powered by Motorsport.com
  • 21.07.2011 · 22:57

  • von Dieter Rencken

Button: "Im Team herrscht eine positive Atmosphäre"

Jenson Button ist trotz der Silverstone-Enttäuschung optimistisch, dass McLaren auf dem Nürburgring konkurrenzfähig aufgestellt ist

(Motorsport-Total.com) - Nach der Enttäuschung von Silverstone tauchte Jenson Button auf dem Nürburgring in guter Stimmung auf. Der Zwischengas-Streit von Großbritannien gehört der Vergangenheit an und McLaren ist zuversichtlich, dass man mit den alten Regeln wieder ein Wort um den Sieg mitreden kann. Dazu hatten die Ingenieure einige Updates für die Chrompfeile im Gepäck. Die Kritik an Teamchef Martin Whitmarsh weißt Button entschieden zurück. Für den Weltmeister von 2009 gibt es nur ein Mittel um die Vettel-Party in Deutschland zu vermiesen - den Sieg.

Jenson Button

McLaren-Pilot Jenson Button ist gut gelaunt nach Deutschland gereist

Frage: "Was denkst du über den Nürburgring generell? Die Zukunft im Formel-1-Kalender ist sehr unsicher."
Jenson Button: "Ich bin vor einigen Jahren mit einem Honda Type R auf der Nordschleife gefahren. Etwas Schnelleres bin ich dort nie gefahren, aber dieser Ort hat viel Geschichte und Tradition. Ob wir in Zukunft noch hier fahren weiß ich nicht. Man darf aber nie die Vergangenheit vergessen."

Frage: "Silverstone ist für euch schwierig verlaufen. Gab es viele Gespräche im Team?"
Button: "Ja das haben wir getan. Man diskutiert nicht ewig solche Dinge, sondern blickt nach vorne. Wir hatten schwierige Wochenenden, aber es herrscht eine gute Atmosphäre. Ich war vergangenen Mittwoch und Donnerstag in der Fabrik, habe im Simulator trainiert und Zeit mit dem Team verbracht. Ich liebe es im Simulator zu fahren."

Frage: "Hast du auch mit deinen Mechanikern über den verpatzten Boxenstopp gesprochen?"
Button: "Ich habe mich mit dem Mechaniker, der den Wagenheber vorne bedient, unterhalten. Er dachte, dass der Mechaniker rechts vorne mit der Hand das Zeichen für das Okay gegeben hatte, aber dieser griff gerade nach dem zweiten Schlagschrauber. Dann hat er das Auto vorne abgesenkt. Das ist für den Lolipop-Mann das Zeichen, auf den hinteren Wagenheber zu schauen, der normalerweise gleich danach nach unten geht. Sobald dieses Prozedere gestartet ist, kann man es nicht mehr stoppen."

"Das Problem ist, dass wir heute nicht mehr nachtanken und die Boxenstopps in drei Sekunden absolvieren müssen. Dann haben wir noch gegen Webber gekämpft. Der Standzeit war auch toll, nur leider war das rechte Vorderrad nicht montiert. Ich habe selbst den Reifen gewechselt und doppelt so lange wie meine Jungs gebraucht. Die Teile sind alle viel schwerer als man denkt. Dazu ist es heiß und überall ist der Bremsstaub. Es ist nicht einfach für die Jungs. Red Bull hatte ebenfalls einen Fehler gemacht. Man kann so viel man will trainieren, Fehler können trotzdem passieren."

¿pbvin|512|3901||0|1pb¿Frage: "Glaubst du, ist McLaren in Deutschland besser aufgestellt?"
Button: "Ich hoffe es. Wir haben neue Dinge hier, die uns helfen sollten. Aber auch alle anderen Teams haben Neuerungen, so wie immer. Es geht nur darum, ob unsere etwas besser als ihre sind. Wir wissen es nicht. Mir gefällt die Strecke sehr gut. Hoffentlich sieht es das Auto auch so. Es ist gut, dass wir aufgrund der Regeländerung eine konstantere Balance haben. Wir werden sehen was das Wetter macht. Ein paar trockene Trainings wären ganz gut."

Frage: "Ferrari geht davon aus, dass sie McLaren überholt haben. Wie siehst du das?"
Button: "Ich glaube nicht, dass wir hier den gleichen Geschwindigkeitsunterschied zwischen Ferrari und McLaren sehen werden. Ich glaube, dass die Regeln in Silverstone dem roten Team geholfen und uns getroffen haben. Das war schade, weil es unser Heimrennen war. Hier werden wir konkurrenzfähiger sein und mit Ferrari kämpfen. Mit Red Bull weiß ich nicht. In Silverstone sind wir ihr Tempo gefahren und waren im Rennen etwas besser. Wir werden es sehen. Ich freue mich auf das Wochenende."

Frage: "Werdet ihr stark davon profitieren, dass man mit den Regeln von Valencia fährt?"
Button: "Ich glaube schon. Wir haben viel am angeblasenen Diffusor gearbeitet und es hat uns hart getroffen, als die Regeln mitten in der Saison verändert wurden. Es wird uns jetzt wieder helfen und wir werden uns einen schönen Kampf mit Red Bull und Ferrari liefern. Ich glaube, dass wir bei dem angeströmten Diffusor besser sind als die anderen Teams. Uns wird die Rückkehr zu den Regeln helfen, Red Bull aber auch. Wir brauchen aber vor niemandem Angst haben."


