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Coulthard fordert: McLaren soll sich auf Formel 1 konzentrieren

David Coulthard sieht in dem Spagat zwischen Sportwagenbau und Formel 1 eine Hauptursache für die sportliche Krise des McLaren-Rennstalls

(Motorsport-Total.com) - Seit zwei Jahren fährt McLaren in der Formel 1 einem Sieg hinterher, doch 2015 soll mit dem Wechsel Honda der sportliche Wiederaufstieg des mehrfachen Weltmeister-Teams beginnen. Doch der begann bei den Wintertests mit einem klassischen Fehlstart, was den ehemaligen McLaren-Fahrer David Coulthard ratlos zurücklässt. "Ich verstehe die Situation bei McLaren und all ihre Schwierigkeiten nicht", sagt Coulthard der britischen Tageszeitung 'The Guardian'.

Jenson Button

Zum Haareraufen: Bei McLaren läuft nur wenig nach Plan Zoom

"Honda hat Rückstand, und den aufzuholen wird einige Zeit dauern", stellt Coulthard fest. Bei den Tests in Jerez und Barcelona stand der MP4-30 wegen Problemen mit der Antriebseinheit regelmäßig still, ein normaler Testbetrieb war für McLaren an den meisten der zwölf Testtage nicht möglich - und dass obwohl Honda bei der Entwicklung des Antriebs von den Erfahrungen McLarens mit dem Mercedes-Aggregat profitieren konnte.

"Es passieren Dinge, die für McLaren sehr untypisch sind", hält Coulthard fest und glaubt auch den Grund dafür zu kennen: "Ron Dennis will die Gruppe größer machen und Straßenautos entwickeln und gleichzeitig ein Formel-1-Team führen", so der Schotte. "Man kann sich aber nicht zwei Dingen zu 100 Prozent widmen, das ist physikalisch unmöglich."

Spagat zwischen Sportwagenbau und Formel 1 misslingt

McLaren P1

Die Entwicklung des P1 verschlinge zu viele Ressourcen, meint Coulthard Zoom

Und dieser Spagat misslinge McLaren nicht zum ersten Mal, denn schon früher habe sich laut Coulthard die Entwicklung von Straßenautos bei McLaren negativ auf die Leistung des Formel-1-Teams ausgewirkt. "Sie haben 1990er Jahren den F1-Sportwagen gebaut, und daraufhin ging es mit dem Formel-1-Team eine Zeit lang bergab. Dann kam das Team wieder nach vorne, und nachdem sie mit Mercedes den SLR entwickelt haben, ging es wieder bergab", führt Coulthard aus.

Und in den vergangenen Jahren habe McLaren mit dem MP4-12C und dem P1 zwar erneut erfolgreiche Sportwagen präsentiert, doch das Formel-1-Team dümpelt seit Anfang 2013 vor sich hin. "Da besteht definitiv ein Zusammenhang", ist sich Coulthard sicher. Und der sei kausal, denn die Entwicklung eines Sportwagens verschlinge viel Geld.


Fotos: Großer Preis von Australien, Pre-Events


"Je mehr Zeit und Energie man dafür aufwenden muss, Geld für das Straßenauto zu bekommen, umso weniger Zeit und Energie kann man für die Formel 1 aufbringen", sagt der Brite und verweist auf das Gegenbeispiel Red Bull, die ohne Rennhistorie, aber mit dem richtigen Personal und voller Konzentration auf die Formel 1 an die Spitze gefahren seien. "So war es auch zu Zeiten von Jean Todt, Michael Schumacher und Ross Brawn bei Ferrari", gibt Coulthard ein weiteres Beispiel. "Sie haben sich völlig darauf konzentriert, ein Siegerauto zu bauen."

Coulthard lobt Eric Boullier

Auch der zahlreichen personellen Veränderungen bei McLaren hätten noch keine spürbare Wirkung entfaltet, meint Coulthard. Dabei seien die Zutaten zum Bau eines Weltmeisterautos im futuristischen McLaren-Technology-Centre in Woking vorhanden. "Sie haben eine tolle Fabrik. Wenn es einen Wettbewerb gäbe, beim dem die beste Fabrik gewinnen würde, wäre McLaren in jedem Jahr Weltmeister", sagt Coulthard. Verglichen damit schneide die Konkurrenz schlecht ab. "Ferrari ist ziemlich heruntergekommen, Red Bull liegt mitten in einem Industriegebiet in Milton Keynes. Das ist nicht sexy."

Einen Hoffnungsschimmer sieht der Schotte allerdings bei seinem ehemaligen Team: Mit Rennleiter Eric Boullier, der vor Jahresfrist den glücklosen Teamchef Martin Whitmarsh abgelöst hatte, habe Dennis den richtigen Mann an Bord geholt. "Von Eric bin ich wirklich beeindruckt. Er ist auf jeden Fall ein Typ, der weiß wie der Hase läuft", sagt Coulthard. Doch er alleine könne McLaren auch nicht in die Spur bringen. "Wo bleiben die Sponsoren auf dem Auto?", fragt sich Coulthard beim Anblick das bei den Tests ziemlich nackten MP4-30. "Man kann nicht nur von Luft und Liebe leben."