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Berger: "Das war eine sehr kurzfristige Entscheidung"

Gerhard Berger erklärt, warum er nun doch quasi über Nacht in die Formel 1 zurückkehrt - und das auch noch mit "meinem eigenen Team"

(Motorsport-Total.com) - Viel schneller als erwartet ist Gerhard Berger mit seinem Plan, ein eigenes Formel-1-Team zu besitzen, wieder in die Formel 1 zurückgekehrt. Der Österreicher ist seit Donnerstag offiziell ein Rennstallbesitzer, erwarb 50 Prozent der Scuderia Toro Rosso von seinem Freund und Landsmann Dietrich Mateschitz, der sich seinerseits mit 50 Prozent an Bergers Speditionsunternehmen beteiligt, die schon früher im Auftrag von Red Bull arbeitete.

Gerhard Berger

Mit Berger kehrt eine der beliebtesten Persönlichkeiten ins Fahrerlager zurück

Vom Formel-1-Pilot über den Posten des BMW Motorsport Direktors bis hin zum Teambesitzer - Gerhard Berger lässt die Faszination Formel 1 auch nach über 20 Jahren nicht los. Nach 14 Jahren und 210 Grands Prix als Formel-1-Pilot war der Tiroler im Oktober 1998 als BMW Motorsport Direktor angetreten und konnte schon damals seine Managementqualitäten ausleben, die er schon als Fahrer zeigte, als er sich selbst managte und fürstliche Gagen aushandelte.#w1#

BMW Motorsport Direktor "zum warm werden"

Seine damalige Aufgabe in der Doppelspitze mit Dr. Mario Theissen wurde zur Erfolgsstory. 1999 gewann BMW mit dem BMW V12 LMR sowohl die 24 Stunden von Le Mans als auch die 12 Stunden von Sebring gegen härteste Konkurrenz. Später folgten auch Rennsiege in der Formel 1.

Ohne Zweifel wird der Neuzugang Gerhard Berger für die Scuderia Toro Rosso Gold wert sein. Der Vater dreier Töchter kennt sich in der Formel 1 aus, weiß, wie man ein Unternehmen führt und ist mit vollem Herzen bei der Sache - eine perfekte Kombination.

Auszeit für neue Kraft

Gerhard Berger

Gerhard Berger bei seinem Abschied aus der Formel 1 Zoom

Am 14. September 2003 trat Berger letztmals in einer offiziellen Funktion bei einem Formel-1-Rennen auf. Der Wunsch nach einem Comeback war immer vorhanden, doch es gab einige Hürden zu überwinden. Erstens hatte der in Wörgl geborene Berger die Fliegerei und das Leben in Hotels satt, wollte Zeit mit seiner Familie verbringen, liegen gebliebene Dinge aufarbeiten und sich um die Spedition seines verstorbenen Vaters kümmern.

Zudem standen ihm die derzeit immensen Kosten in der Formel 1 im Weg. Nun hat Berger ein echtes Schnäppchen gemacht. Zum einen muss er nicht bei Null anfangen, hat es aber dennoch mit einem sich im Aufbau befindlichen Team zu tun, das er prägen kann. Schließlich kaufte der Energiegetränkehersteller Minardi erst vor wenigen Monaten auf.

Von 0 auf 50 Prozent in wenigen Tagen...

"Das hier ist bereits mein eigenes Team", so Berger in einem Interview mit der 'APA', der "vorerst" ausschließt, dass ihn mehr Ambitionen dazu reiten, ein komplett neues Team selbst auf die Beine zu stellen. Ein eigenes Team aufzubauen ist eine "große Herausforderung", wie Berger weiß, die Verbindung mit Mateschitz für Berger hingegen ideal: "Es besteht eine langjährige Verbindung mit Mateschitz und ein gegenseitiges Vertrauensverhältnis."

Bisher musste man davon ausgehen, dass Berger frühestens 2008 in die Formel 1 einsteigt, wenn die "Königsklasse des Motorsports" deutlich billiger werden soll, zumal der Österreicher weder bei Red Bull Racing als Teamchef verpflichtet wurde, noch bei der Scuderia Toro Rosso, wie das einige Insider vermutet hatten.

'Red Bull'-Chef Dietrich Mateschitz

Berger war der erste Motorsportler, den Mateschitz einst sponserte Zoom

Doch in der Formel 1 gehen Türen manchmal schnell wieder auf als man glauben mag: "Das war eine sehr kurzfristige Entscheidung der vergangenen Tage", so Berger. Bei Gesprächen mit seinem Freund Dietrich Mateschitz sei beiden bewusst geworden, dass man gemeinsam Interessen hat und viele Synergien nützen könnte: "Dieser Weg ist für beide Seiten Erfolg versprechend."

Zwei Fliegen mit einer Klappe erschlagen

Nicht nur Red Bull profitiert dank Gerhard Bergers Engagement im Formel-1-Team, sondern auch Berger kann mit seinem Speditionsunternehmen von den Milliardenumsätzen profitieren, die Red Bull macht. Die Sorgen der vergangenen Jahre um die Zukunft seiner Mitarbeiter scheinen schnell vergessen werden zu können, der Kampf um die Zukunft des Unternehmens scheint sich gelohnt zu haben.

Berger will den Ball flach halten

Anna und Gerhard Berger

Nun muss sich Anna Berger wieder öfters an "Gerhard-freie Zeiten "gewöhnen Zoom

Was die sportlichen Leistungen auf der Rennstrecke betrifft, ist Gerhard Berger bemüht, den "Ball flach zu halten", wie er betont, auch wenn er davon ausgeht, dass mit seinem Fachwissen und den Möglichkeiten von Red Bull "einiges möglich" sein sollte, was aber eine mehrjährige Entwicklung erfordere.

Wie sich Gerhard Berger genau im Team engagieren wird und ob er zu allen Rennen reisen wird, gilt es übrigens noch abzuklären. Von Red Bull wurde Berger zunächst nur als "Berater" präsentiert, Teamchef wird auf jeden Fall Franz Tost bleiben: "Ich werde ihm aber nahe zur Seite stehen. Wie als Unternehmer muss ich die richtige Richtung für mein Team vorgeben." Außer Frage steht, dass ein 50-Prozent-Anteilseigner großen Einfluss auf ein Team ausüben kann und auch sollte.