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Brawn verspricht simplere Formel 1: "Verstehe es selbst nicht"

Wieso ausgerechnet Strategieguru Ross Brawn die Formel 1 für Jedermann genießbar machen will und wie ein Aha-Erlebnis in der Auszeit die Zukunft prägen wird

(Motorsport-Total.com) - Wie wird sich die Formel 1 nach Bernie Ecclestone ändern? Ross Brawn, der von Neo-Eigentümer Liberty Media beauftragt wurde, sich der sportlichen Seite anzunehmen, hat ein klares Ziel: Der Grand-Prix-Sport muss einfacher werden! Das ist dem Briten in seiner Zeit nach dem Aus als Mercedes-Teamchef bewusst geworden. "Ich habe am Sonntagnachmittag vor dem Fernseher gesessen, um mir das Rennen anzusehen, und ich dachte mir: Was zur Hölle passiert da?"

Monitor, Daten, Bildschirm

Ross Brawn will die Formel 1 auch ohne Daten erfassbar machen Zoom

Und das sagt mit Brawn ein Mann, der heute als Vorreiter für moderne Strategiearbeit in der Königsklasse des Motorsports gilt. "Und wenn ich es nicht verstehe und meinen Laptop benötige, um die Zeiten im Blick zu haben und um zu wissen, wer gerade an der Box war, dann erweisen wir der Formel 1 keinen guten Dienst", ist dem erfahrenen Ingenieur gegenüber 'ESPNF1' bewusst.

Brawn ist der Ansicht, dass der Zuschauer auch dann einem Grand Prix folgen können muss, wenn er ihn nicht von Anfang an verfolgt hat: "Ich weiß, dass die Strategie ein sehr interessantes Element sein kann, aber wenn man von der ersten bis zur letzten Runde zuschauen muss und jedes Detail beachten muss, dann ist das ein bisschen zu kompliziert. Mir ist durch meine Auszeit klar geworden, dass wir einen Schritt zurück machen müssen, wir müssen es mit den Augen der Fans sehen. Und für die Zuschauer auf den Tribünen muss es ohne all diese Informationen sehr schwierig sein."

Formel 1 soll für unterschiedliche Zielgruppen zugänglich werden

Lewis Hamilton, Boxenstopp

Das Strategiespiel ist Brawn für den Zuschauer nicht verständlich Zoom

Damit will Brawn die Formel 1 keinesfalls banalisieren, sondern dafür sorgen, dass sie für die unterschiedlichsten Zielgruppen interessant ist. "Wir wollen das gesamte Spektrum der Formel 1 ausloten", erklärt er. "Die Technologie ist großartig, aber sie ist eben nicht für jeden interessant. Wir wollen, dass die Fans auf unterschiedlichen Ebenen einsteigen können."

Was er Technikfreaks anbieten kann? "Wir können den Zugang zu den Informationen verbessern, die der wahre Enthusiast benötigt, um jedes Detail im Blick zu haben, aber man muss am Sonntag, wenn man den Fernseher einschaltet, dem Rennen auch ohne Laptop folgen können."

Brawn will sich in die Rolle des Fans versetzen

Ross Brawn

Ross Brawn hat bei Ferrari moderne Rennstrategie geprägt wie kein anderer Zoom

Vor allem die komplexen Strategien sind ihm derzeit ein Dorn im Auge: "Man kann dem Rennen nicht folgen, solange man nicht weiß, welches Auto auf welcher Mischung ist, wie viele Boxenstopps bereits gemacht wurden, wer wo liegt, wie groß die Abstände sind, wie lange ein Stopp dauert, ob sich derjenige im Fenster befindet und all diese Dinge."

Generell will Brawn in Zukunft viel mehr auf die Fans eingehen, die seiner Meinung nach zuletzt etwas zu kurz gekommen sind, was sich auch an den sinkenden Zuschauerzahlen zeigt. Wie das gelingen soll? "Ich werde mich vor jeder technischen oder sportlichen Entscheidung fragen, welche Auswirkung das auf die Show und auf das Erlebnis der Fans haben wird", verspricht der Brite. Sein Vorteil: Er kennt aus seiner langjährigen Erfahrung auch die Perspektive der Ingenieure und der Fahrer, kann also die Auswirkungen auf unterschiedlichen Ebenen einschätzen.