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Christian Horner: Ja zu Honda war "eindeutige Entscheidung"

Bei Red Bull war man beeindruckt vom Kanada-Update der Japaner - Technische Fortschritte von Honda seien größer als beim bisherigen Partner Renault

(Motorsport-Total.com) - Worüber lange spekuliert wurde, herrscht seit diesem Dienstag Gewissheit: Das Red-Bull-Team wechselt zur Formel-1-Saison 2019 seinen Antriebspartner und sagt nach zwölf Jahren "au revoir" zu Renault. Im kommenden Jahr geht der englisch-österreichische Rennstall mit Honda-Motoren an den Start. Es soll laut Teamchef Christian Horner der Auftakt einer "neuen Ära" sein, in der das Team weiterhin um Siege und WM-Titel kämpfen will. In einem Video-Interview begründet Horner den Wechsel und spricht von einer "ziemlich eindeutigen Entscheidung", die allein aus technischen Gründen gefällt wurde.

Christian Horner, Cyril Abiteboul

Vorbei! Christian Horner (l.) entschied sich gegen Cyril Abitebouls Renault-Antriebe Zoom

Die Verantwortlichen um den Teamboss, Motorsportberater Helmut Marko und Technikguru Adrian Newey waren beeindruckt vom neuesten Update, das Honda beim vergangenen Kanada-Grand-Prix dem Red-Bull-Schwesterteam Toro Rosso zur Verfügung gestellt hatte. Durch Anpassungen am Benzinmotor standen den Piloten Pierre Gasly und Brendon Hartley bis zu 27 PS mehr zur Verfügung. Auch die Fahrbarkeit und Zuverlässigkeit des Antriebs - in den unglückseligen McLaren-Jahren stets die Schwachpunkte - zeigten sich so, wie es man es sich bei Red Bull wünschte.

"Wir hatten den Vorteil, die Fortschritte, die Honda bei Toro Rosso erzielte, aus der ersten Reihe zu verfolgen und mit den Fortschritten unseres Antriebspartners vergleichen zu können", lässt Horner durchblicken, dass es bei den Japanern zügiger voranging als bei Renault. In den vergangenen Jahren hörte man häufiger den Hinweis, dass man in Milton Keynes mit dem Entwicklungstempo der Franzosen unzufrieden sei. Honda, in den letzten Jahren stets der Sündenbock für McLaren, stellt er ein gutes Zeugnis aus. "Ihre Fortschritte sind wirklich toll."

Begünstigte Renault-Ultimatum die Entscheidung für Honda?

Und weiter: "Honda geht in die richtige Richtung, verbessert sich kontinuierlich - sowohl hinsichtlich der Leistung als auch bei ihrer Zuverlässigkeit. Mit den Informationen, die wir in Montreal bekamen, war es am Ende eine relativ klare Entscheidung, die aus technischen Aspekten für Honda getroffen wurde."

Pikant: Mit seinem Ultimatum, dass Red Bull die Entscheidung noch vor dem Frankreich-Grand-Prix treffen soll, hat Renault das Ja zu Honda möglicherweise noch begünstigt. Ursprünglich wollten sich Horner und Co. bis zum Heimrennen in Österreich Anfang Juli Zeit lassen und die Honda-Performance bei Toro Rosso in Le Castellet nochmals unter die Lupe zu nehmen. "Renault war sehr daran interessiert, schnellstmöglich eine Entscheidung zu bekommen - und auch wir wollten die Dinge dann nicht mehr verzögern. Also haben wir beschlossen, dass jetzt der richtige Zeitpunkt für einen Wechsel und unsere Ankündigung sei", erklärt Horner.

Dass der Wechsel zu den Japanern, die seit ihrem Wiedereinstieg in die Formel 1 2015 den Erwartungen hinterherhinken, ein Risiko ist und Red Bull gegenüber Mercedes und Ferrari ins Hintertreffen geraten könnte, verneint Horner. "Wir sind fest entschlossen, den Abstand nach vorne zu verringern und der Antrieb spielt dabei eine wichtige Rolle. Honda hat die richtige Infrastruktur, die notwendigen Ressourcen, die technische Kapazitäten und die Entschlossenheit, um Ferrari und Mercedes anzugreifen", ist der Brite überzeugt.

Weiter WM-Chancen 2018 trotz Renault-Absage?

Bleibt die Frage, wie die Allianz von Red Bull und Renault nach dieser Entscheidung die restliche Formel-1-Saison 2018 angeht, die erst zu einem Drittel absolviert ist. Setzt man bei den Franzosen ab sofort alle Ressourcen auf das eigene Werksteam - und konzentriert man sich in Milton Keynes bereits auf die Zukunft mit Honda?

Horner winkt ab: "Unser ganzer Fokus liegt auf dieser Weltmeisterschaft. Wir haben zwei Rennen gewonnen, sind Dritter in der Konstrukteurs-WM und haben in beiden Wertungen Außenseiterchancen. Wir werden pushen - und Renault wird uns wie in den elf Jahren zuvor unterstützen", setzt der Red-Bull-Boss die Prioritäten. Fraglich nur, ob man die in Frankreich ab sofort noch genauso sieht...

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