 23 Runden zum Fahren gekommen.

Esteban Gutierrez

Ein seltenes Bild in Barcelona: Haas-Pilot Esteban Gutierrez auf der Strecke Zoom

Am Mittwoch sorgten dann Probleme am Turbolader dafür, dass Gutierrez nach der Installationsrunde seine Zelte wieder abbrechen musste. Teamboss Haas erklärt: "Wir haben am Turbolader eine zu hohe Drehzahl festgestellt - mehr als die erlaubten 125.000 Umdrehungen pro Minute. Dann kann es passieren, dass die Laderschaufeln innen am Gehäuse zu schaben beginnen. Im Sinne der Sicherheit mussten wir also aufhören."

Neu ist für den im US-Racing überaus erfahrenen Haas dabei die Abhängigkeit von Partner Ferrari, der die Antriebseinheit liefert und für die Komponenten zuständig ist. "Ferrari ist bei so etwas überaus vorsichtig. Wenn sie an der Telemetrie irgendein Problem feststellen, dann wird es gründlich untersucht. Sonst könnten größere Folgeschäden am Auto entstehen." Der Turbolader konnte also nicht einfach getauscht werden - sondern wurde ins Werk zurückgeschickt und wird dort nun untersucht.

Noch ohne Erfahrung in der Zusammenarbeit mit Ferrari

Die Zusammenarbeit mit den Ingenieuren von der Scuderia bräuchte gewisse Erfahrungswerte, die es nun zu sammeln gilt. "In technischen Dingen hängen wir viel von ihnen ab", weiß Haas. "Es ist unser Auto - aber wir funktionieren nur als Einheit. Wenn ein Problem wie jetzt beim Turbo auftritt, kann ich ja nicht mit dem Finger auf Ferrari zeigen und ihnen die Schuld geben. Wir sind dabei, eine Basis zu finden und ein Team zu werden."


Test in Barcelona

Der fehlenden Testzeit versucht der Teambesitzer nun Positives abzugewinnen: "Das sind Dinge, die die etablierten Teams alle schon kennen. Wir müssen diese Erfahrungen nun machen und so schnell wie möglich daraus lernen: Probleme am Antrieb erkennen, Lösungen suchen, den Wagen zerlegen und wieder zusammenbauen - und einfach als Team zusammenarbeiten."

Noch immer staunt Haas über die Komplexität der Formel 1 und gibt zu, dass er es möglicherweise etwas unterschätzt habe, wie viel es brauche, um die Autos in Betrieb zu nehmen. "Nehmen wir als Beispiel die Bremsen: Sind sie nicht richtig aufgewärmt, dann funktioniert die Bremsleistung nicht richtig. War die Aufwärmphase falsch, dann überhitzen sie und all das hat gravierende Konsequenzen."

Bekommt Gutierrez noch zusätzliche Testkilometer?

Weil Esteban Gutierrez nach den Problemen am Dienstag und Mittwoch kaum zum Fahren kam, könnte es sein, dass der Mexikaner am Freitag noch mal ans Steuer darf. "Wenn wir am Donnerstag mit Romain (Grosjean; Anm. d. Red.) einen guten Tag haben, könnte es sein, dass wir noch etwas versuchen", so Steiner. Planmäßig sollte der Franzose die beiden letzten Testtage der Woche absolvieren.

Noch ist aber nicht einmal klar, ob und wann der Haas-Renner nach den Problemen mit dem Turbolader am Donnerstag wieder ins Testgeschehen eingreifen kann. "Das ist jetzt kein Wochenplan mehr, sondern wird von Stunde zu Stunde entschieden", sagt Teamchef Steiner. Klar sei, dass auf jeden Fall noch eine Rennsimulation und Boxenstopps geübt werden sollen.

Haas und Steiner sind sich einig, dass die Ziele trotz der Probleme für den Auftakt in Melbourne nicht geändert werden sollen. "Wir werden dort hinfahren und unser Bestes geben." Oberstes Ziel müsse sein, bei den Rennen zuverlässig zu sein und als Team das technische Verständnis zu entwickeln, um auftretende Probleme zu verstehen und auszusortieren.