Fotos: Großer Preis von Deutschland, Pre-Events


Frage: "Du hattest jetzt zwei schlechte Rennwochenenden in Folge. Ist deine WM-Chance damit endgültig dahin?"
Button: "Es waren zwei enttäuschende Rennen, weil wir in Valencia nicht schnell waren und einen KERS-Defekt hatten. In Silverstone gab es das Problem mit der Radmutter. Ich denke, die Chance auf das Podium war sehr groß. Es hätte besser laufen können, denn unser Tempo war nicht so schlecht, aber wir haben Fehler gemacht und hatten auch ein wenig Pech. Wir können in Deutschland konkurrenzfähig sein und mit beiden Teams kämpfen. Im Team herrschte eine positive Atmosphäre."

Frage: "In der WM liegst du viele Punkte zurück. Was denkst du darüber?"
Button: "Ich bin von dieser Frage gelangweilt. Wir wollen jedes Rennen gewinnen. Es gibt absolut keinen Grund darüber nachzudenken, was in vier oder fünf Rennen sein wird. Wir wollen das Auto bei jedem Rennen verbessern und dürfen keine Fehler machen. Das ist im Moment unser Ziel. Wir sind froh, dass die Regeln wieder wie vor Silverstone sind."

Frage: "In Silverstone war McLaren im Qualifying extrem weit weg von Red Bull. Habt ihr herausgefunden warum das so war?"
Button: "Nein. Wir waren das ganze Jahr schon im Qualifying hinter Red Bull. In Silverstone war der Abstand aber extrem groß. Ich dachte, dass es an dem System für den angeblasenen Diffusor lag, aber im Rennen waren wir mit ihnen gleichauf, oder sogar schneller. Bevor der Fehler in der Box passierte, habe ich auf Mark Webber aufgeholt und war pro Runde um eine halbe Sekunde schneller als er. Das Tempo war gut. Ich weiß nicht, warum das Auto in der Qualifikation nicht funktionierte. Hoffentlich läuft es hier besser. Wenn nicht, dann sind wir hoffentlich knapp dran und kämpfen mit ihnen. Ich glaube, dass wir hier sehr stark sind."

Frage: "Wie sieht es mit dem neuen Heckflügel aus, den ihr in Silverstone erstmals getestet habt?"
Button: "Es ist mehr ein Kanada- und Valencia-Flügel. Wir haben ihn spät bekommen und nicht vernünftig zum Arbeiten gebracht. Es war etwas enttäuschend. Wir haben aber andere Updates, die es uns ermöglichen sollten, mit Ferrari und Red Bull zu kämpfen."

¿pbvin|512|3891||0|1pb¿Frage: "Wird euch Ferrari künftig regelmäßig schlagen?"
Button. "Nein. Beim letzten Rennen haben ihnen die Regeln etwas geholfen. Da wir zu den alten Regeln zurückgekehrt sind, wird uns das etwas mehr helfen. Ich glaube nicht, dass wir uns darüber Sorgen machen müssen, dass uns Ferrari regelmäßig schlägt."

Frage: "Teamchef Martin Whitmarsh hat offen gesagt, dass McLaren nicht dort ist, wo ihr sein wollt. Ihr seid ein Rennteam und habt in der Vergangenheit bewiesen, dass alles möglich ist."
Button: "Ja, er war sehr direkt und ehrlich. Es ist gut, wenn ein Chef so ehrlich ist. Er hat auch absolut recht. Das Team hat unzählige WM-Titel gewonnen und wird das wieder schaffen. Das Team lebt die Leidenschaft für den Rennsport und hat die nötigen Ressourcen."

Frage: "Wie ist die Stimmung im Team? Die britischen Medien haben Whitmarsh unter Beschuss gehabt."
Button: "Er sollte nicht unter Druck stehen. Ich weiß nicht, wer sich diese Geschichten ausgedacht hat, denn das ist ganz klar nicht die Meinung im Team. Es herrscht eine tolle Atmosphäre und Martin macht einen verdammt tollen Job. Ich genieße es mit Martin zu arbeiten. Er ist ein intelligenter und cleverer Kerl, der Leidenschaft für den Rennsport hat. Er ist genau die richtige Führungsperson für McLaren."

Frage: "Es ist das Heimrennen von Sebastian Vettel. Wo kannst du ihm in die Suppe spucken?"
Button: "Das ist ganz einfach - indem ich ihn schlage. Ich glaube, dass wir mit ihm kämpfen können und wir nehmen ihm hoffentlich ein paar Punkte ab. Er ist der Fahrer, den wir alle im Visier haben. Sollte der Punkt kommen, an dem wir nicht mehr den WM-Titel gewinnen können, dann werden wir trotzdem nicht aufgeben, weil wir Rennen gewinnen wollen."

Frage: "Mittlerweile heißt es, dass Jenson Button der Mann ist, den es im Regen zu schlagen gilt."
Button: "Das war in Silverstone nicht der Fall. Bei diesen kalten Bedingungen habe ich die Vorderreifen nicht auf Temperatur gebracht. Im Trockenen war das Tempo gut. Ich mag gemischte Bedingungen."